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Schweizer Übernahmemarkt zieht an – doch Private Equity bleibt aussen vor

Höhere M&A Volumen, zeugen laut BCG von einer Wiederbelebung des Markts (Bild: Shutterstock)
Höhere M&A Volumen, zeugen laut BCG von einer Wiederbelebung des Markts (Bild: Shutterstock)

Das Volumen der Schweizer M&A-Deals ist in den ersten acht Monaten dieses Jahres um rund ein Fünftel auf 44 Milliarden US-Dollar gestiegen, wie die Boston Consulting Group (BCG) schreibt. Getragen wird die Erholung praktisch ausschliesslich von finanzstarken Konzernen. Was heisst das für die Private-Equity-Branche?

21.09.2026, 07:31 Uhr
Alternatives | Aktien | Neue Produkte

Redaktion: asc

Mit 44 Milliarden US-Dollar liegt das Schweizer Deal-Volumen leicht über dem Achtjahresdurchschnitt und markiert damit eine Wiederbelebung des hiesigen M&A-Geschehens, so BCG in einer am Montag veröffentlichten Auswertung. Jeremy Merz, Partner und Managing Director bei BCG, führt die Entwicklung auf die hohen Cash-Bestände der Konzerne und deren gestiegene Übernahmebereitschaft zurück – kombiniert mit dem Druck auf manche Finanzinvestoren, vor der nächsten Fundraising-Runde noch Beteiligungen zu verkaufen. Das Resultat: ein sinkender Anteil der Sponsoren am Gesamtmarkt. Die Schweiz kommt damit auf 1,6 Prozent des weltweiten Übernahmevolumens von 2,1 Billionen US-Dollar – global der höchste Stand seit dem pandemiebedingten M&A-Boom.

Zu den grössten Schweizer Transaktionen zählen die Übernahme des Spezialversicherers Beazley durch die Zurich Insurance Group für 10,9 Milliarden US-Dollar sowie der 5,6 Milliarden US-Dollar schwere Kauf des britischen Automatisierungsspezialisten Rotork durch ABB.

Private Equity auf einem Achtjahrestief

Private-Equity-Häuser waren an den Schweizer Deals im Berichtszeitraum nur noch mit rund 8 Milliarden US-Dollar beteiligt – der zweittiefste Wert der vergangenen acht Jahre. Dazu zählten CVC's 2,6 Milliarden US-Dollar schwerer Kauf des Tierernährungs- und Gesundheitsgeschäfts von DSM-Firmenich sowie eine Beteiligung von Lone Star an einem Teilverkauf des Lonza-Portfolios. «Es ist ein ziemlich Schweiz-spezifischer Effekt», wird Merz zitiert – in anderen Ländern liege der Anteil sponsorgeführter Deals nach wie vor deutlich höher.

Auch KKR-Co-CEO Scott Nuttall bestätigte in Zürich, dass Strategen im Bieterwettstreit derzeit oft die Nase vorn haben, weil Konzerne über mehr Liquidität und tiefere Kapitalkosten verfügen. KKR selbst steuere dennoch auf ein Rekordjahr bei Investitionen, Ausschüttungen und Fundraising zu.

Der Vergleich mit den eigenen Zahlen vom Sommer

Bemerkenswert ist die Entwicklung im Vergleich zu den «Mid-2026 M&A Insights» von BCG, über die investrends.ch im Juli berichtet hatte: Damals wurden für das erste Halbjahr 172 Übernahmen mit Schweizer Zielunternehmen gezählt – der höchste Stand seit 2022 – bei gleichzeitig um 40 Prozent eingebrochenem Transaktionsvolumen. Die neuen Acht-Monats-Zahlen zeichnen nun ein deutlich positiveres Bild: Offenbar hat vor allem der Sommer, mit dem ABB-Rotork-Deal im Juli als prominentestem Beispiel, das Gesamtvolumen kräftig nach oben gezogen. Das passt zum «Barbell»-Muster, das auch KPMG im «Pulse of Private Equity Q2'26» beschrieben hatte: wenige, aber sehr grosse Transaktionen treiben das Volumen, während die Anzahl der Deals in der Breite schwächelt.

Einordnung im Mehrjahresvergleich

KPMG kam in ihrem «Clarity on Mergers & Acquisitions»-Bericht für das Gesamtjahr 2025 auf 502 Schweizer Transaktionen mit einem Volumen von rund 166,8 Milliarden US-Dollar – nach 464 Deals und 115,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Private Equity war daran mit 142 Deals beziehungsweise 28 Prozent aller Transaktionen und einem Volumen von rund 46,2 Milliarden US-Dollar beteiligt. Gemessen daran wirkt der aktuelle PE-Anteil von rund 8 Milliarden US-Dollar an 44 Milliarden US-Dollar Gesamtvolumen – knapp 18 Prozent – wie ein deutlicher Rückschritt, auch wenn die Zeiträume nicht exakt deckungsgleich sind.

Ein Gegengewicht liefert der Blick auf den Schweizer KMU-Bereich: Laut Deloitte wuchs das M&A-Volumen bei Schweizer KMU 2025 um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Zahl der PE-Transaktionen in diesem Segment sogar um 45 Prozent auf 116 Deals zunahm – getrieben vor allem durch ergänzende Inbound-Übernahmen. Das deutet darauf hin, dass sich der von BCG beschriebene Rückzug der Finanzinvestoren vor allem im Grossdeal-Segment abspielt, während PE-Häuser bei kleineren Schweizer Zukäufen weiterhin aktiv bleiben.

Ausblick

Dass die Private-Equity-Branche unter Druck steht, zeigt sich laut BCG und KPMG unabhängig voneinander auch an sinkenden Ausschüttungen und einem historisch schwachen Exit-Tempo. Die Branche greift entsprechend vermehrt zu Dividend-Recapitalizations, NAV-Krediten und Continuation Funds, um Kapital an Investoren zurückzuführen. Nuttall geht davon aus, dass sich der Trend zu Continuation Vehicles fortsetzen dürfte – ob sich die Schweizer PE-Flaute als «Momentaufnahme» erweist, wie er es nennt, oder strukturell wird, dürfte sich frühestens in den Zahlen zum Gesamtjahr 2026 zeigen.

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