Was Anleger in den nächsten fünf Jahren erwarten können

Besonders Aktien aus Schwellenländern dürften gemäss Robeco attraktive Erträge abwerfen. (Bild: Shutterstock.com/sladkozaponi)
Besonders Aktien aus Schwellenländern dürften gemäss Robeco attraktive Erträge abwerfen. (Bild: Shutterstock.com/sladkozaponi)

Die nächsten fünf Jahre dürften für Anlegerinnen und Anleger einige Herausforderungen bergen. Robeco zeigt aber auf, wie die Zeit des radikalen Übergangs gut überstanden werden kann und wo trotz negativer Zinsen attraktive Erträge möglich sind.

01.10.2020, 05:00 Uhr

Redaktion: alm

Zum zehnten Mal hat Robeco seine jährlich erscheinenden Publikation "Expected Returns" veröffentlicht. Sie gibt einen Ausblick darauf, was Anleger in den nächsten fünf Jahren erwarten können. Der Vermögensverwalter rechnet mit einer länger anhaltenden Phase negativer Realzinsen. Von entscheidender Bedeutung werde sein, wie sich die Negativzinsen auf den Zusammenhang zwischen ökonomischen Fundamentaldaten und der Entwicklung von Vermögenspreisen sowie der Konsequenzen für die Multi-Asset-Allokation auswirken werden.

"Wir befinden uns in einer Zeit des radikalen Übergangs, und die Finanzmärkte werden von verstärkten Kursschwankungen geprägt bleiben. Dennoch lassen sich aus dem Hintergrundrauschen Signale herausfiltern", kommentiert Robeco. Denn die Finanzmärkte seien schliesslich bereits in der Vergangenheit mit Pandemien und länger anhaltenden Phasen negativer realer Zinsen konfrontiert gewesen.

Eingehen von Risiken dürfte belohnt werden

"Das Eingehen von Risiken in den nächsten fünf Jahren wird sich voraussichtlich auszahlen – insbesondere deshalb, da einige traditionelle 'sichere Häfen' letztlich ebenfalls als riskant wahrgenommen werden. Für die meisten riskanten Assetklassen erwarten wir eine beträchtliche Prämie für das Eingehen des Volatilitätsrisikos, was zu attraktiven Sharpe Ratios führen sollte", so Robeco. Trotz erhöhter Risikoprämien gehen die Experten davon aus, das die absoluten Asset-Erträge unter ihren Gleichgewichtsniveaus bleiben dürften.

Bei Staatsanleihen besteht nur begrenzter Spielraum für einen Renditeanstieg. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen werde in den USA in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich auf maximal 1,5% begrenzt bleiben, in Deutschland und Japan sogar auf nur 0,5%. Berücksichtigt haben Robecos Spezialisten dabei einen leichten Anstieg der Zinsen gegen Ende des 5-Jahres-Zeitraums, wenn eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums einsetzt. Folglich dürften Staatsanleiheninvestoren an allen wichtigen Märkten negative nominale Ergebnisse erzielen. So könnte ein globales Staatsanleihen-Portfolio in Euro gerechnet einen durchschnittlichen Ertrag von -0,75% aufweisen. Mit Investment Grade-Unternehmensanleihen hingegen könnten Anlegerinnen und Anleger in den nächsten fünf Jahren einen überdurchschnittlichen Renditeaufschlag von 1%-Punkt erzielen – daraus ergibt sich ein voraussichtlicher Ertrag von 0,25%.

Attraktive Erträge bei Aktien aus Schwellenländern

Die Erträge von Aktien dürften gemäss Robeco zwar unter ihrem langfristigen Durchschnitt liegen. Verglichen mit relativ sicheren Anlagen wie Staatsanleihen seien ihre Risikoprämien jedoch sehr attraktiv. Die Experten unterscheiden aber zwischen Aktien aus entwickelten Nationen und solchen aus Schwellenländern: "Aktien aus entwickelten Ländern sind leicht überbewertet, hauptsächlich aufgrund überhöhter Aktienbewertungen in den USA. Ihre Bewertungen sind daher im Vergleich zum Gleichgewichtsniveau weiterhin negativ. Dennoch beträgt ihr erwarteter Ertrag durchschnittlich 4,75% pro Jahr." Die Ertragsprognose für Aktien aus Schwellenländern hingegen hat Robeco heraufgesetzt. Parallel zu einer überraschend starken Inflation in den entwickelten Ländern haben die Börsen der Schwellenländer beim Gewinn pro Aktie häufig aufgeholt. Infolgedessen erwarten die Spezialisten für die Emerging Markets einen durchschnittlichen Aktienertrag von 6,75% pro Jahr.

Politik rückt vermehrt in den Fokus der Märkte

Waren in den letzten Monaten besonders die Massnahmen der Notenbanken entscheidend für die Finanzmärkte, dürfte sich der Fokus der Märkte hin zu den Regierungen verlagern. "Damit gehen stärkere Schwankungen bei den Asset-Preisen und den Wechselkursen einher, da die Politik eine nicht so klare Orientierung und reibungslose Umsetzung wie die Notenbanken bietet", so Robeco. Deshalb müsse beim Denken in Szenarien eine wesentliche Frage berücksichtigt werden: Gelingt es der Politik, die realen Zinsen für einen erheblichen Zeitraum weit genug zu drücken, um eine selbsttragende Konjunkturerholung zu ermöglichen? Robeco geht davon aus, dass dies der Fall sein wird. Jedoch werde der Erfolg mehr als je zuvor in der Nachkriegsgeschichte von der engen Zusammenarbeit zwischen der Geld- und der Fiskalpolitik abhängen.

Letzten Endes geht Peter van der Welle, Strategieexperte im Multi-Asset-Team von Robeco, von einem "Brave real world"-Szenario aus, welches auf dem Anstieg der Inflationsraten in Kombination mit niedrigen Staatsanleihenrenditen basiert. Dabei gelte es, die Herausforderungen bei der Erreichung einer nachhaltigen, grüneren Zukunft zu überwinden.

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