Trader unterliegen häufig Emotionen und Stimmungen
Die Psychologie spielt eine Schlüsselrolle beim Traden. (Bild: Shutterstock.com/Axel Koch)
Trader verlieren oft mehr Geld, als sie gewinnen. Eine neue Studie befasst sich mit den Auswirkungen von Persönlichkeitsmerkmalen, Emotionen und Stimmungen, Verhaltensverzerrungen sowie sozialem Druck beim Trading.
28.06.2021, 10:49 Uhr
Redaktion: rem
Die Studie, zu der IG einen Leitfaden zusammengestellt hat, wurde durch die Erkenntnis motiviert, dass die Vorhersagen der Trader mehr als 50% der Zeit korrekt sind, und doch verlieren sie oft mehr Geld, als sie gewinnen. Laut den Untersuchungen beeinflussen eine Reihe von Faktoren die Entscheidungen eines Traders, aber die Psychologie spielt eine Schlüsselrolle, so dass der Trader von seinen Plänen abweicht und unnötige Risiken eingeht.
Emotionen und Stimmungen
Die emotionale Verfassung eines Traders kann einen wesentlichen Einfluss darauf haben, wie er auf bestimmte Umstände und Auslöseimpulse (engl. Trigger) reagiert. Die Studie erläutert die Psychologie der Angst, Gier, Hoffnung, Frustration und Langeweile und welche Auswirkungen sie auf die Performance eines Traders haben können:
Langeweile: Langeweile kann entstehen, wenn sich die Märkte nur langsam bewegen, oder wenn ein Trader nicht den gewünschten Gewinn eingefahren hat. Daraufhin beginnt der Trader damit, nach aufregenden Erlebnissen zu suchen, um die Langweile zu bekämpfen. Er sucht dabei nach abwechslungsreichen, neuartigen, komplexen und intensiven Erlebnissen und Erfahrungen. Als Folge dessen, könnten jedoch zu hohe Risiken eingegangen werden. Alan Wong und Bernardo Carducci führten eine Untersuchung durch und entwickelten eine "Skala der Sensationsgier" (Sensation Seeking Scale, SSS), um zu zeigen, wie anfällig die Teilnehmer für Sensationsgier und unnötige Risiken aufgrund von Langeweile waren. Laut der SSS waren männliche Teilnehmer anfälliger für Sensationsgier und Langeweile als ihre weiblichen Gegenüber. Eine Umfrage von IG habe ähnliche Ergebnisse gezeigt: 50% der Männer sind bereit höhere Risiken für verbesserte Renditen einzugehen, bei den Frauen waren es nur 35%.
Gier: Mit Gier ist im Bereich des Traden die irrationale Verhaltensweise gemeint, einem übermäßig hohen Gewinn nachzujagen. Diese Verhaltensweise zeigt sich darin, dass ein Trader überenthusiastisch reagiert oder weit über seine Möglichkeiten hinaus tradet. Er eröffnet beispielsweise mehr Positionen als üblich oder hält Positionen länger, um einen noch höheren Gewinn einfahren zu können. Dadurch kann es zu hohen Verlusten kommen oder sogar das gesamte bisher erwirtschaftete Kapital vernichtet werden. Gier hat auch eine Menge damit zu tun, wie häufig jemand traded bzw. ob ein Trader denkt, dass er häufiger traden sollte. Eine Studie von Graham, Harvey und Huang hat bei Messungen des Selbstvertrauens von Tradern gezeigt, dass ein leicht verbessertes Selbstbewusstsein zu einer leicht gesteigerten Tradingaktivität führt. Diese Erkenntnis decke sich mit einer Umfrage von IG, nach der im Durchschnitt 42% der Befragten das Gefühl hatten, dass sie häufiger traden sollten, auch wenn fehlendes Wissen oder Selbstvertrauen sie vielleicht abschreckt.
SOZIALER DRUCK
Sozialer Druck sind externe Faktoren, die einen direkten Einfluss auf die Psychologie eines Traders haben können und ihn ermutigen, seine Einstellungen, Werte und Verhaltensweisen zu ändern. Der soziale Leistungsdruck kann Fehler verursachen und dazu führen, dass Trader grössere Risiken eingehen.
Leitfaden
Das von den IG-Finanzautoren verfasste Forschungsprojekt kombiniert IG-Kundendaten, wissenschaftliche Forschung und die Ergebnisse von zwei Umfragen zu einem umfassenden Leitfaden zur Psychologie des Tradings.
Nachrichten: Nachrichten können einen Trader unter Druck setzen, gewisse Entscheidungen zu treffen und die Informationen auf bestimmte Weise zu interpretieren. Nachrichten sind ein wichtiger Bestandteil der Informationssammlung, aber für Trader ist es laut Studie wichtig, diese auch objektiv einzuordnen. Robert Forsythe, Forrest Nelson, George Neumann und Jack Wright untersuchten die Meinungen von 192 Tradern zu den US-Wahlen und fanden heraus, dass die Personen, die Neuigkeiten objektiv bewerteten und Bestätigungsfehlern widerstehen konnten, eher einen Gewinn erzielten. Im Gegensatz dazu haben sich Personen, die ihre Trades an die Nachrichten angepasst haben und auf die Verfügbarkeitsverzerrung reingefallen sind, überschätzt und nahmen höhere Risiken auf sich.
Herdenverhalten: Herdenverhalten in Bezug auf Trading beschreibt die Tendenz von Tradern, anderen Tradern ohne eigene Recherche und Analyse zu folgen. Sie beobachten beispielsweise einen Trend unter anderen Tradern und fühlen Sie unter Druck gesetzt, auch auf den Zug aufspringen zu müssen, obwohl es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt. Eine Herde wird häufig von Angst und Gier getrieben, da viele Trader eine Gelegenheit, die andere bereits ergriffen haben, nicht verpassen möchten. Seine Entscheidungen vom Verhalten der Herde abhängig zu machen, kann jedoch zur falschen Verarbeitung von Informationen und einem ausbleibenden Lerneffekt führen.
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