Ein Drittel der Befragten gibt an, aufgrund der Pandemie das Zahlungsverhalten nachhaltig angepasst zu haben. (Bild: Shutterstock.com/Viktoriia Hnatiuk)
Die aktuelle Zahlungsmittel-Umfrage der Nationalbank zeigt markante Verschiebungen vom Bargeld hin zu bargeldlosen Zahlungsmitteln. Dennoch bleibt das Bargeld neben der Debitkarte in der Bevölkerung in der Schweiz das verbreitetste Zahlungsmittel.
23.06.2021, 14:17 Uhr
Redaktion: rem
Im Herbst 2020 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) nach 2017 ihre zweite repräsentative Zahlungsmittelumfrage durchgeführt. Die Umfrage zeigt deutliche Veränderungen in der Zahlungsmittelnutzung gegenüber 2017, mit markanten Verschiebungen vom Bargeld hin zu bargeldlosen Zahlungsmitteln.
Diese Verschiebungen ziehen sich, in unterschiedlicher Intensität, durch alle Bevölkerungsgruppen. Zugleich fielen diese Veränderungen laut SNB stärker aus, als von den Befragten 2017 erwartet worden war. Eine Mehrheit der Befragten geht zudem davon aus, dass der Trend hin zu verstärktem bargeldlosen Zahlen in den kommenden Jahren anhalten wird.
Debitkarte besser bewertet als Bargeld
Die Debitkarte wird mittlerweile in Bezug auf die Nutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit im Gebrauch besser bewertet als das Bargeld. An häufig frequentierten Verkaufspunkten hat sie das Bargeld als bevorzugt eingesetztes Zahlungsmittel abgelöst. Dies könne insbesondere auf den inzwischen weit verbreiteten Besitz und Einsatz von Zahlkarten mit Kontaktlos-Funktion zurückgeführt werden, so die SNB.
Zum anderen habe die Corona-Pandemie die Veränderungen in der Zahlungsmittelnutzung zusätzlich beschleunigt. Ein Drittel der Befragten gibt an, aufgrund der Pandemie das Zahlungsverhalten nachhaltig angepasst zu haben und vermehrt auf Kartenzahlungen zurückzugreifen. Eine Aussage zur relativen Bedeutung der Corona-Pandemie für die Veränderungen in der Zahlungsmittelnutzung sei auf Basis der Umfragedaten allerdings nicht möglich.
Die Bevölkerung fühlt sich gemäss der Umfrage in der Zahlungsmittelwahl weiterhin kaum eingeschränkt. Sie beurteilt die Verfügbarkeit und die Akzeptanz sowohl von Bargeld als auch von bargeldlosen Zahlungsmitteln als insgesamt gut. Die wahrgenommene Akzeptanz von bargeldlosen Zahlungsmitteln hat seit 2017 weiter zugenommen. Beim Bargeld weisen laut SNB die Angaben der Befragten auf gewisse Akzeptanzeinschränkungen hin. Diese Einschränkungen dürften die häufig geäusserte Empfehlung seitens der Geschäfte widerspiegeln, wegen der Corona-Pandemie, wenn möglich, bargeldlos zu bezahlen.
Umfrageergebnisse im Detail
Das Bargeld und die Debitkarte sind weiterhin die beiden Zahlungsmittel, deren Besitz in der Bevölkerung in der Schweiz am verbreitetsten ist. Von den Befragten geben 97% an, Bargeld im Portemonnaie oder zuhause für alltägliche Ausgaben zu halten. 92% der Befragten besitzen eine Debitkarte (2017: 88%) und 78% (2017: 63%) eine Kreditkarte.
Gemessen an der Anzahl getätigter unregelmässiger Zahlungen ist Bargeld weiterhin das von der Bevölkerung am häufigsten eingesetzte Zahlungsinstrument, es hat jedoch im Vergleich zu 2017 markant an Nutzungsanteilen eingebüsst. Wurden 2017 noch 70% dieser Zahlungen mit Bargeld beglichen, beläuft sich 2020 der Anteil auf 43%. Die entsprechenden Anteile von Debit- und Kreditkartenzahlungen haben sich derweil auf 33% (2017: 22%) bzw. 13% (2017: 5%) erhöht. Überdurchschnittlich bargeldaffin sind wie bisher Personen aus der italienischsprachigen Schweiz, aus der Altersgruppe über 55 Jahre sowie aus Haushalten mit tiefen und mittleren Einkommen.
Gemessen am Transaktionswert der unregelmässigen Zahlungen hat die Debitkarte das Bargeld als Zahlungsmittel mit dem höchsten Anteil abgelöst. Der Wertanteil der Debitkarte beläuft sich mittlerweile auf 33% (2017: 29%), derjenige von Bargeld auf noch 24% (2017: 45%). Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt darin, dass Bargeld unterdessen nur noch für Kleinbeträge (unter 20 Franken) das meistgenutzte Zahlungsmittel darstellt, während 2017 bei Zahlungen bis 50 Franken noch mehrheitlich auf Bargeld zurückgegriffen wurde.
Kontaktloses Bezahlen mit der Karte ist in der Schweiz weit verbreitet. 92% aller Befragten verfügen über eine Kredit- oder Debitkarte mit kontaktloser Bezahlfunktion; 60% der Debit- und Kreditkartenbesitzer und -besitzerinnen geben an, bei Kartenzahlungen immer oder meistens kontaktlos zu bezahlen.
Bezahl-Apps verzeichnen eine dynamische Entwicklung. Während Bezahl-Apps 2017 noch eine Randerscheinung darstellten, hat deren Besitz seither stark zugenommen (2017: 11%; 2020: 48%). Gleichzeitig erhöhten sich ihre mengenmässigen und wertmässigen Nutzungsanteile von praktisch null auf 5% bzw. 4%.
Für die Begleichung regelmässig wiederkehrender Zahlungen haben in der Schweiz Überweisungen per Online-Banking mit Abstand die grösste Bedeutung. Gemessen am Wert der Transaktionen werden 62% aller Zahlungen per Online-Banking ausgeführt. Die Zahlungsabwicklungen mittels Lastschriftverfahren und eBill folgen mit 17% bzw. 6%. Der niedrige Anteil von eBill dürfte vor allem auf die bis anhin relativ geringe Bekanntheit dieser Zahlungsform und ihrer Funktionen zurückzuführen sein.
Bargeld ist bei privaten Haushalten in der Schweiz neben seiner Funktion als Zahlungsmittel auch als Wertaufbewahrungsmittel wichtig. Es wird von 70% der Umfrageteilnehmer und -teilnehmerinnen zu diesem Zweck eingesetzt. Eine Mehrheit der Befragten gibt an, einen Betrag unter 1000 Franken aufzubewahren und dabei vorwiegend auf die 100er-Note zurückzugreifen. Als Hauptmotive für den Einsatz von Bargeld zur kurz- oder langfristigen Wertaufbewahrung werden die unmittelbare Verfügbarkeit bei Bedarf sowie, in einem geringeren Mass, die Vorsorge für Krisensituationen genannt.
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