Bankenstudie Europa: Schweizer Banken haben Kosten am wenigsten im Griff

Die Schweizer Banken haben im Vergleich zum Ertrag zu hohe Kosten. (Foto Shutterstock Prince Apple)
Die Schweizer Banken haben im Vergleich zum Ertrag zu hohe Kosten. (Foto Shutterstock Prince Apple)

Während die europäischen Banken die Cost-Income-Ratio im Jahr 2021 auf 62% und damit auf den tiefsten Stand seit 2013 senken konnten, bilden die Schweizer Banken mit 72% das Schlusslicht. Dies geht aus der neusten Bankenstudie von Bearingpoint hervor.

20.09.2022, 10:30 Uhr

Redaktion: cwe

Nach einem herausfordernden Jahr 2020 stieg die Rentabilität europäischer Banken 2021 wieder deutlich an. Zwar ist die Cost-Income-Ratio (CIR) bei Schweizer Banken ist seit 2016 ebenfalls kontinuierlich gesunken, liegt aber mit 72% im Jahre 2021 dennoch so hoch wie in keinem anderen Land Europas. Bei einem europäischen Durchschnitt von 62% liegen vor allem die Banken in den nordischen Staaten mit CIR von unter 50% an der Spitze, gefolgt von Banken in Spanien, Portugal und den Beneluxländern.

Auch beim Return on Equity (RoE) stehen die Schweizer Banken mit 5,1% im europäischen Vergleich nicht gut da. Mit einem RoE von 8,1% überteffen die europäischen Banken den Vorkrisenwert von 6,1% im Jahr 2019 bei weitem. Während die CIR ihren niedrigsten Stand seit 2013 aufweist, hat sich der Wert für Earnings Before Taxes mehr als verdoppelt, so die Ergebnisse der Studie von BearingPoint, in der insgesamt 122 europäische Banken im Zeitraum 2013 bis 2021 analysiert wurden.

Die Entwicklungen im Jahr 2021 zeigen, dass den europäischen Banken ein Wachstum ihrer Rentabilität gelungen ist. Neben der Steigerung des Provisionsertrags spielt dabei auch eine Produktportfoliooptimierung unter Rentabilitäts- und Effizienzgesichtspunkten eine tragende Rolle. Erfolgreiche Banken reduzieren die Produktvariantenvielfalt und fokussieren ergebnisstarke Komponenten. Bei den Erträgen zeigt sich eine substanzielle Steigerung des Provisionsertrags und der Handelserträge durch die Abkehr von kostenlosen Produkten und Services sowie die Durchsetzung von höheren Gebühren, unter anderem im Zahlungsverkehr, bei der Kontoführung oder im Wertpapierhandel.

Die insgesamt zunehmende Kosteneffizienz im europäischen Bankenmarkt und die Wirkung der umfangreichen Transformationsprozesse zeigen sich nicht zuletzt daran, dass sich der Anteil der Performer (CIR <55%) rasant gesteigert hat. Der Aufwand, den Banken betreiben müssen, um zum Performer zu werden, sinkt über die Jahre sukzessive. Waren in 2020 lediglich ein Viertel der Banken Performer, so sind es in 2021 bereits ein Drittel aller Banken. Beim Vergleich von Performern und Laggards zeichnet sich ab, dass die Geschäftsfelder nicht massgeblicher Erfolgsfaktor einer Bank sind, sondern vielmehr eine effiziente Wertschöpfungskette bei klarer Fokussierung. Digitalisierung steht dabei spätestens seit den Erfahrungen in der Pandemie im Mittelpunkt.

Bei der Detailbetrachtung des Geschäftsmodells zeigt sich, dass Spezialbanken durchschnittlich effizienter agieren - ein Vorsprung der sich über die Jahre durch Verschlankung der Strukturen und passgenaue Implementierungen von Lösungen für Verwaltung und IT weiter ausbaut. Anhand des RoE zeigt sich jedoch auch, dass Spezialbanken grundsätzlich krisenanfälliger sind. So lässt sich der starke Einbruch im Jahr 2020 damit erklären, dass ein Grossteil der Spezialbanken ihren Schwerpunkt auf das Retail Banking gelegt haben, ein starker Verlierer der Coronakrise. Im Jahr 2021 konnten Spezialbanken bereits wieder stark aufholen und erreichten das gleiche Niveau der Universalbanken.

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