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Techkonzerne tun sich schwer angesichts hoher Erwartungen

Bei KI und im Cloudgeschäft sind die Erwartungen an Microsoft und Google besonders gross. (Bild kovop/Shutterstock)
Bei KI und im Cloudgeschäft sind die Erwartungen an Microsoft und Google besonders gross. (Bild kovop/Shutterstock)

Dank der KI-Euphorie ist Microsoft mit einem Börsenwert von mehr als drei Billionen Dollar aktuell das wertvollste Unternehmen der Welt. Wie bei Google hatten Analysten allerdings mit etwas höheren Cloud-Erlösen gerechnet. Insgesamt tun sich die Giganten schwer mit den Erwartungen.

31.01.2024, 11:28 Uhr

Redaktion: AWP

Microsoft sieht einen Schub für sein Cloud-Geschäft durch Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) wie Chatbots. Von dem 30-prozentigen Wachstum in der Cloud-Plattform Azure im Schlussquartal ging rund ein Fünftel auf KI-Anwendungen zurück, wie Finanzchefin Amy Hood sagte.

Microsoft hatte einen Pakt mit dem ChatGPT-Entwickler OpenAI geschlossen und integriert KI-Assistenten auf breiter Front in seine Software. Das Interesse der Nutzer treibt auch den Bedarf an der Cloud-Infrastruktur dahinter an. Der Konzern legte die Geschäftszahlen am Dienstag zeitgleich mit der Google-Mutter Alphabet vor - und bei beiden Unternehmen waren Beobachter an der Wall Street auf die KI-Effekte gespannt. Google beherrscht seit Jahren das Geschäft mit der Websuche. Mit KI-Funktionen will das Unternehmen seine Suchmaschine noch weiter verbessern.

Rivalen wie Microsoft und Start-up-Herausforderer nehmen dagegen die Such-Dominanz des Konzerns ins Visier und wollen mithilfe von KI in mehr Fällen direkte Antworten statt eine Liste von Links liefern.

Werbegeschäft von Google unter Erwartungen

Die Geschäftszahlen für das vergangene Quartal zeigten weiter deutliches Wachstum in Googles Werbegeschäft - doch der Umsatz blieb leicht hinter den Markterwartungen zurück. Googles Anzeigenerlöse stiegen im Jahresvergleich um elf Prozent auf 65,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt eher mit 65,8 Milliarden Dollar gerechnet.

Bei Investoren sorgte das für Enttäuschung, zumal die Alphabet-A sowie die Alphabet-C-Aktie erst zum Wochenstart jeweils einen Rekordkurs erreicht hatten. Auf der Handelsplattform Tradegate fielen die Kurse beider Papiere um rund 6 Prozent. Damit bleibt die Marktkapitalisierung der Google-Mutter erst einmal etwas unter der Zwei-Billionen-Dollar-Marke.

Das reicht aber weiter für den dritten Platz unter den US-Tech-Schwergewichten - hinter Microsoft und Apple sowie vor Amazon, Nvidia und der Facebook-Mutter Meta, die es allesamt jeweils auf Börsenwerte über einer Billion Dollar bringen.

Werbung im Umfeld der Google-Suchmaschine ist nach wie vor die mit Abstand wichtigste Geldquelle des Konzerns. Hier stieg der Umsatz im vergangenen Quartal von 42,6 auf 48 Milliarden Dollar. Die Videotochter YouTube steigerte die Anzeigenerlöse von knapp 8 auf 9,2 Milliarden Dollar.

Wie Analyst Brad Erickson von der kanadischen Bank RBC Capital in einer ersten Einschätzung schrieb, erreichten das Suchgeschäft sowie Youtube «nur» die recht hohen Erwartungen. Positiv hob er indes die Beschleunigung des Cloudgeschäfts dank KI-Anwendungen hervor. Gleichwohl verschlinge das KI-Geschäft hohe Investitionen, deren Ausmass auch das Alphabet-Management ein wenig zu überraschen scheine.

Insgesamt wuchs der Alphabet-Umsatz im vergangenen Quartal um 13 Prozent auf 86,3 Milliarden Dollar und der Gewinn sprang um 52 Prozent auf rund 20,7 Milliarden Dollar hoch.

Microsoft wächst deutlich

Auch bei Microsoft gingen die Konzernzahlen kräftig in die Höhe. Der Umsatz stieg im Ende Dezember abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal um fast ein Fünftel auf 62 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um ein Drittel auf fast 22 Milliarden Dollar. Dank der KI-Euphorie ist Microsoft mit einem Börsenwert von mehr als drei Billionen Dollar aktuell das wertvollste Unternehmen der Welt. Auch bei Microsoft hatten Analysten allerdings mit etwas höheren Cloud-Erlösen gerechnet.

Gleichwohl gibt sich Experte Brent Thill vom Investmenthaus Jefferies optimistisch. Noch sei es früh, aber das Geschäft mit KI nehme Fahrt auf. Zudem hätten die Gewinnmargen positiv überrascht. Die zuletzt gut gelaufene Aktie war am Mittwoch auf der Handelsplattform Tradegate fast unverändert. Mit umgerechnet 407,23 Dollar notierte sie 0,3 Prozent unter dem US-Schlusskurs. Am Dienstag hatte das Papier mit gut 413 Dollar ein weiteres Rekordhoch erreicht, war dann aber etwas zurückgefallen.

Fortschritte bei selbstfahrenden Autos

Alphabet machte unterdessen Fortschritte bei einem notorischen Verlustbringer. Bei den sogenannten «anderen Wetten» - Zukunftsprojekten wie selbstfahrende Autos oder Lieferdrohnen - stieg der Umsatz aller Firmen von 226 auf 657 Millionen Dollar. Der operative Verlust des Bereichs wurde deutlich gedrückt: von 1,24 Milliarden Dollar vor einem Jahr auf jetzt 863 Millionen Dollar. Alphabets Robotaxi-Firma Waymo erreichte einen Meilenstein mit einer Million komplett autonomen Fahrten mit Passagieren an Bord.

Da KI-Anwendungen viel Rechenleistung benötigen, laufen auch die Geschäfte von Herstellern besonders leistungsfähiger Computerchips in diesem Bereich schon länger glänzend. Allen voran die von Nvidia. Die ursprünglich für Grafikkarten entwickelten Nvidia-Technologien bewähren sich schon seit langem für die Rechenarbeit beim Anlernen von Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz.

AMD verfehlt hohe Erwartungen

Aktuell versucht der Chipkonzern AMD immer stärker bei Chips für KI-Anwendungen mitzumischen. Entsprechend hoch sind die Wachstumserwartungen der Investoren und Analysten mittlerweile. Und diese verfehlte AMD nun mit seiner Prognose für das Geschäft im laufenden Quartal.

Der Intel-Konkurrent stellte Erlöse von 5,1 bis 5,7 Milliarden Dollar in Aussicht, während Analysten im Schnitt mit 5,77 Milliarden gerechnet hatten. Im vergangenen Quartal stieg der AMD-Umsatz im Jahresvergleich um zehn Prozent auf 6,17 Milliarden Dollar. Unter dem Strich sprang der Gewinn von 21 auf 667 Millionen Dollar hoch.

Nachdem die Erwartungen an AMD in den vergangenen Monaten immer weiter gestiegen seien - insbesondere für das Geschäft mit Chips für Rechenzentren -, schade ein kleiner Dämpfer nicht unbedingt, schrieb Branchenexperte Stacy Rasgon von Bernstein Research in einer Studie. Denn nun könnten die zu hohen Erwartungen hinsichtlich des Wachstumspotenzials etwas realistischer werden.

Für die AMD-Aktien zeichneten sich zur Wochenmitte deutliche Verluste ab. Sie fielen auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum US-Schluss um 7,5 Prozent auf umgerechnet 159,1 Dollar. Im Hauptgeschäft würde sich damit der jüngste Rücksetzer vom Rekordhoch ausweiten, das die Papiere vergangene Woche bei knapp 185 Dollar erreicht hatten. Für das noch junge Börsenjahr 2024 stünde damit aber immer noch ein Plus von fast 8 Prozent auf dem Zettel. 2023 hatte der Kurs um fast 130 Prozent zugelegt.

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