Finanzfachleute bleiben trotz viel Gegenwind optimistisch

Finanzfachleute weltweit glauben, dass ihr Geschäft im nächsten Jahr wachsen wird. (Bild: Shutterstock.com/Rawpixel)
Finanzfachleute weltweit glauben, dass ihr Geschäft im nächsten Jahr wachsen wird. (Bild: Shutterstock.com/Rawpixel)

Trotz geopolitischer Bedenken, Inflation und steigender Zinssätze bleiben europäische Finanzberater optimistisch, wie eine Umfrage von Natixis Investment Manager zeigt. Die Mehrheit der Befragten möchte den Schwerpunkt ihres Geschäfts von der Portfolioverwaltung auf die Finanzplanung verlagern, um langfristige Beziehungen zu stärken.

29.06.2022, 05:00 Uhr

Redaktion: rem

Trotz einer zweistelligen Korrektur an den Aktien- und Anleihemärkten und einer Inflation über 8% glauben Finanzfachleute weltweit, dass ihr Geschäft im nächsten Jahr wachsen wird. Laut einer aktuellen Umfrage von Natixis Investment Managers erwarten die europäischen Finanzberater ein Wachstum von 5%. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass es für viele schwierig sein wird, ihre Wachstumsziele zu erreichen, da sie ihre Anlagestrategien anpassen und gleichzeitig anspruchsvolle Kundenerwartungen erfüllen müssen.

Geopolitik, Inflation und steigende Zinssätze sind die drei wichtigsten Marktrisiken für europäische und Schweizer Finanzfachleute. Vor allem die Besorgnis über geopolitische Risiken ist bei den Finanzfachleuten in Europa (78%) und der Schweiz (80%) am stärksten ausgeprägt – verglichen mit einem weltweiten Durchschnitt von 57%. Und rund zwei Drittel in Europa (64%) und der Schweiz (62%) sehen die Inflation als wichtigstes Portfoliorisiko an.

Die Umfrage

Natixis IM befragte für dieStudie 900 Finanzfachleute in Europa und der Schweiz, darunter Vermögensverwalter, registrierte Anlageberater, Finanzplaner und unabhängige Maklerhändler. Die Ergebnisse zeigen, dass es für viele schwierig sein wird, ihre Wachstumsziele zu erreichen, da sie ihre Anlagestrategien anpassen und gleichzeitig anspruchsvolle Kundenerwartungen erfüllen müssen.

Wichtige Indizes beenden das Jahr im Plus

Die für die zweite Jahreshälfte erwarteten steigenden Zinssätze in Europa, die eine zehnjährige Negativzins-Periode beenden, stellen für die Finanzfachleute eine weitere Unsicherheit dar. Fast die Hälfte der Befragten in Europa (51%) und in der Schweiz (49%) sehen darin ein Hauptrisiko. Allerdings glauben nur wenige, dass die Talfahrt der Märkte bis zum Jahresende anhalten wird. Im Durchschnitt gehen die Finanzfachleute in Europa davon aus, dass die meisten wichtigen Indizes bis Ende Dezember leichte Gewinne verzeichnen werden: 4,1% (3,1% in der Schweiz) für den S&P 500, während die Schweizer Experten für den SMI einen Anstieg von 3,1% erwarten.

"Um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, müssen sich die Berater an die neuen Marktbedingungen anpassen und gleichzeitig die Erwartungen ihrer Kunden erfüllen. Daher müssen sich die Schweizer Berater auf den Nachweis von Werten statt auf die Portfoliokonstruktion konzentrieren, sei es durch Modellportfolios, durch die Steuerverwaltung oder Finanzplanung", sagt Timo Paul, Managing Director und Leiter der deutschsprachigen Schweiz bei Natixis IM.

Alternative Anlagen auf dem Vormarsch

In diesem volatilen Umfeld, in dem die Performance von Aktien und Anleihen korreliert und die Werte gedrückt werden, sind alternative Anlagen auf dem Vormarsch. Mehr als drei Fünftel der Befragten (68% in Europa und 62% in der Schweiz) sind der Meinung, dass die aktuellen Marktbedingungen alternative Anlagen wie Infrastruktur, Privatvermögen und Rohstoffe attraktiver machen. Von allen Anlageklassen sind Finanzfachleute am ehesten der Ansicht, dass Rohstoffe in einem inflationären Umfeld an Attraktivität gewinnen (73% der Finanzfachleute in Europa; und 77% in der Schweiz).

Optimistische Aussichten

Trotz des aktuellen Umfelds glauben die Finanzberater, dass sie ihr Geschäft in den nächsten drei Jahren ausbauen können. Die Befragten in Europa erwarten ein jährliches Wachstum von 10%, die in der Schweiz von 15%. Angesichts der schwierigen Marktlage müssen sich die Berater auf die Gewinnung neuer Kunden und Vermögenswerte konzentrieren. Dabei segmentieren laut der Umfrage mehr als die Hälfte ihre potenziellen Kunden nach Alter. Insgesamt zielen 84% der europäischen Finanzfachleute (81% in der Schweiz) auf Personen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren ab, während sich weitere 54% (51% in der Schweiz) auf Personen im Alter zwischen 60 und 65 Jahren konzentrieren.

Empfehlungen von Kunden sind für Finanzdienstleister ein wichtiges Mittel zur Steigerung ihres Geschäftsvolumens: 77% der Befragten in Europa und 82% in der Schweiz gaben dies an. Weitere 48% in Europa (51% in der Schweiz) glauben, dass der Erfolg von ihrer Fähigkeit abhängt, Beziehungen zu den Erben der nächsten Generation aufzubauen.

Die Berater konzentrieren sich auch auf die Zugangsverbesserung zur Technologie (44% in Europa und der Schweiz) mit kundenorientierten Apps und Tools für das Kundenbeziehungsmanagement als entscheidender Weg zur Sicherung des Erfolgs. Die grösste Hürde für den Einstieg in die Technologie sind nach Ansicht von 47% der Berater in Europa (61% in der Schweiz) schlicht die Kosten für die Implementierung.

Mehrwert für Kunden schaffen

Im Wissen, dass die jetzigen Marktbedingungen wahrscheinlich nicht den Rückenwind bieten werden, der die Performance über weite Strecken des letzten Jahrzehnts angetrieben hat, müssen Finanzfachleute ihre Portfolio- und Geschäftsstrategien anpassen, um die Wachstumserwartungen zu erfüllen. Die Hälfte der Fachleute (48% in Europa; 47% in der Schweiz) ist der Meinung, dass in diesem neuen Umfeld der Erfolg davon abhängt, wie sie ihren Kunden über die Portfoliokonstruktion hinaus einen Mehrwert bieten. Zu diesem Zweck setzen die Finanzfachleute auf Folgendes:

  • Modellportfolios: 85% der Befragten in Europa und 95% in der Schweiz geben an, dass sie inzwischen Modellportfolios in ihrer Praxis einsetzen, vier Fünftel sagen, dass ihre Kunden sie für ihre Finanzplanungsdienste schätzen.
  • Steuerverwaltung: 69% der Finanzexperten in Europa (79% in der Schweiz) sagen, dass die Anleger es versäumen, steuerliche Überlegungen in ihre Anlageentscheidungen einzubeziehen. Fast drei Viertel (73%) geben an, dass die Minimierung von Steuern eine der Möglichkeiten ist, ihren Kunden einen Mehrwert zu bieten. In der Schweiz sind es nur 63%.
  • Nachlassplanung: Im Zuge der Covid-19-Pandemie bewerten die Kunden ihr Leben und ihre Finanzen. 59% der Berater in Europa (53% in der Schweiz) geben an, dass sich die Kunden fragen: "Was passiert, wenn ich sterbe? Habe ich genug getan, um für meine Familie vorzusorgen?"
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