Wirtschaft der nordischen Länder bleibt in guter Form

Helge J. Pedersen, Chefvolkswirt von Nordea
Helge J. Pedersen, Chefvolkswirt von Nordea

Die nordischen Länder haben ihre Stellung als krisensicherer Hafen auf dem Finanzmarkt untermauert – und das obwohl sich die Euro-Krise verschärft. Trotzdem macht die Krise auch vor Skandinavien nicht gänzlich halt. „Die Herausforderung wird darin bestehen, in den kommenden Jahren nachhaltig zu wachsen“, erklärt Helge J. Pedersen, Chefvolkswirt von Nordea.

13.06.2012, 08:41 Uhr

Redaktion: sek

Die nordischen Länder haben ihre Stellung als krisensicherer Hafen auf dem Finanzmarkt untermauert – und das obwohl sich die Euro-Krise verschärft. „Noch nie waren die Zinsen so niedrig. Gleichzeitig sind die Währungen europäischer Länder, die nicht der Euro-Zone angehören, deutlich stärker geworden“, sagt Helge J. Pedersen, Chefvolkswirt von Nordea. „Dazu haben besonders die starken öffentlichen Finanzhaushalte der nordischen Länder beigetragen. In der Aussenbilanz verbuchen Dänemark, Norwegen und Schweden ein signifikantes Plus.“ Aufgrund ihrer niedrigen Arbeitslosen- sowie Inflationsrate hätten sich die nordischen als klarer Sieger im Wettbewerb mit den Euro-Staaten hervor getan, so Pedersen weiter. Trotz dieser guten Aussichten macht die Krise auch vor Skandinavien nicht gänzlich halt. „Die Herausforderung wird darin bestehen, in den kommenden Jahren nachhaltig zu wachsen“, erklärt der Volkswirt.

Stabiles Wachstum in Norwegen
Im nordischen Wachstumsrennen trägt Norwegen immer noch das gelbe Trikot. Das Wirtschaftswachstum ist sehr stabil gewesen. Die starken Einkommenszuwächse haben den Konsum über alle Erwartungen angekurbelt. „Deshalb korrigieren wir unseren Ausblick für dieses Jahr nach oben“, sagt Pedersen. Der hohe Beschäftigungszuwachs wird hauptsächlich durch die hohen Einwanderungsraten abgedeckt. Auch zukünftig rechnet Pedersen mit weiter sinkenden Arbeitslosenzahlen. Pedersen weiter: „Eine niedrige Arbeitslosenquote gepaart mit starken Wachstumszahlen deuten darauf hin, dass die norwegische Zentralbank Norges Bank den Leitzins anheben wird.“ Die anhaltend niedrige Inflation und die Unsicherheiten über internationale wirtschaftliche Trends werde die Norges Bank allerdings davon abhalten, bereits in diesem Jahr die Zinsen zu erhöhen, so der Volkswirt weiter. „Wir erwarten, dass die Zentralbank 2013 ihre Finanzrichtlinie vorsichtig straffen wird.“

Finnland – starkes Wachstum im ersten Quartal
Die finnische Wirtschaft ist im ersten Quartal überraschend stark gewachsen. Gründe hierfür sind hohen Konsumausgaben der privaten Haushalte sowie die Exporte. „Das reicht aber nicht aus, um unseren Ausblick nach oben zu korrigieren. Das erste Quartal scheint eine Ausnahme gewesen zu sein“, so Pedersen. Aufgrund des rückläufigen Realeinkommens wird das Konsumwachstum geringer ausfallen. Auch die Exportzahlen werden aufgrund des schlechten wirtschaftlichen Ausblicks in Europa rückläufig sein. „Die wirtschaftlichen Unsicherheiten beeinflussen ausserdem die Investitionsaktivitäten. Im zweiten Quartal dürfte das die Wirtschaft negativ beeinflussen“, so Pedersen. „Im vierten Quartal rechnen wir wieder mit Wachstum, da sich die Wirtschaft bis dahin erholt haben wird.“

Dänemark: Konjunkturprogramm sorgt für moderates Wachstum
Die Euro-Krise, der schwierige Immobilienmarkt sowie der zögerliche Privatkonsum haben dazu geführt, dass in den vergangenen Monaten ein kühler Wind durch die dänische Wirtschaft wehte. Allerdings scheint es nun wieder aufwärts zu gehen: Die Regierung hat ein Konjunkturprogramm aufgelegt und die Zinsen befinden sich auf einem Rekord-Tiefstand. „Diese Faktoren dürften dafür sorgen, dass die Wirtschaft in diesem Jahr moderat wachsen wird“, so Pedersen. „Im kommenden Jahr wird sich das Wachstum beschleunigen. Der private Konsum, öffentliche Ausgaben sowie ein aktiver Investmentmarkt werden die Konjunktur ankurbeln.“
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Schweden: Das Land schlägt sich gut in der Krise
Die schwedische Wirtschaft hat sich im internationalen Vergleich überraschend gut in der Krise geschlagen. Zwar sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangen Jahr. Im ersten Quartal dieses Jahres hatte es sich aber bereits wieder erholt. Gleichzeitig war der Arbeitsmarkt sehr stabil. Trotzdem: „Die schwedische Wirtschaft befindet sich eindeutig in einer Konjunkturdelle und das wird noch einige Zeit so bleiben“, erklärt Pedersen. Mit etwas Zeitverzögerung werde die Arbeitslosenquote steigen, hinzu komme das niedrige Inflationsniveau. „Diese Faktoren werden die Schwedische Zentralbank Riksbank dazu veranlassen, seine Finanzpolitik noch in diesem Jahr zu lockern“, sagt Pedersen.

Lesen Sie hier den vollständigen Economic Outlook von Helge J. Pedersen in englischer Sprache.

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