Ein Portfolio voll auf Private Markets ausrichten

Private Equity ist die beliebteste Privatmarkt-Anlage, aber längst nicht die einzige. (Bild: Shutterstock.com/photonphoto)
Private Equity ist die beliebteste Privatmarkt-Anlage, aber längst nicht die einzige. (Bild: Shutterstock.com/photonphoto)

Der Aufwärtstrend an den traditionellen Anlagemärkten ist gebrochen. Privatmarktanlagen, die schon mehrmals positiv auf sich aufmerksam gemacht haben, könnten in die Lücke springen. Der Zeitpunkt ist günstig, um sich erneut mit Private Markets zu befassen und die Vermögensallokation zu überdenken, meint die Bank Reyl Intesa Sanpaolo.

22.02.2022, 15:12 Uhr

Redaktion: hf

Private Anlagen wurden oft als das Stiefkind eines jeden Vermögensverwaltungsprogramms betrachtet und erhielten nicht die angemessene Aufmerksamkeit. Angesichts der Art und Weise, wie sich die öffentlichen Märkte seit der globalen Finanzkrise verhalten haben, war dies kein grösseres grösseres Problem. Anlegerinnen und Anleger waren in der Lage, an den traditionellen, öffentlichen Märkten eine solide Performance zu erzielen. Doch das könnte sich bald ändern.

Die Zentralbanken haben seit der globalen Finanzkrise überschüssige Liquidität in die Märkte gepumpt. Das dazu geführt, dass die Preise risikoreicher Anlagen aufgrund der übermässigen Hebelwirkung und einfacher Kreditaufnahme in die Höhe schossen. Da sich jetzt jedoch abzeichnet, dass die Ära der Unterstützung durch die Zentralbanken zu Ende geht und das "Tapering" zur Realität wird, stellen sich die Investoren auf grössere Rückschläge an den öffentlichen Märkten ein.

"Diese neue Marktdynamik kann für Anleger von Vorteil sein, die ihre Allokation in private Anlagen überprüfen möchten. Sie können sich teilweise gegen Marktturbulenzen schützen und eine beachtliche Performance erzielen", streicht die Schweizer Bank, die 2021 eine strategische Partnerschaft mit Italiens Finanzhaus Intesa Sanpaolo eingegangen ist, hervor. Doch bevor man sich in Private-Equity-Geschäfte und Asset-Backed Loans stürzt, sollten einige Punkte beachtet werden.

Der Aufbau privater Vermögensallokationen

Wie die öffentlichen Märkte weisen auch die privaten Vermögenswerte eine enorme Granularität auf und müssen als solche betrachtet werden, wenn man mit investieren beginnt. Es kommt auf die Portfoliokonstruktion, die strategische Allokation und selbstverständlich auf die Auswahl der Anlagen und Portfoliomanager an. Die Zusammenstellung von Portfolios kann daher mehreren Leitlinien entlang erfolgen, darunter auch solchen, die dem Ansatz des öffentlichen Marktes entlehnt sind.

Die meisten Vermögensallokationen bestehen aus einer Kombination von Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren, Aktien, Rohstoffen und alternativen Anlagen. Für einen Kunden kann es beruhigend sein, beim Sprung in Private Markets den traditionellen, bekannten Rahmen der liquiden Vermögensallokation zu übertragen. Festverzinsliche Anlagen werden durch Private Debt imitiert, Aktien durch Private Equity ersetzt und alternative Anlagen können illiquide alternative Anlagen sowie andere Strategien für Private Markets umfassen.

Der Vorbehalt besteht darin, dass eine solide finanzielle Grundlage für die Ausführung vorhanden und eine adäquate Diversifizierung gegeben sein müssen. "Falls dies der Fall ist, können Anleger Private Equity in vollem Umfang geniessen", so die Bank.

Private Equity – von der Frühphase bis zur Kotierung

Private Equity (PE) umfasst alle Strategien, die sich mit Unternehmen vor deren Börsengang befassen. Dies beginnt beim Risikokapital, mit dem Firmen in ihrer finanziert werden, wenn vielleicht noch keine Kunden oder Produkte vorhanden sind, sondern erst eine Vorstellung der Leistung oder eine Idee. Nur wenige Unternehmen können sich hingegen zu erfolgreichen, Cashflow generierenden Gesellschaften entwickeln.

Auf der nächsthöheren Stufe wendet sich Wachstumskapital an reifere Unternehmen, die in der Regel expandieren wollen, denen aber das erforderliche Kapital fehlt. Beim Leverage Buyout, einer der beliebtesten PE-Strategien, geht es darum, ausgereifte Firmen Unternehmen zu erwerben und zu kontrollieren.

Private Equity umfasst auch wenig erforschte Bereiche wie Take-Privates. Dabei geht es häufig darum, wenig gefragte börsenkotierte Unternehmen zu identifizieren, deren Bewertung nicht stimmig ist, um sie zu privatisieren, damit sich das Management auf langfristige Ziele konzentrieren kann. Eine Diversifizierung kann daher durch Investitionen in verschiedene Phasen des Lebenszyklus eines Unternehmens, aber auch branchenübergreifend erreicht werden.

Mit Private-Debt-Strategien begehrte Erträge generieren

"Die Möglichkeiten, die sich im Bereich Private Debt bieten, sind überwältigend", kommen die Experten von Reyl Intesa Sanpaolo geradezu ins Schwärmen. Der Hintergrund ist ähnlich wie bei Private Equity: Banken sind bei der Kreditvergabe weniger aktiv und flexibel. Das hat den Weg geebnet für einen florierenden, einkommensschaffenden Markt für Nichtbanken-Kredite in unterschiedlichen Wirtschaftssegmenten, von Peer-to-Peer-Krediten bis zur Immobilienfinanzierung.

Eine Nische des privaten Fremdkapitalmarktes ist die Crossover-Strategie, die auch als Growth Debt oder Venture Debt bezeichnet wird. Dabei geht es um die Finanzierung von Wachstumsunternehmen durch Fremdkapital anstelle von Eigenkapitalerhöhung. Die Kreditgeber können über sog. Kicker und Optionsscheine attraktive Eigenkapitaloptionen aushandeln und gleichzeitig solide Sicherheiten fürs Darlehen schaffen.

Crossover- und Lockup-Strategien

Nur wenige Akteure sind in diesem Bereich aktiv, und angesichts der Bewertungsniveaus sind nicht alle Firmengründer bereit, sich mit Fremdkapital zu befassen. Einige streben an, die Bewertung ihres Unternehmens durch Eigenkapitalfinanzierungsrunden zu erhöhen.

Als Alternativen können Investoren auch nach hybriden und längerfristigen Lockup-Strategien Ausschau halten. Währenddessen werden die Ausstiegsbedingungen immer mehr auf Private Equity ausgerichtet, so dass mehr Manager öffentliche und private Beteiligungen in ihren Fonds kombinieren können.

Andere Strategien zwischen Fremd- und Eigenkapital, wie zum Beispiel die Abwicklung notleidender Kredite, können ebenfalls orthogonale Renditequellen darstellen und zur Diversifizierung von Portfolios beitragen (der Begriff orthogonal stammt aus der Mathematik und heisst, dass zwei Gerade oder Ebenen einen rechten Winkel bilden).

Reyl Intesa Sanpaolo hält den Zeitpunkt für günstig, um Private Markets zu evaluieren: "Die Möglichkeiten, die sie bieten, sind äusserst vielfältig. Und der Grad der Granularität rechtfertigt den Aufbau einer massgeschneiderten Allokation in Private Markets anstelle von verwaisten Positionen, die in Portfolios mit öffentlichen Vermögenswerten vermengt sind."

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