Warum die Goldpreis-Rally anhalten könnte

Technische Faktoren wie das Verhältnis des Goldpreises zu US-Aktien deuten laut den Experten von WisdomTree darauf hin, dass das gelbe Edelmetall seinen Aufwärtstrend in diesem Jahr weiter fortsetzen könnte.

06.03.2019, 18:09 Uhr

Redaktion: rem

Unterschiedliche Marktentwicklungen können sich auf die Golderträge innerhalb der Anlegerportfolios auswirken. Hauptfaktoren dafür sind aus der Sicht der Experten von WisdomTree die Politik der US Federal Reserve (Fed), der Verbraucherpreisindex (VPI) als Inflationsbarometer, das Verhalten des US-Dollars sowie die Zinsniveaus (insbesondere 10-jährige US-Treasuries) und die spekulative Positionierung bei Goldterminkontrakten.

Diese Faktoren hätten zwar massgeblichen Einfluss auf die Goldpreisbewegungen, dennoch seien sie nicht allein für die Preisschwankungen verantwortlich. "Technische Faktoren wie das Verhältnis von Gold zu US-Aktien, Gold zu US-Staatsanleihen und Gold zum US-Dollar müssen sicherlich auch berücksichtigt werden", sagt Christopher Gannatti, Head of Research für Europa bei WisdomTree.

Verhältnis Goldpreis zu US-Aktien

Seit Ende 2009 haben laut Gannatti zwei dominante Trends das Verhältnis des Goldpreises zu US-Aktien geprägt, wie in der Performance des S&P 500 deutlich wird: Vom 31. Dezember 2009 bis zum 22. August 2011 erhöhte sich der Goldpreis annualisiert um nahezu 40 Prozent, während der S&P 500 nur etwa 1 Prozent pro Jahr zulegte. Und vom 22. August 2011 bis zum 8. Februar 2019 verbesserte sich der S&P 500 um etwa 14 Prozent pro Jahr, während der Goldpreis beinahe 5 Prozent pro Jahr einbüsste.

Wie Gannatti weiter feststellt, seien US-Aktien seit 2011 die unangefochtenen Top-Performer zu Lasten der meisten anderen Anlageklassen, einschliesslich Gold. Aber anhand der jüngsten Entwicklung des Verhältnisses des Goldpreises gegenüber dem S&P 500 lasse sich darauf schliessen, dass Gold US-Aktien in nächster Zeit möglicherweise übertreffen könnte.

Verhältnis Goldpreis zu langlaufenden US-Staatsanleihen

Eine der grössten Debatten unter Anlegern sei heutzutage die Frage, in welche Richtung sich die US-Zinsen insbesondere die langfristigen ausgehend von den aktuellen Niveaus entwickeln werden, so Gannatti. "Von den frühen 1980er Jahren bis heute zeigt sich ein klarer Abwärtstrend, was massive Kurssteigerungen für Anleihenanleger zur Folge hatte", erklärt er. Da sich die Zinsen derzeit jedoch nahe historischer Tiefststände bewegten, stellten viele die Hypothese auf, dass die Entwicklung in den kommenden 10 bis 20 Jahren einen ganz anderen Verlauf nehmen könnte als in den vergangenen 30 oder 40 Jahren.

Wichtige Trends im Verhältnis zwischen US-Dollar und Goldpreis

Der Goldpreis wird wie viele andere Rohstoffe in US-Dollar angegeben, was zu der natürlichen Tendenz führt, dass der Goldpreis steigt, wenn der US-Dollar abwertet. Der US-Dollar hat seit den späten 1960er Jahren vier Phasen signifikanter Abwertung erfahren. Der Goldpreis hat in diesen Phasen entsprechend reagiert und ist deutlich angestiegen.

Wie Gannatti weiter ausführt, habe sich in jüngster Zeit ein Muster gebildet, das den historischen Mustern entspreche, die sich kurz vor einer grossen Abwärtsbewegung des US-Dollars und einer anschliessenden Aufwärtsbewegung des Goldpreises abzeichneten. Diese Muster stellten allerdings in keiner Weise eine Garantie für die künftige Performance dar. Gleichwohl sind die Experten von WisdomTree der Ansicht, dass eine Analyse des langfristigen Verhältnisses zwischen US-Dollar und Goldpreis hilfreich sei, um über die heutzutage übliche minütliche, stündliche und tägliche kurzfristige Analyse hinauszublicken.

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