Vorstoss in die Tiefen der ETF-Kosten

Eines der wichtigsten Verkaufsargumente für ETFs sind die im Vergleich zu anderen Anlageprodukten niedrigen Kosten. Nach Angaben von Blackrock beträgt die Gesamtkostenquote (TER) bei ETFs auf Aktien in Europa durchschnittlich 0,40 Prozent. Bei aktiv gemanagten Fonds wird dem Investor im Schnitt ein TER von 1,76 Prozent in Rechnung gestellt. Doch die tatsächlichen Kosten für die Investition in ein ETF können deutlich höher liegen.

26.04.2012, 08:00 Uhr

Redaktion: anw

Im Laufe der Jahre hat sich die durchschnittliche Zeit, in der ein ETF in den Wertpapierdepots der Investoren verbleibt, verringert, in vielen Fällen auf ein paar Stunden. Je kürzer aber die Haltedauer ist, desto wichtiger wird ein häufig übersehener Kostenfaktor: Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis. Der Begriff "Investor" bezeichnet in diesem Zusammenhang Marktteilnehmer, die ETFs über die Börse im eigenen Auftrag oder für einen Kunden kaufen oder verkaufen, also Privatanleger, Anlageberater oder Fondsmanager. Grössere Investoren wie Pensionsfonds oder Dachfonds handeln ETFs häufig ausserbörslich, wo Spreads eine etwas andere Rolle spielen.

Spread ist nicht gleich Spread
Es gibt mehrere Faktoren, die die Hedging-Kosten für die Market Maker beeinflussen und dazu führen, dass sich die Geld-Brief-Spanne ausweitet. So ist es etwa schwierig und teuer, sich abzusichern, wenn die Titel nicht sehr liquide sind und der Aktienbesitz von ausländischen Investoren zudem streng reglementiert ist. Ausserdem können Zeitverschiebungen ebenfalls zu höheren Spreads führen, da dann gewisse Titel nicht gehandelt werden können und man so keinen aktuellen Marktwert hat.

Leider gibt es keine Faustregel, die einem zu erkennen hilft, wann eine Geld-Brief-Spanne zu weit ist. Denn es gibt eine Reihe von Gründen, warum einige ETFs höhere Spreads haben als andere. Zu den wichtigsten Faktoren zählen die Liquidität und die Volatilität des zugrunde liegenden Index. Darüber hinaus können die Futures auf den Referenzindex zu einem deutlichen Aufschlag oder Abschlag handeln, was den Market Maker bei der Kalkulation seiner An- und Verkaufskurse beeinflusst. Ein weiterer Einflussfaktor auf die Spreads ist das Handelsvolumen, die Orderbuchtiefe, an welchem Börsenplatz der ETF gehandelt wird und die Zahl der Market Maker für den ETF.

Spreads variieren von Handelsplatz zu Handelsplatz
Der Preis wird bestimmt vom Nettoinventarwert (NAV), doch auch die vor Ort herrschende Stimmung kann Spuren hinterlassen. Weichen die ETF-Kurse an den Börsen sehr stark voneinander ab, kommen Arbitrageure ins Spiel und sorgen dafür, dass sich die Preise wieder angleichen. Um derartige Kursdifferenzen zu vermeiden und sich vor Arbitrageuren zu schützen, stellen einige Marktteilnehmer, so genannte Authorised Participants oder Authorisierte Marktteilnehmer, weite Geld-Brief-Spannen in elektronische Handelssysteme wie Xetra ein. Viele Arbitrageure setzen auf High-Frequency-Handel: Schnelle Computersysteme, die automatisch kleinste Ausreisser im Handel aufspüren und ausnutzen, so dass es für Market Maker bei engen Spreads sehr schwierig ist, sich vor Arbitrage-Handel zu schützen.

Auch abweichende Gesetzgebungen und Steuerabkommen zwischen Ländern können Unterschiede bei den Spreads zur Folge haben. Zudem haben die Börsen unterschiedliche Vorschriften, wie gross die Geld-Brief-Spannen im ETF-Handel sein dürfen. Die Spreads an der London Stock Exchange etwa dürfen nicht über 1,5%, 3% und 5% liegen. Diese Spannen werden von der Börsengesellschaft bei der Einführung des ETF vorgegeben und hängen davon ab, wie sie die Liquidität der abgebildeten Titel oder des Referenzindex einschätzt. Ausserhalb dieser Korridore können Market Maker keine Kurse in das Ordersystem einstellen. Die Preiskorridore werden auf Grundlage der historischen Volatilität des einzelnen ETF berechnet.

Preise vergleichen
Als Investor muss man sich dessen bewusst sein, dass Spreads von ETF zu ETF und von Börse zu Börse sehr unterschiedlich ausfallen können. Dass die Geld-Brief-Spanne auf ETFs, die denselben Index abbilden, unterschiedlich sein kann, hängt zum grossen Teil davon ab, wo die Titel gelistet sind und welche Systematik hinter dem Orderbuch und der Preisstruktur des entsprechenden Market Makers liegt. Manch ein Market Maker ist Experte auf einem Gebiet und stellt für diese Produkte sehr konkurrenzfähige Kurse, während er in anderen Bereichen, in denen er sich weniger gut auskennt, weniger gute Preise nennt.

Es gibt zahlreiche Faktoren, die Spreads beeinflussen. Es lohnt sich daher, die Kurse von mehreren Marktteilnehmern zu vergleichen, vor allem, wenn man sich für ein wenig gehandeltes Produkt interessiert.

Lesen Sie hier den ausführlichen Artikel von Morningstar.


Hier finden Sie einen Artikel zum Thema Spreads aus Sicht der Market Maker.

Quelle: Morningstar

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