Viele Unsicherheiten in kommenden Monaten

ING Investment Management hält an ihrer Präferenz für Aktien mit über- durchschnittlichen und nachhaltigen Dividendenrenditen und einem potenziellen Dividenden- wachstum fest, schreibt der Fondsanbieter in seinem Halbjahresausblick.

13.07.2012, 14:10 Uhr

Redaktion: mak

Das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten verlangsamt. Die anhaltende Unsicherheit über die Zukunft des Euroraums wirkt sich sowohl auf die Stimmung an den Finanzmärkten als auch auf das Vertrauen aus – und dies nicht nur in der Eurozone, sondern auch in der übrigen Welt. Je länger diese Unsicherheit anhält, desto grösser sind die Risiken für die Weltwirtschaft.

Die weltweit sinkenden Inflationsraten haben die Wirtschaft gestützt. Diese Entwicklung hat nicht nur das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte erhöht, sondern auch den Zentralbanken mehr Spielraum für Konjunkturimpulse verschafft. Dies gilt vor allem für die Schwellenländer. Auch in Europa und den USA dürften die Zentralbanken die Geldpolitik im dritten Quartal unseres Erachtens weiter lockern.

Auch deutsche Wirtschaft ist nicht immun
ING IM prognostiziert für Europa eine Kontraktion um 0,5% im Jahr 2012. Deutschland bleibt die Wachstumslokomotive der Region, wenngleich die jüngsten Daten darauf hindeuten, dass selbst die deutsche Wirtschaft nicht immun gegen die Eurokrise und die Konjunkturverlangsamung in China ist. Im Vergleich zur Lage vor einigen Monaten ist das Risiko gesunken, dass das Wachstum im Euroraum durch strikte Sparmassnahmen deutlich gedämpft wird. Die europäischen Verantwortungsträger sind sich inzwischen besser über die selbstzerstörerische Natur einer einseitigen, konzertierten Sparpolitik im Klaren. Sie haben Massnahmen zur Wachstumsstimulierung angekündigt. Ausserdem rechnet ING IM damit, dass die EZB den Leitzins auf 0,75% senkt, und ein neues Refinanzierungsgeschäft (LRG) ist ebenfalls möglich.

USA: QE3 im dritten Quartal
Die jüngsten Daten deuten auf eine Verlangsamung des US-Wachstums hin, wobei noch nicht klar ist, ob es sich dabei um ein vorübergehendes Phänomen handelt. Auch in den USA besteht grosse Unsicherheit über die Staatsfinanzen. Wenn der US-Kongress nichts dagegen unternimmt, werden verschiedene Steuersenkungen und Ausgabenprogramme im Jahr 2013 auslaufen. Dies könnte die Wirtschaft wieder in eine Rezession treiben. Wir gehen davon aus, dass der Kongress erst nach den Wahlen im November, d.h. in seiner neuen Zusammensetzung, eine Entscheidung treffen wird. Die Federal Reserve hat gezeigt, dass sie erforderlichenfalls zum Handeln bereit ist. ING IM rechnet daher mit erneuten quantitativen Lockerungen („QE3“) im dritten Quartal.

China mit knapp 8% Wachstum in 2012
Die Schwellenländer werden – besonders in Asien – von der geringeren Nachfrage aus Europa in Mitleidenschaft gezogen. Eine Konjunkturerholung in China könnte den Handel in Asien beleben. Insofern ist es ein positives Zeichen, dass China seine geld- und fiskalpolitischen Impulse verstärkt. Weitere stimulierende Massnahmen sollten Chinas Konjunktur beleben und könnten dazu beitragen, die Verlangsamung in anderen Schwellenländern abzufangen. Chinas Immobilienmarkt stellt weiterhin das grösste Abwärtsrisiko dar. ING IM prognostiziert für China ein Wachstum von 7,7% im Jahr 2012.

(Deutsche) Staatsanleihen erscheinen zwar aufgrund des deutlichen Renditerückgangs überbewertet, aber dies muss nicht unbedingt heissen, dass die Renditen für 10-jährige Anleihen in nächster Zeit merklich ansteigen. Neben dem hohen Interesse der Anleger an Sicherheit und Kapitalschutz sprechen auch der geldpolitische Kurs, der sinkende Inflationsdruck und die robusten Kapitalflüsse dafür, dass die 10-jährigen Anleiherenditen niedrig bleiben.

ING IM ist in Bezug auf riskantere Fixed-Income-Assetklassen moderat optimistisch. Ein Hauptgrund für diese Annahme besteht darin, dass wir in den kommenden Monaten mit bestimmten politischen Massnahmen rechnen. Längerfristig dürfte die „Suche nach Renditen“ Assetklassen wie (High-Yield-) Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen deutlich stützen.

Die Unsicherheiten und die Anfälligkeit der Konjunktur im Euroraum tragen zur hohen Volatilität des Euro-Dollar-Wechselkurses bei; es bestehen weiterhin beträchtliche Abwärtsrisiken.

Dividendenaktien bevorzugt
Im zweiten Quartal haben wir unser Engagement in zyklischen Sektoren verringert. Der Hauptgrund dafür war die Verlangsamung der weltweiten Gewinndynamik, die dazu geführt hat, dass die Gewinnprognosen der Analysten eher nach unten als nach oben korrigiert wurden. Die Gewinndynamik der zyklischen Sektoren sinkt auch im Vergleich zu defensiven Sektoren. ING IM ist derzeit in Bezug auf die Sektoren mehr oder weniger neutral positioniert.

ING IM hält an ihrer Präferenz für Aktien mit überdurchschnittlichen und nachhaltigen Dividendenrenditen und einem potenziellen Dividendenwachstum fest. Bei einem moderaten Gewinnwachstum dürften die Dividenden zumindest parallel zur Gewinnentwicklung ansteigen. Die Unternehmen halten derzeit beträchtliche Bargeldbestände. Die von den Unternehmen ausgeschütteten Bardividenden sind derzeit im Vergleich zu den Gewinnen niedrig.

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