US-Aktien auf der Kaufliste

Mikio Kumada, Global Strategist bei LGT Capital Management
Mikio Kumada, Global Strategist bei LGT Capital Management

Die US-Wirtschaft gewinnt wieder an Schwung und die US-Berichtssaison dürfte insgesamt erneut positiv überraschen. Für Global Strategist Mikio Kumada und das Analysten-Team der LGT Capital Management bietet diese Entwicklung Anlass, die Untergewichtung bei Risikoanlagen zu reduzieren und amerikanische Aktien und High Yield Bonds behutsam zu forcieren.

13.01.2012, 15:52 Uhr

Redaktion: luk

Die meisten positiven Entwicklungen kamen in jüngster Zeit aus den USA. In wirtschaftlicher Hinsicht konnten die USA eine Rezession vermeiden und teilweise sogar positive Impulse setzen. Die amerikanischen Beschäftigungsdaten verweisen nun wieder auf einen leicht wachsenden privaten Arbeitsmarkt. Auch die «vorausblickenden» Einkaufsmanagerumfragen haben sich sowohl auf regionaler wie auch auf nationaler Ebene in den letzten Wochen aufgehellt.

Gleichzeitig wird die seit Beginn dieser Woche laufende Berichtssaison für das vierte Quartal 2011 voraussichtlich bestätigen, dass die Rentabilität der US-Unternehmen weiter unterschätzt wird und auch im globalen Vergleich hoch bleibt. Die diversen Problemthemen haben die Erwartungen der Marktteilnehmer in letzter Zeit gezügelt. So rechnet der Analystenkonsens für den S&P 500 mit einem Gewinnwachstum von 5,3% pro Aktie. Die US-Wirtschaft hat sich jedoch relativ gut gehalten, während der günstige Dollar weiter die Exporte stützt und die Industriemetallpreise im vergangenen Jahr deutlich gesunken sind. Die Geschäftsergebnisse dürften daher in Summe den Konsenswert übertreffen. Doch schon das vom Konsens geschätzte Ergebnis läge gut 11% über dem Rekordergebnis von 2007, während der Index selbst immer noch 20% tiefer gehandelt wird. Die Berichtssaison sollte die US-Börsen somit tendenziell stützen.

Europa und China schwächeln weiter
Leider stehen diesen Entwicklungen die weiterhin bestehenden erheblichen Risiken in den anderen grossen Volkswirtschaften gegenüber. Die Staatsschuldenproblematik in Europa bleibt ungelöst und hält viele Staatsanleihenmärkte der Region unter Druck. Die Europäische Zentralbank versorgte die Banken des Euroraums im Dezember mit 489 Mrd. Euro an billigen Krediten. Die überraschend hohe Summe (ca. 5% der Gesamtwirtschaftsleistung der Eurozone) verringert das Risiko einer «Kernschmelze» im Euro-Finanzsystem, löst aber das Grundproblem der Staatsschulden nicht.

Chinas amtliche Daten verweisen insgesamt weiterhin auf eine Abkühlung der Wirtschaft, aber keine Kontraktion. Es gibt aber auch Meldungen, die von sinkenden Immobilienpreisen in grossen Städten berichten. Eine landesweite Geschäftsumfrage ergab kürzlich, dass das Vertrauen in der Baubranche inzwischen unter den Tiefpunkt der Finanzkrise von 2007-2009 eingebrochen ist. Chinas Börsen scheinen jedenfalls den Skeptikern Recht zu geben: Die Talfahrt chinesischer Small Cap Aktien – die gegenüber dem Kredit- und Konjunkturumfeld besonders stark exponiert sind – setzt sich beispielsweise weiter fort. Der relevante Index erreichte letzte Woche ein neues zyklisches Tief, während US-Small Caps weiter nach Norden tendierten. Small Caps laufen in China auch weiterhin schlechter als in der Eurozone und Japan. Dies deutet darauf hin, dass die vergleichsweise beruhigend wirkenden offiziellen Statistiken die Risiken in China wahrscheinlich unterschätzen.

Aufhellung in den USA bedeutet noch keine generelle Wende
Für eine gewisse Unruhe sorgen derzeit die Spannungen zwischen den USA und Iran, welche «geopolitische Gespenster» und das Risiko einer Unterbrechung der Rohöllieferungen in Erinnerung rufen. Eine ernsthafte Trübung der gerade einsetzenden Aufhellung ist gegenwärtig allerdings nicht erkennbar. Unter dem Strich begrüssen wir daher die konjunkturelle Entwicklung in den USA und halten Aktien aus Bewertungssicht als attraktiv. Diese Anlageklasse bietet gute Geschäftsergebnisse und hohe Dividenden zu relativ niedrigen Preisen. Ähnliches gilt grundsätzlich auch für Industrieanleihen, deren Wert letztlich ebenso stark von den Geschäftserfolgen der Unternehmen abhängt. So haben wir beschlossen, amerikanische Aktien und hochverzinsliche Unternehmensanleihen hinzuzukaufen. Damit akzentuieren wir unsere Präferenz für US-Aktien weiter und reduzieren unser Gesamtuntergewicht im Aktienbereich. Für eine insgesamt sportlichere Anlagestrategie bleibt das globale Marktumfeld ausserhalb der USA im Moment aber insgesamt noch zu fragil.

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