Strategien des American Football für Banken

Im American Football wird mit Huddle eine kurze Versammlung der Spieler bezeichnet, die während Spielunterbrüchen abgehalten wird. (Shutterstock.com/Ken Durdan)
Im American Football wird mit Huddle eine kurze Versammlung der Spieler bezeichnet, die während Spielunterbrüchen abgehalten wird. (Shutterstock.com/Ken Durdan)

Banken haben im Rahmen von Lean-Management-Ansätzen die Idee der Huddle-Boards eingeführt, um im laufenden Tagesgeschäft die anstehenden Aufgaben abzusprechen und das Team zu motivieren. Felix Buschor von der Hochschule Luzern erläutert, wie die St. Galler KB und die Liechtensteinische Landesbank die Idee umsetzen.

20.09.2021, 15:51 Uhr

Redaktion: rem

Prinzipien des Lean Managements, wie sie vor allem Toyota entwickelt hat, sind in der westlichen Hemisphäre erst seit den 1990-er Jahren populär. Mit etwas Verzögerung haben dann auch Banken angefangen, mit Lean-Ansätzen zu experimentieren. "Sie beabsichtigen damit, Arbeitsleistung und Ressourcen so zu fokussieren, dass ein möglichst grosser Kundennutzen resultiert", erklärt Felix Buschor von der Hochschule Luzern im IFZ Retail Banking Blog.

Ihm zufolge hat die St. Galler Kantonalbank (SGKB) im Nachgang zur Einführung der Avaloq-Plattform 2008 begonnen, Lean-Ansätze einzuführen – in erster Linie, um die Verarbeitungsprozesse zu optimieren. Die LLB wiederum habe im Rahmen ihrer Strategieplanung für die Jahre 2016-2020 Lean Management zu einem bankweiten Schwerpunkt erklärt.

Wir-Gefühl stärken

zur Verankerung des Lean-Gedankens im Berufsalltag führen sowohl LLB als auch SGKB als Teil ihrer Lean-Initiativen Huddles durch. Im American Football wird mit Huddle eine kurze Versammlung der Spieler bezeichnet, die während Spielunterbrüchen abgehalten wird, um die nächsten Spielzüge zu besprechen und das Team zu motivieren. Huddles in Form von fünf- bis maximal fünfzehnminütigen täglichen Steh-Meetings führen sowohl die LLB als auch die SGKB als Teil ihrer Lean-Initiativen durch. Herzstück dieser Team-Meetings ist das Huddle-Board.

Die täglichen kurzen Huddles helfen laut Buschor den Teams beider Banken gleich in mehrfacher Hinsicht:

  • Den Tagesablauf zu planen,
  • die Umsetzung von Verbesserungsideen zu verfolgen und sicherzustellen,
  • Wissen, wo das Team in Bezug auf Leistung, Auslastung, Abwesenheiten und Stimmung steht und
  • Informationen dem ganzen Team zugänglich zu machen.

Zu diesen Punkten werden auf dem Huddle-Board tagesaktuell und für das ganze Team sichtbar Informationen und Entscheide visualisiert. Diese werden soweit möglich durch die Teamleiter/innen und Teammitglieder vor dem Meeting aufdatiert. Auch hier gelte: Der Zeitbedarf muss gering sein.

Wie Buschor weiter ausführt, erhalten am Team-Meeting die Teammitglieder Gelegenheit, sich zu aktuell laufenden, geplanten und abgeschlossenen Aufgaben sowie allfälligen Blockierungen zu äussern. Die Moderation des Team-Meetings erfolgt bei beiden Banken nicht zwingend durch die Teamleiter/innen, sondern kann auch von engagierten Mitarbeitenden übernommen werden.

Beide Banken betonen laut Buschor, dass die allermeisten Teams nach anfänglichen Bedenken das tägliche Huddle-Board nicht mehr missen wollen. Die offene Kommunikation, das voneinander Lernen sowie das gegenseitige Aushelfen, kurz das gestärkte Wir-Gefühl seien für alle deutlich spürbare Vorteile. Einziger Wermutstropfen: Für beide Banken kaum nachzuweisen sei eine "Bottom-Line-Wirkung" der Huddles. Der tägliche Aufwand für die Team-Meetings lasse sich noch gut abschätzen, beim finanziellen Vorteil werde es anspruchsvoller. Beide Banken betonten aber, dass die tägliche Abstimmung Leerzeiten reduziert und dadurch freie Kapazitäten schaffe.

Huddles in operativen Teams und Führungsteams

Die LLB hat die täglichen Team-Meetings gruppenweit für alle im Tagesgeschäft tätigen Teams eingeführt. Dazu gehört nicht nur das Mutterhaus, sondern auch die Schweizer Tochtergesellschaft Bank Linth. Zuerst seien die Huddle-Boards bei den Verkaufsteams und später in den Teams der zentralen Einheiten eingeführt worden. Demgegenüber habe die SGKB die Ausbreitung des Huddle-Boards auf Verarbeitungseinheiten konzentriert. "Neben den Verarbeitungseinheiten haben weitere Teams zentraler Einheiten die Idee des Huddles passend auf ihre Bedürfnisse umgesetzt. So sind etwa in der Informatik Huddle-Boards mit grossen Ähnlichkeiten zu agilen Instrumenten, z.B. Kanban-Boards im Einsatz. Während sich bei der LLB die Huddles auf die operativ tätigen Teams beschränken, führen in den Verarbeitungseinheiten der SGKB auch Führungsteams regelmässig, allerdings nicht täglich, Huddle-Boards durch", so Buschor.

Trotz unterschiedlicher Ansätze der beiden Banken würden beide zum Schluss kommen, dass die Einführung des Huddle-Boards empfehlenswert sei. Allerdings müssten einige Voraussetzungen erfüllt sein: Experimentierfreudige Kultur, Unterstützung durch die Führungskräfte und klare Kommunikation, wie mit realisierten Einsparungen umgegangen wird. Gerade der letzte Punkt sei entscheidend fürs Engagement der Mitarbeitenden, betont Buschor.

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