Stärkerer Dollar, schwächere Schwellenmärkte

John Chatfeild-Roberts, Chief Investment Office bei Jupiter AM
John Chatfeild-Roberts, Chief Investment Office bei Jupiter AM

Der Dollar gewinnt zunehmend an Stärke. John Chatfeild-Roberts, Chief Investment Office bei Jupiter erläutert welche Folgen dies für die USA und andere Länder haben könnte.

16.12.2014, 10:22 Uhr

Redaktion: dab

Die letzten zehn Jahre haben mehrere bedeutende Trends mit längerfristigem Charakter hervorgebracht – von der raschen Urbanisierung in Schwellenländern bis hin zu technologischen Fortschritten weltweit. Auch die Trendveränderungen bei Währungen hinterliessen in den betroffenen Ländern und an den Aktienmärkten ihre Spuren. Dies gilt insbesondere für die Richtungsänderungen, die die Weltreservewährung US-Dollar immer wieder einschlägt. Die jüngste Dollar-Stärke dürfte sich gemäss Jupiter fortsetzen und dies könnte erhebliche Auswirkungen auf die USA und andere Länder haben.

Langfristige Währungsänderungen
1973 gingen die USA zu einem System flexibler Wechselkurse über. Seit dieser Zeit hat der Dollar etliche Wertänderungen verzeichnet. Auch wenn nichts immer geradlinig verläuft, so haben sich doch diese Änderungen in der Regel als mittel- bis langfristiger Trend manifestiert. Zwischen 1973 und 1979 gab der Dollar nach, während andere Währungen an Wert gewannen. Von 1980 bis 1985 erklomm die US-Währung dann neue Höchststände, bevor sie 1985 bis 1987 jäh einbrach und diesen Abwärtstrend nach dem Marktcrash im Oktober 1987 bis 1995 fortsetzte. Danach folgte eine abrupte Kehrtwende. Der Dollar legte Ende der 1990er-Jahre durchgehend zu und erreichte Anfang 2002 einen Spitzenwert. Dem vorausgegangen war eine Stärkephase der US-Wirtschaft, während das Wachstum in der übrigen Welt noch relativ stagnierte.

Die Deflation in Japan, das gedämpfte Wachstum und die hohe Arbeitslosigkeit in Kontinentaleuropa, die asiatische Finanzkrise sowie die Turbulenzen in Ländern wie Russland und Argentinien führten zu einer massiven Kapitalflucht in den „sicheren Hafen“ der Weltwirtschaft, die USA. Auch die Deviseninterventionen von Ländern wie Japan und China trugen zur Kursänderung des Dollars bei. Diese und andere (hauptsächlich aufstrebende) Nationen setzten ihre umfangreichen Dollarkäufe zu Reservezwecken fort, wodurch die US-Währung weiteren Auftrieb erhielt.

Letztendlich jedoch begann das US-Handelsdefizit untragbare Ausmasse anzunehmen. Als die Schwellenmärkte an Stärke gewannen und Europa zu einem Wachstumsmotor avancierte, floss infolgedessen Kapital aus den USA und dem Dollar ab.

Bis 2007, nicht lange bevor die Finanzkrise ausbrach, war ein Pfund Sterling über zwei Dollar wert. Als die Krise zuschlug, erlangten Dollar und Gold, das in Dollar notiert, wieder Safe-Haven-Status. Die aussergewöhnlichen Massnahmen der US-Notenbank Fed in den Jahren nach der Grossen Rezession hielten den Dollar schwächer, als man angesichts der globalen Unsicherheiten vermutet hätte. Nun, da die quantitative Lockerung in den USA beendet ist und viele Marktbeobachter aufgrund des höheren US-BIP-Wachstums 2015 mit einem Zinsanstieg rechnen, tendiert der Dollar langsam wieder höher.

Stärkerer Dollar, schwächere Schwellenmärkte
Im Zuge der Dollar-Stärke macht sich in den Schwellenmärkten indes Schwäche breit. Die Schwellenländer finanzieren sich häufig mit Dollar. Wertet dieser auf, steigt auch der Umfang der Schuldenlast und Zinszahlungen in Lokalwährung, was finanziell natürlich sehr schmerzhaft für diese Länder ist. Wie die Abbildung zeigt, ist diese Art der Korrelation nicht ungewöhnlich. Denke man zum Beispiel an die Asienkrise in den 90ern. Dieses Mal haben die Schwäche in entwickelten Märkten wie Europa und die weitere quantitative Lockerung in Japan auch bei den führenden Weltwährungen für einen Wertverlust gesorgt. Sollte dieser Trend länger andauern, könnte es zu weiteren Interventionen durch Länder wie China kommen, dessen Renminbi teilweise an den Dollar gekoppelt ist. Um den Wert solcher Währungen zu schwächen, könnten diese beispielsweise stärker flexibilisiert werden.

Der Ölfaktor
Ein weiterer Einflussfaktor im aktuellen Zyklus ist der Abbau von Ölschieferreserven in den USA, der weltweit zu einem Öl-Überangebot und in der Folge einer Preisverbilligung um 40 Prozent geführt hat.* Da die US-Wirtschaft zu 72 Prozent** konsumgetrieben ist, könnte diese „Steuersenkung“ das Binnenwachstum weiter beflügeln. Wie der Economist Anfang der 80er einmal in einer Überschrift konstatierte: „Billigeres Öl macht Euch stark“. Die Leidtragenden dabei werden jedoch die Ölproduzenten sein.

Dieser Trend zu einem stärkeren Dollar wird anhalten, weil vor allem die Fed kaum intervenieren dürfte – es sei denn, dies wäre absolut notwendig. Ein starker Dollar wird vermutlich nur begrenzte Auswirkungen auf die US Binnenwirtschaft haben, da die Exporte lediglich 14 Prozent zum US-BIP beitragen, verglichen beispielsweise mit 32 Prozent in Grossbritannien.*** Derweil dürften die Exporteure in Europa und Japan profitieren, weil dort die Herstellungs- und Transportkosten infolge der niedrigeren Ölpreise und schwächeren Währungen sinken. Jupiter bleibt wachsam bezüglich der potenziellen Auswirkungen einer solch wichtigen Trendänderung, die Länder und Unternehmen gleichermassen beeinflussen dürfte, und werden Anlagegelegenheiten nutzen, sobald sie sich auftun.

*Quelle: Bloomberg
**Quelle: Bureau of Economic Analysis
***Quelle: Office of National Statistics

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