Risikoprämien spiegeln die Erwartung höherer Zinsen

Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management
Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management

Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management, äussert sich zum Entscheid der US-Notenbank Fed die Zinsen an ihrer letzten Sitzung unverändert zu belassen.

23.09.2015, 16:01 Uhr

Redaktion: jog

Dass die Zinsen als erste Reaktion auf diesen Entscheid leicht gefallen sind, war wenig überraschend, da Umfragen bei Marktteilnehmern ein sehr uneinheitliches Bild gezeigt haben. Betrachtet man die Ablaufrenditen verschiedener Staaten langfristig, dann hat sich das Bild nach dem Fed-Entscheid kaum verändert. Die Ablaufrenditen der zehnjährigen Staatsanleihen sehen aktuell wie folgt aus: USA 2.18 Prozent, Deutschland 0.66 Prozent, Schweiz -0.03 Prozent. Auffallend ist die grosse Divergenz der Zinsen über die letzten drei Jahre zwischen den USA und Europa, die sich durch die Ausweitung der expansiven Geldpolitik seitens der EZB nochmals akzentuiert hat.

"Die im Verhältnis restriktivere Geldpolitik der Fed repliziert sich nun schon länger in den Märkten und wir erwarten, dass diese Differenz weiterhin bestehen bleibt. Für Anleihen-Investoren empfiehlt es sich, die relativ hohen Zinsen in den USA im Blick zu haben und mit Anlageentscheidungen entsprechend davon zu profitieren", sagt Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management.

Seit Monaten spiegeln die Risikoprämien verschiedener Unternehmensanleihen-Indizes mit Investment Grade Qualität die Erwartung höherer Zinsen. Die hierdurch erfolgte Ausweitung war in den USA am stärksten ausgeprägt. „Mit aktuell fast zwei Prozent über dem risikolosen Zinssatz bei einer Duration von sieben bewerten wir dies als historisch attraktiv. Aber auch die Emerging Markets weisen im Bereich Unternehmensanleihen in USD sehr attraktive 2.8 Prozent auf, und dies bei einer deutlich tieferen Duration von fünf. Die europäischen Unternehmensanleihen sind hingegen relativ teuer bei einer Duration von über sechs“, erläutert Thoma weiter.

Unangenehme Strukturreformen in Emerging Markets
Die höheren Risikoprämien in USD-denominierten Anleihen für die Segmente USA und Emerging Markets führen zu deutlich höheren Ablaufrenditen. Der Carry ist hier über zwei Prozent höher im Vergleich zum gleichen Segment in EUR und CHF. Die Ausweitung der Risikoprämien in den Emerging Markets ist im Vergleich zu den vergangenen Korrekturen erstmals wieder hausgemacht. China hat mit ein paar schlecht kommunizierten Massnahmen den Markt erschreckt und Ländern wie Brasilien, der Türkei, Malaysia und Südafrika stehen politisch unangenehme Strukturreformen bevor.

"Interessant erscheinen derzeit auch Hochzinsanleihen, die erstmals wieder Ablaufrenditen von über sieben Prozent bei einer Duration von vier bieten. Dies hängt mit dem hohen Anteil von Emittenten aus den Segmenten Basic Materials und Energie zusammen. Es gibt also nach wie vor attraktive Opportunitäten in der Welt der Anleihen", meint der CIO von Fisch Asset Management.

Dazu gehören Wandelanleihen - diese haben Aktien seit Jahresanfang deutlich geschlagen, da sich die Aktiensensitivität aufgrund der asymmetrischen Eigenschaften von hybriden Wandelanleihen schnell und kostengünstig reduzierte. "Investoren, welche über den weiteren Jahresverlauf von Aktien im Ungewissen sind und doch einen möglichen Aufschwung nicht verpassen wollen, sind im Wandelanleihen-Segment sehr gut aufgehoben. Die grössten Chancen sehen wir aufgrund der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken und der sich verbessernden Wirtschaftsindikatoren mit relativ guten Märkten weiterhin bei europäischen und japanischen Werten. Generell gilt für die Anleihenmärkte und alle Investoren unverändert: Nach der Fed ist vor der Fed. Das mögliche Einläuten der Zinswende in den USA bleibt das bestimmende Thema und ein Haupteinflussfaktor auf die Marktentwicklungen", sagt Thoma.

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