Rendite dank starken Schwellenländern

Roy Scheepe, Senior Client Portfolio Manager Emerging Markets Debt bei ING IM
Roy Scheepe, Senior Client Portfolio Manager Emerging Markets Debt bei ING IM

Roy Scheepe von ING IM erwartet für 2015 geringe Renditen an den globalen Finanzmärkten. Nicht aber bei Emerging Market Debt, denn für die meisten Schwellenländer bleiben die Prognosen positiv.

02.02.2015, 09:14 Uhr

Von Roy Scheepe*

Das globale makroökonomische Umfeld wird 2015 nur ein moderates Wachstum aufweisen. Indikatoren dafür sind beispielsweise die tiefen Ölpreise, welche Deflationsängste in der EU schüren und die Konsumausgaben möglicherweise gleichzeitig steigern. Auch die Chance, dass die EZB dieses Jahr Staatsanleihen in ihr Programm zur quantitativen Lockerung aufnimmt, erhöht sich. Dazu kommt, dass die Federal Reserve im zweiten Halbjahr 2015 mit der erwarteten Zinsanhebung beginnen könnte.

Da die Zinsen in Deutschland niedrig sind, glauben wir zudem, dass zehnjährige US-Staatsanleihen nur ein begrenztes Steigerungspotenzial aufweisen werden. Nicht zuletzt auch, weil die Nachfrage aus dem Ausland mit der Erstarkung des US-Dollars mitwachsen wird.

Global niedrige Renditen sprechen für Schwellenmärkte
In China startete die Zentralbank die erste allgemeine Senkung der Leitzinsen seit 2012 und wich damit von ihrem rein zielgerichteten Ansatz ab. Angesichts der strukturellen Natur des Immobilienabschwungs, der Produktionsinvestitionen sowie dem allgemeinen Deflationsdruck können weitere Lockerungen allerdings nicht ausgeschlossen werden. Alles in allem glauben wir, dass die weltweite Inflation und die globalen Renditen gering bleiben werden – was sich wiederum positiv auf Emerging- und Frontier-Markets auswirkt.

Gleichzeitig steigen aber auch einige Risiken für gewisse Schwellenländermärkte: Die Rohstoffpreise, vor allem für Öl, sind deutlich zurückgegangen. Sorgen um die schwächeren erdölexportierenden Länder wie Venezuela, Ecuador, Gabun, Angola und Nigeria werden bestehen bleiben. Auch Ebola bleibt ein Problem. Trotz des scheinbaren Rückgangs der Krise werden wir die Lage genau beobachten müssen. Die Situation in der Ukraine erscheint derzeit zwar ruhig, der Konflikt kann aber jederzeit wieder aufflammen, auch wenn der Winter Kriegsaktivitäten erschwert.

Wir erhöhen unsere technische Gesamteinschätzung von neutral auf positiv. Die Saisonalität wurde gegen Ende 2014 bereits besser. Die Spreads des JPMorgan Chase EMBI Global Diversified (EMBIGD) befanden sich Ende Jahr in der oberen Hälfte der 250 bis 350 Basispunkte, zwischen denen sie sich in den letzten fünf Jahren hauptsächlich bewegten. Wir vermuten, dass sie voraussichtlich über die 300 bps Ebene ziehen werden, nicht zuletzt weil die gesamtwirtschaftlichen Aussichten für die meisten Schwellenländer nach wie vor gesund sind.

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*Der Autor ist Senior Client Portfolio Manager Emerging Markets Debt bei ING IM.

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