Prognosen in komplexen Märkten

Scott Wolle, Chief Investment Officer von Invesco Global Asset Allocation
Scott Wolle, Chief Investment Officer von Invesco Global Asset Allocation

Wer investiert, braucht Prognosen. Doch je komplexer die Finanzwelt wird, desto schwieriger lässt sie sich vorhersagen. Die für Menschen typischen Reaktionen auf komplexe Situationen machen die an sich schon nicht einfachen Prognosen nur noch schwieriger.

14.11.2011, 09:25 Uhr

Redaktion: kab


Das Global Asset Allocation Team von Invesco hat Möglichkeiten und Grenzen von Prognosen in unsicheren Zeiten analysiert. In der jüngsten Ausgabe der Invesco-Publikation Risk & Reward beschreibt das Team geeignete Antworten auf diese Herausforderung aus Sicht der Portfoliostrukturierung. „Für Investoren gilt es, einen Prozess zu entwickeln, der die gravierendsten offensichtlichen Fehler vermeidet, Absicherungen vorsieht und der regelmässig auf eine ausreichende Robustheit überprüft wird“, schreibt Scott Wolle, Chief Investment Officer von Invesco Global Asset Allocation.

Unerwartetes bringt die schöne Modellwelt durcheinander
In der Vergangenheit haben sich Analysten mit Prognosen komplexer Ereignisse die weit in der Zukunft liegen und sehr unsicherer Variablen wie Wirtschaftswachstum zweifellos sehr schwer getan. In einem komplexen, verwobenen System wie den heutigen Finanzmärkten kann es fast aus dem Nichts zu grösseren Veränderungen mit weitreichenden Folgen kommen. „Unerwartete Ereignisse haben die unangenehme Eigenschaft, unsere schöne Modellwelt gehörig durcheinander zu bringen“, so Wolle. In den letzten zehn Jahren zählten dazu der 11. September, zwei Kriege, eine Finanzkrise und eine Staatsschuldenkrise.

Portfolios müssen in der Struktur widerstandsfähige sein

“Die Vorsicht gebietet uns, die Fallstricke zu kennen und zu meiden – durch einen umsichtigen Portfolioaufbau“, erklärt Wolle. Seiner Ansicht nach haben gute Portfolioprozesse drei wichtige Eigenschaften: Eine widerstandsfähige Struktur, häufige und kontrollierte Veränderungen in der Asset Allokation und regelmässige Kontrolle.

Die erste Eigenschaft, eine widerstandsfähige Struktur, bezieht sich auf einen gewissen Schutz gegen Extremrisiken, die zwar leicht zu übersehen sind, aber häufiger auftreten als von Standardmodellen prognostiziert – und gravierende Folgen haben können. Strukturell widerstandsfähige Portfolios zeichnen sich durch eine angemessene Diversifikation über Anlageklassen aus, die in verschiedenen Marktsituationen unterschiedlich performen – zum Beispiel können langfristige Staatsanleihen einem Aktienportfolio in Rezessionszeiten eine gewisse Absicherung bieten. „Diversifizierende Assetklassen müssen ausreichend hoch gewichtet sein, um wirklich etwas zu nützen, wenn sie gebraucht werden“, meint Wolle. „Dies lässt sich durch eine einfache Szenarioanalyse oder durch noch strengere quantitative Methoden erreichen.“

In einem zweiten Schritt müsse das Risiko-Rendite-Profil des strukturell widerstandsfähigen Portfolios durch häufige und kontrollierte Veränderungen der Asset-Allokation optimiert werden. Wolle favorisiert einen disziplinierten Ansatz mit kurzfristigen Prognosen auf der Grundlage vieler unterschiedlicher Kennziffern, die extrem stark auf Marktsignale reagieren. Allerdings warnt er, dass Investoren sich nicht zu weit von der ursprünglichen, stabilen Portfoliostruktur entfernen oder ganz auf eine Absicherung verzichten sollten.

Ohne Prognosen geht es nicht

Der letzte und vielleicht wichtigste Punkt ist, ständig auf mögliche Prozessrisiken zu achten und nach neuen Chancen Ausschau zu halten. Die Vorteile alternativer Ansätze gegenüber dem eigenen Prozess müssen ständig untersucht und die möglichen Vorteile und Risiken der vorgeschlagenen Verbesserungen objektiv abgewogen werden, um viele bekannte Verhaltensmuster und kognitive Verzerrungen ausschliessen zu können.

„Ganz ohne Prognosen geht es beim Portfoliomanagement nicht“, sagt Wolle. „Selbst wer bestreitet, in seinen Prozessen Prognosen zu verwenden, hat eine bestimmte Vorstellung davon, wie die Welt funktioniert und funktionieren wird – und genau das ist eine Prognose. Deshalb ist es wichtig, ihre Grenzen zu kennen – und die gefährlichsten Prognosefehler zu vermeiden“, so Wolle.

Lesen Sie Scott Wolles gesamten Fachaufsatz zum Thema Prognosen in der neuen Ausgabe von „Risk & Reward“.

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