Negativzinsen gefährden Bankensystem

Ken Leech, CIO bei der Legg Mason Tochter Western Asset
Ken Leech, CIO bei der Legg Mason Tochter Western Asset

Laut Ken Leech, CIO bei der Legg Mason Tochter Western Asset, sind die Negativzinsen auf bestimmte europäische Staatsanleihen nicht nachhaltig und könnten dem Bankensystem bedrohlich werden.

16.04.2015, 09:20 Uhr

Redaktion: jod

Negative Zinsen auf bestimmte europäische Staatsanleihen könnten dem Bankensystem bedrohlich werden. Ausserdem ist es unwahrscheinlich, dass sie auf lange Sicht nachhaltig sind, so Ken Leech.

Als leitender Portfoliomanager des $3,534m** Legg Mason Western Asset Macro Opportunities Bond Fund, sagt Leech, dass negative Zinsen auf 10jährige Schweizer Staatsanleihen und auf einige deutsche Staatstitel Anomalien darstellen, vor denen Investoren auf der Hut sein sollten.

„Auch wenn ich schon seit langer Zeit als Fachmann in der Anleihen-Welt tätig bin, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal Zeuge von negativen Zinsen sein werde“, so Leech. „In der Schweiz zahlen die Banken der Zentralbank Geld für ihre Einlagen. Offensichtlich setzt die Schweizer Nationalbank, insbesondere seit der Beendigung der Anbindung des Frankens an den Euro zu Beginn des Jahres, alles daran, Investoren davon abzuhalten, noch mehr Geld in Schweizer Staatspapiere zu stecken.“

Trotz solchen Kräften im Hintergrund, befinden wir uns sichtlich an einem Tiefpunkt des Zyklus. Es ist eine Tatsache, dass Anleihen-Investoren in den entwickelten Ländern Schweizer oder Deutsche Anleihen verkaufen und US-Staatspapiere mit einer Rendite von ungefähr 2% kaufen können. Warum sollten sie das auch nicht tun?“

Leech ist zudem der Ansicht, dass eine grössere Gefahr für den Bankensektor durch negative Zinsen besteht, insbesondere wenn sich die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich entwickeln. „Es gibt ein Limit, wie weit negative Zinsen gehen können, weil sie ab einem bestimmten Punkt zu einer echten Gefahr für das Banken-System werden. Ich denke tatsächlich, dass wir uns bereits in diesem Bereich befinden“, gibt Leech zu bedenken.

„Ausserdem erwarten wir, dass negative Zinsen ab einem gewissen Punkt durch Investoren getestet werden, besonders da unser eigener Ausblick für Wachstum wesentlich positiver ist.“

Während negative Zinsraten 2015 auf 10jährige Schweizer Staatsanleihen fortdauern, sieht Leech bereits Anzeichen dafür, dass im Handel bereits eine Umkehrung stattfindet, wenn man sieht, dass die Renditen von einem Rekordtief mit -0.26% im Januar zurück auf -0.05% im März gekommen sind.

Daher habe er Anleihen von entwickelten Ländern untergewichtet. „Es gebe bessere Gelegenheiten in anderen Bereichen des Anleihen-Markts“, so Leech weiter.

„Wir sind optimistisch, dass das Wachstum global zurückkehrt und Anleihen aus verschiedenen Sektoren Staatsanleihen übertreffen werden“, ist Leech überzeugt.

„Wir bevorzugen Kreditmärkte im Allgemeinen, insbesondere Unternehmensanleihen mit InvestmentGrade und ausgewählte hochverzinsliche Unternehmensanleihen. Attraktiv sind auch in US-Dollar oder in lokale Währungen denominierte Schwellenländer-Anleihen. Dabei schauen wir auf Länder mit positiven Fundamentaldaten, wie zum Beispiel Mexiko, wo strukturelle Reformen einen durchweg positiven Ausblick versprechen.“

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