Multi Asset – Lehren aus der Krise

In der Theorie besteht laut Thomas Graby von  DWS der Charme von Multi-Asset-Fonds darin, dass sie in mehrere Anlageklassen investieren, die gering oder sogar negativ korreliert sind. (Bild: Shutterstock.com/Curioso photography)
In der Theorie besteht laut Thomas Graby von DWS der Charme von Multi-Asset-Fonds darin, dass sie in mehrere Anlageklassen investieren, die gering oder sogar negativ korreliert sind. (Bild: Shutterstock.com/Curioso photography)

In der "heissen Phase“ der Corona-Krise sind die langfristig bestehenden Korrelationen zwischen den einzelnen Arten von Vermögenswerten in Multi-Asset-Fonds kurzzeitig stark zusammengelaufen. Thomas Graby von DWS erläutert, warum feste Quoten für einzelne Anlageklassen kontraproduktiv sind.

10.06.2020, 05:00 Uhr

Redaktion: rem

"In der Theorie besteht der Charme von Multi-Asset-Fonds darin, dass sie in mehrere Anlageklassen investieren, die gering oder sogar negativ korreliert sind", betont Thomas Graby, Fondsmanager des DWS Invest Conservative Opportunities. Brechen also zum Beispiel die Aktienbörsen ein, geht es in der Regel an den Märkten für Staatsanleihen bester Bonität – etwa aus den USA oder Deutschland – nach oben, was diesen Portfolios einen geradlinigeren Renditeverlauf beschert als Produkten, die nur in eine Art von Vermögenswerten investieren, erklärt Graby. Und tatsächlich wirke sich das geeignete Mischen unterschiedlicher Anlageklassen positiv aus. Das zeige der Blick auf die grösstenteils von der Coronavirus-Pandemie geprägte Wertentwicklung einiger Multi-Asset-Fonds seit Jahresanfang.

In der "heissen Phase“ dieser Krise seien jedoch die langfristig bestehenden Korrelationen zwischen den einzelnen Arten von Vermögenswerten kurzzeitig stark zusammengelaufen, sagt der Fondsmanager und fährt fort: "Der wichtigste Grund für dieses Phänomen war der plötzlich auftretende und gewaltige Hunger vieler Anleger nach Liquidität, die darum alle Anlageklassen gleichermassen abstiessen. Dazu kam noch, dass die Ausgleichseffekte von Gewinnen im einen und Verlusten im anderen Teil von Portfolios teilweise zeitverzögert einsetzten. Und schliesslich fielen die Aufschläge in "sicheren Häfen“ wie Gold oder Staatsanleihen bester Bonität nicht unbedingt so hoch aus wie die Abschläge bei riskanteren Vermögenswerten. "Es kommt also neben den richtigen Zutaten auch auf ein optimales Mischungsverhältnis und ein gutes Timing an. Vor diesem Hintergrund stellt sich dann natürlich die Frage, wie zweckmässig starre Vorgaben für den Aktien-, Anleihen- oder Goldanteil eines Multi-Asset-Fonds sind“, sagt Graby.

Oftmals unvollständige Vorstellungen vom Risiko einzelner Anlageklassen

Solche Quoten für einzelne Anlageklassen, die sich institutionelle Investoren selbst auferlegen oder die durch den Regulierer definiert werden, sollen gewissermassen gleich in der DNA eines Produkts ein bestimmtes Rendite-Risiko-Profil einpflanzen. "Nicht zuletzt die Ereignisse an den Kapitalmärkten im ersten Quartal dieses Jahres haben aber wieder gezeigt, dass die damit einhergehende Begrenzung der Flexibilität der Fondsmanager dazu führen kann, dass sie die mit festen Allokationsvorgaben verbundenen Risikoziele etwa in Form von maximalem Verlust oder Schwankungsbreite oftmals verfehlen“, erklärt Graby. Was als Brandmauer gedacht sei, verkehre sich also im Zweifel in einen Brandbeschleuniger.

Zur Verdeutlichung verweist er auf ein theoretisches Multi-Asset-Portfolio, in dem ein Anteil von 50% an in Euro ausgestellten Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Bonität festgeschrieben ist. Mit solchen Schuldtiteln wird typischerweise ein geringes Schwankungs- und Verlustrisiko in Verbindung gebracht, weshalb es viele institutionelle Investoren gerne sehen, wenn ihnen ein hoher Anteil zukommt, der ausserdem nicht zur Disposition des Fondsmanagers steht.

"Die Frage ist jedoch, ob nicht ein deutlich niedrigerer Anteil von beispielsweise 10% an Aktien und 40% an Bargeld in Verbindung mit einem geeigneten Risikomanagement eine sinnvollere Alternative gewesen wäre, als die 50-prozentige Quote an Unternehmensanleihen durch die Krise zu halten“, sagt Graby.

So seien Aktien deutlich liquider, weshalb sie auch in Krisenzeiten zu jenem Preis gehandelt werden könnten, der für Marktteilnehmer sichtbar sei. Unternehmensanleihen wiesen aufgrund der geringeren Liquidität hingegen oftmals deutliche Preisabschläge auf. "Während der Corona-Krise wurden beispielsweise Exchange Traded Funds für Unternehmensanleihen zum Teil mit Abschlägen von 5% gegenüber dem Nettoinventarwert gehandelt“, erläutert der Fondsmanager. Neben der besseren Verkaufsmöglichkeit böten Aktien mit Future-Kontrakten auf Indizes wie den Dax aber auch das deutlich bessere Absicherungsinstrument als Credit Default Swaps bei Unternehmensanleihen.

Risikosteuerung über Bargeld: Von Investoren zu negativ gesehen

Auch die negative Beurteilung hoher Kassepositionen sollte nach Ansicht von Graby hinterfragt werden. Schliesslich sei Bargeld die einzige risikolose Anlageklasse, weshalb sie verstärkt zur Steuerung des Risikos eingesetzt werden könne – vor allem in Phasen von Liquiditäts-Crashs. "Insgesamt wäre daher zu überlegen, direkte Vorgaben für maximalen Verlust und Schwankungsbreite als zeitgemässe und effiziente Brandmauern in den Fokus bei Anlagebegrenzungen zu rücken und dem Umweg über Quoten für einzelne Anlageklassen eine geringere Bedeutung beizumessen“, so Graby.

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