ING IM: Neues Jahr, alte Herausforderungen

Laut Houseview Aktienstrategie von ING Investment Management wird das Umfeld schwierig bleiben. Insofern erwartet Patrick Moonen, Senior Equity Strategist bei ING IM, auch für die Aktienmärkte keine reibungslose Entwicklung.

09.01.2012, 11:18 Uhr

Redaktion: sek


Weltweit dürfte sich das Wachstum auf 3% verlangsamen; vor allem Europa wird eine Rezession erleben. Mit zunehmend strengeren Kreditvergabekriterien in Europa sinken auch die Risiken. Die Verschärfung der Kriterien könnte sich negativ auf die Investitionstätigkeit und den Immobilienmarkt auswirken. Zum Glück gehen die USA in wirtschaftlich einigermassen solider Verfassung ins neue Jahr, insofern mag sich der Abschwung in Grenzen halten.

Sparen und Schuldenabbau nötig
In der Eurozone hält die Kreditkrise unvermindert an. Der Antritt technokratischer Regierungen in Griechenland und Italien dürfte die Reformen beschleunigen und die Märkte beruhigen, doch der Mangel an Wachstum wird dadurch nicht zu lösen sein. Im gesamten Euro-Raum heisst es jetzt Sparen und Schuldenabbau. Das hemmt Wachstum und erschwert den Abbau von Defiziten. Es hat indes den Anschein, dass die Krise jetzt auf die Endphase zusteuert. Darauf deutet jedenfalls der Anstieg der Zinsen auf Kernländeranleihen im November 2011 hin. Am Ende steht entweder die Fiskalunion oder das Auseinanderbrechen der EWU.

Zwar hat sich die EZB noch nicht zu einer direkten geldpolitischen Lockerung durchgerungen, doch die Bereitstellung von frischen Mitteln in Höhe von 489 Mrd. Euro für den Bankensektor sowie niedrigere Leitzinsen dürften sich als Rettungsanker erweisen und somit zu einer indirekten quantitativen Lockerung über die Banken führen. Allerdings soll dies nicht überbetont werden, da die Banken die Erlöse statt zum Kauf von Staatsanleihen auch zu Refinanzierungszwecken verwenden könnten.

Lediglich moderater Gewinnrückgang

Vor allem bei europäischen Unternehmen erwartet Patrick Moonen einen Rückgang der Gewinne. Die eigentliche Ursache dieses Abschwungs ist der Rückgang des Umsatzwachstums, der wiederum direkt durch das niedrigere globale Wachstum und rückläufige Gewinnspannen bedingt ist. Doch im Gegensatz zu früheren Rezessionen erwartet Moonen diesmal einen nur moderaten Gewinnrückgang. Momentan sind die Unternehmen nicht durch Angebotsüberhänge oder Überkapazitäten belastet. Hinzu kommt, dass deutsche Unternehmen in der letzten Erholungsphase nicht wesentlich aufgespeckt haben. Die Kosten sind unter Kontrolle, so dass die Unternehmen Umsatzeinbussen eher bewältigen können. Insgesamt sind die Unternehmen in guter Verfassung. Die Bilanzen sind solide und die Gewinnspannen haben wieder überwiegend das Niveau von vor der Lehman-Krise erreicht – trotz der schleppenden Konjunkturerholung der vergangenen zwei Jahre. Gleichwohl bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Unternehmen. Rohstoffabhängige Firmen, die stark auf die Nachfrage in Europa angewiesen sind, werden besonders schwer betroffen sein. Dies gilt umso mehr, als dass die Schwellenländer die Rohstoffpreise auf hohem Niveau halten werden. International tätige Unternehmen dürften besser abschneiden.

Erschwerend kommt hinzu, dass heftige Stimmungsschwankungen den Markt belasten. Das bedeutet nicht nur höhere Volatilität, sondern auch eine stärkere Korrelation zwischen den Aktienmärkten. Aus diesem Grund geht ING IM bei seiner Top-down-Strategie mit der entsprechenden Zurückhaltung vor.

Entschlossenes Handeln gefragt

Positiv ist indes, dass die aktuellen Bewertungen bereits viele dieser Unwägbarkeiten widerspiegeln. Historisch betrachtet liegen bei globalen Aktien die KGVs des letzten Geschäftsjahres um über eine Standardabweichung unter ihrem Durchschnitt der vergangenen 40 Jahre. In Europa haben sich die Bewertungen gegenüber den Staatsanleihemärkten auf nahezu dem Niveau eingependelt, das im Anschluss an die Lehman-Krise zu beobachten war. Das liegt natürlich ebenso sehr an den niedrigen Anleiherenditen wie an den günstigen Aktienbewertungen in einem von niedrigem Wachstum bzw. Rezession geprägten Umfeld bewegen sich Anleiherenditen und Aktien in die gleiche Richtung. Gleichwohl sind die Rezessionsrisiken bei diesen Bewertungen zweifelsohne bereits eingepreist. Wäre da nicht das anhaltende Risiko eines systemischen Zusammenbruchs infolge der Staatsschuldenkrise, würde ING Investment Management Aktien sicherlich optimistischer einschätzen. Entschlossenes Handeln aufseiten der wirtschaftspolitisch Verantwortlichen könnte dieses Risiko eliminieren und damit zu einem 15-20%igen Kursanstieg bei europäischen Aktien sorgen.

Lesen Sie hier den kompletten Rück- und Ausblick auf die Aktienmärkte von ING Investment Management.

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