Hände weg von langen Bonds

 Jeremy Grantham, Gründer und Chefstratege von GMO
Jeremy Grantham, Gründer und Chefstratege von GMO

„Heute gibt es zwei Orte, an denen man das Geld nicht investieren sollte: langlaufenden Bonds und US-Aktien, vor allem in Small Caps“, konstatierte Jeremy Grantham, Gründer und Chefstratege von GMO an der Investoren-Konferenz in Zürich. Anhand der 7-Jahresprognosen von GMO liegen hingegen derzeit viele Anlagekategorien nahe an ihrem fairen Wert und versprechen ansprechende langfristige Renditen.

23.03.2012, 08:44 Uhr

Redaktion: anw

"Die gewaltigen Geldspritzen der Notenbanken haben den gesamten Regulationsmechanismus der Finanzmärkte ausgehebelt", meint Grantham. Statt einer langen Korrektur wie nach jeder grossen Blase der vergangenen Jahrzehnte haben diese Stimulierungsmassnahmen in kurzer Zeit wieder zu einer Überbewertung und gleichzeitig zu einer massiven Verschuldungsproblematik der Staaten geführt. Im Bondbereich stehen die Zinsen auf Rekordtief. Gemäss dem Modell von GMO, wonach die Renditen der Anlagekategorien sich in sieben Jahren jeweils dem langjährigen Mittelwert annähern sollten, müssen Anleger in den überwerteten Bondmärkten in UK mit jährlichen Verlusten von 4,1 % und in der Schweiz mit 3,0 % rechnen.

Überbewertete US-Aktien
Profitiert haben die Unternehmen in den USA, die trotz der schwachen Erholung von der grössten Krise seit Jahrzehnten ihre Gewinnmargen auf Rekordhöhen von über 10 % geschraubt haben. Gemäss Grantham besteht durchaus die Chance, dass bis zu den US-Präsidentschaftswahlen im Herbst die Aktienkurse weiter steigen. "Auf der Basis der aktuellen P/Es von 16 sehen die Märkte nicht teuer aus", ergänzte James Montier, Mitglied des Asset Allocation Teams. "Anleger sollten sich aber die Qualität der Gewinne anschauen. Heute von weiter steigenden Gewinnmargen auszugehen wie die meisten Analysten, ist völlig unrealistisch." Im Gegenteil muss mit sinkenden Margen gerechnet werden, was sich mittelfristig negativ auf die Aktienperformance auswirken wird. Sollten die Zinsen aufgrund anziehender Wirtschaftsdaten zu steigen beginnen, würde dies die Aktienmärkte ebenfalls beeinträchtigen. Gegenüber dem historischen Mittelwert sind US-Aktien gemessen am S&P 500 schon heute 40 % überbewertet.

Emerging Markets mit hohen Renditen
Zurzeit sieht GMO gute Chancen in allen Aktienkategorien mit Ausnahme der USA, wo man sich auf Qualitätstitel beschränken sollte. Nach wie vor sind die Aussichten in den Emerging Markets mit jährlichen Renditen von über 5 % in den nächsten sieben Jahren erfreulich, Japan sollte pro Jahr sogar 6,5 % abwerfen.

An der diesjährigen GMO Investoren-Konferenz nahmen rund 80 Vertreter von institutionellen Anlegern teil. Die Asset-Allocation-Strategien von GMO basieren auf den Einschätzungen der Entwicklungen an den internationalen Aktien- und Obligationenmärkten sowie im Bereich der alternativen Anlagen für die nächsten sieben Jahre.

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