Gute Aussichten für Rohstoffe

Mögliche Angebotsengpässe im Landwirtschaftssektor und eine positivere Dynamik in Europa sowie Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur in China stimmen ING Investment Management bei Rohstoffen optimistischer.

09.08.2012, 12:01 Uhr

Redaktion: sek

Rohstoffe sind in diesem Jahr hinter anderen Anlageformen zurückgeblieben. Grund ist u. a. die konjunkturelle Abkühlung in China. In den letzten Wochen haben sich indes die Anzeichen verdichtet, dass die Talsohle erreicht ist. Zusammen mit der positiveren wirtschaftspolitischen Dynamik in Europa ist das Anlass für ING IM, die Untergewichtung bei Rohstoffen auf neutral hochzufahren. Günstig für Rohstoffe allgemein ist auch der steile Preisanstieg, der seit Juni bei einigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu beobachten ist.

Dürre in den USA treibt die Getreidepreise nach oben

Der Preisanstieg bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen, vor allem Getreide und Ölsamen, ist derzeit Top-Thema am Rohstoffmarkt. Eine Hitzewelle und eine schwere Dürre in den USA – gerade im Getreidegürtel des Mittelwestens – haben zu massiven Ernteausfällen und der schlechtesten Getreideernte seit über 20 Jahren geführt. Da die USA der weltgrösste Mais- und Sojabohnenerzeuger der Welt sind, schlagen die Missernten direkt auf die Preise für Getreide und Ölsamen durch. Seit Juni sind die Agrar-Subindizes des DJ UBS für Mais und Getreide um ca. 50% gestiegen, während der Subindex für Sojabohnen um über 30% angezogen hat. Es überrascht daher nicht, dass der Landwirtschaftssektor seit Mitte Juni die übrigen Sektoren des Rohstoffuniversums weit hinter sich gelassen hat.

Übrige Rohstoffsektoren hinken hinterher
Die Sektoren Edel- und Industriemetalle haben in den letzten paar Monaten seitwärts tendiert. Vor allem der Energiesektor blieb in diesem Jahr hinter der Marktentwicklung zurück; das lag u. a. am deutlichen Rückgang der Ölpreise in Q2. Doch seit Juni entwickelt sich dieser Sektor wieder lebhafter. Das dritte Quartal ist in der Regel für den Energiesektor günstig, da Raffinerien in den USA und Europa im Vorfeld der US-Driving Season im Mai ihre Kapazitäten hochfahren. Im August arbeiten sie dann auf Hochtouren. Zudem befinden sich die Rohölvorräte der OECD jetzt auf einem Niveau, das dem Fünfjahresdurchschnitt entspricht, während sie in Europa niedrig sind. Schätzungen zufolge hat sich das Angebot auf dem Weltmarkt durch die derzeitigen Iran-Sanktionen der EU und der USA pro Tag um rund eine Million Barrel verknappt. Hinzu kommen Lieferengpässe in Libyen, Nigeria und Argentinien. Gleichwohl dürften die beiden Segmente WTI und US-Erdgas die Entwicklung im Energiesektor weiter hemmen. Das struktu¬relle Überangebot an WTI (West Texas Intermediate) Rohöl bleibt vorerst bestehen. Hier spielen Faktoren wie die Umkeh¬rung der Fliessrichtung in der Seaway-Pipeline, die höheren Ölimporte aus Kanada und die Förderung von Schieferöl eine Rolle. US-Erdgas hat sich infolge des hitzebedingten Energiebedarfs (Klimaanlagen) deutlich erholt; zum Ende des Sommers scheint sich bereits ein Lagerstau abzuzeichnen.

Ein deutlicher Preisanstieg bei Edelmetallen lässt momentan trotz negativer Realzinsen auf sich warten. Die anhaltende Schwäche von EM-Währungen hemmt zudem die Nachfrage nach Schmuck an den Emerging Markets, vor allem aus Indien.

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