Gute Anlagechancen durch Internationalisierung des RMB

Paul Chan, Investment Director bei Invesco Asia Pacific
Paul Chan, Investment Director bei Invesco Asia Pacific

Paul Chan, Investment Director bei Invesco Asia Pacific, beurteilt die bisherigen Schritte der chinesischen Regierung als Signal dafür, dass die internationale Bedeutung des Renminbi in den kommenden Jahren stark zunehmen und damit attraktive Anlagechancen für chinesische Marktteilnehmer eröffnen wird.

15.06.2012, 13:16 Uhr

Redaktion: sek

Trotz ihrer Stellung als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und grösster globaler Exporteur hat China gerade erst mit der Internationalisierung der eigenen Währung für die Abwicklung internationaler Handelsgeschäfte sowie zum Einsatz an den internationalen Kapital- und Devisenmärkten begonnen. Aber „die von der chinesischen Regierung bislang unternommenen Schritte signalisieren, dass die internationale Bedeutung des Renminbi in den kommenden Jahren stark zunehmen und damit attraktive Anlagechancen für chinesische Marktteilnehmer eröffnen wird“, schreibt Paul Chan, Investment Director bei Invesco Asia Pacific, in der aktuellen Ausgabe der Invesco-Publikation Dragon Code.

Schrittweise Liberalisierung der Währung

Da der RMB noch nicht frei konvertierbar ist, ist die Währung jenseits der chinesischen Grenzen auch nur begrenzt im Umlauf. Der Wechselkurs ist an den US-Dollar gekoppelt. Dadurch ist die Binnenwirtschaft anfällig für Veränderungen der US-amerikanischen Geldpolitik. Im Zuge der zunehmenden Integration in die Weltwirtschaft hat China in den letzten zehn Jahren mit der schrittweisen Liberalisierung der eigenen Währung begonnen. „Eine grössere Akzeptanz des RMB auf den internationalen Märkten und eine flexiblere Steuerung der Währung brächten viele Vorteile für China mit sich“, sagt Chan. „Für die Unternehmen in Festlandchina würde sich dies in geringeren Wechselkursrisiken niederschlagen, während die geldpolitischen Entscheider das Management der chinesischen Devisenreserven besser mit inländischen geldpolitischen Zielen abstimmen und den politischen Aufwertungsdruck reduzieren könnten.“

Bereits einiges erreicht
Obwohl die Internationalisierung des RMB erst am Anfang steht, ist bereits einiges erreicht. Die chinesische Regierung hat auf einen schrittweisen, geordneten Ansatz der Internationalisierung gesetzt, der sich zunächst auf die Abwicklung von Handelsgeschäften in Renminbi beschränkte und zuletzt auch auf den Einsatz des RMB als Anlagewährung ausgeweitet worden ist. Heute umfasst der Markt für Offshore-Renminbi-Instrumente bereits Offshore-Renminbi-Anleihen, Einlagenzertifikate und Versicherungen. Zudem hat die Regierung neue politische Massnahmen zur Förderung ausländischer Investitionen in Onshore-RMB-Anlagen umgesetzt. Dazu gehören kürzere Genehmigungsprozesse genauso wie die erhöhte Quote für die Zulassung als Qualified Foreign Institutional Investors (QFII), die es ausländischen Investoren ermöglicht, an den chinesischen Aktienmärkten zu investieren. Die Infrastruktur für den Handel mit RMB-denominierten, in Hongkong notierten Aktien stand bereits 2011. Aufgrund des schwachen Marktumfelds wurden die ersten Emissionen jedoch verschoben.

„Die vollständige Internationalisierung lässt sich nicht über Nacht erreichen. Aber schon jetzt sind zahllose kleine Schritte unternommen worden, und wir rechnen nicht nur mit einer Ausweitung der bestehenden Aktivitäten, sondern mit einer Pipeline von Produktinnovationen, die Offshore-RMB-Kredite genauso umfasst wie auf RMB lautende Exchange-Traded Funds und RMB-Rohstoffterminkontrakte“, so Chan. „Künftig wird die stärkere Nutzung des RMB für Handels- und Anlagezwecke China und den Rest der Welt deutlich stärker verknüpfen. Dadurch sollten sich mit der Zeit viele neue Anlagechancen eröffnen.“

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