Fünf Jahre nach Paris: CO2-lastige Investitionen dominieren

Trotz des Pariser Klimaabkommens fliesst noch immer die Mehrheit der Investitionen in Unternehmen mit moderaten oder hohen Klimarisiken. (Bild: Shutterstock.com)
Trotz des Pariser Klimaabkommens fliesst noch immer die Mehrheit der Investitionen in Unternehmen mit moderaten oder hohen Klimarisiken. (Bild: Shutterstock.com)

Fünf Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen stehlen CO2-lastige Sachanlageinvestitionen den nachhaltigen Investitionen immer noch die Schau. Mit dem aktuellen "Chart of the week" zieht die DWS Bilanz.

12.12.2020, 07:00 Uhr

Redaktion: maw

"Anlässlich des fünften Jahrestags der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens und angesichts der publikumswirksamen Verpflichtung zu Klimazielen von immer mehr Staaten und Unternehmen, bietet es sich an, Plan und Realität zu vergleichen", meinen die Experten der DWS. Ende 2015 stellte der Climate Action Tracker fest, dass die bestehende Politik die Welt bis 2100 um 3,6°C wärmer machen würde als sie in vorindustriellen Zeiten war. Viele Länder verpflichteten sich zwar, ihre politischen Initiativen zu intensivieren, aber CarbonBrief schätzte, dass dies zu einer Erwärmung um 2,7°C führen würde, ein immer noch wenig wünschenswertes Szenario.

Zum Jahresende 2020 kommt jedoch neuer Schwung ins Thema. So habe sich China zur Klimaneutralität bis 2060 verpflichtet, während der designierte US-Präsident Biden zugesagt habe, dem Pariser Abkommen wieder beizutreten. Darüber hinaus erwägen 127 Länder, auf die 63% der Emissionen entfallen, CO2-Neutralität anzustreben oder haben sogar bereits entsprechende Gesetze verabschiedet. Zu diesen Ländern zählen die Staaten der Europäischen Union (EU), Südafrika, Japan, Südkorea und Kanada. Optimisten rechnen nunmehr mit einer Erwärmung um 2,1°C, womit das Pariser Ziel von "unter 1,5°C" zumindest in Reichweite käme. Ein gutes Omen für den Klimagipfel 2021 in Grossbritannien, kommentiert DWS.

Anhand von Investitionen lasse sich ansatzweise messen, ob den Klimaverpflichtungen entsprechende Taten folgen. Die "Climate Policy Initiative" schätzt, dass 579 Mrd. USD an Klimafinanzierung von Entwicklungsbanken, Finanzinstitutionen, Regierungen und Haushalten aufgebracht wurden, wobei Unternehmen 183 Mrd. USD investierten.

Im Vergleich dazu betrachtet das aktuelle "Chart of the week" die gesamten Investitionen der rund 900 grössten Unternehmen weltweit. Die Analyse der DWS ergab, dass von der gesamten Investitionssumme von zwei Bio. USD rund 650 Mrd. USD auf die 150 Unternehmen mit den höchsten Klimarisiken entfielen. Diese Investitionen haben eine wirtschaftliche Lebensdauer von etwa 22 Jahren. Das gefährde nicht nur das Klima, sondern berge aus Investorensicht die Gefahr, dass die unausweichliche Verschärfung der Politik zu einem erhöhten Abschreibungsbedarf bei diesen Investitionen führe.

Reale Investitionen der 900 grössten Unternehmen vs. Bedarf an nachhaltigen Investitionen

Quellen: DWS Investment UK Ltd Analyse basierend auf GFMA/BCG; Stand: Dezember 2020; Konsumentenpreise, Stand: November 2019
Quellen: DWS Investment UK Ltd Analyse basierend auf GFMA/BCG; Stand: Dezember 2020; Konsumentenpreise, Stand: November 2019

Der durch die Pandemie verursachte Einbruch der Ölnachfrage hat die börsennotierten Ölgesellschaften dazu veranlasst, Projekte mit einem Investitionsvolumen von über 54 Mrd. USD zu streichen – und einige europäische Energieunternehmen haben sich zu CO2-Neutralität verpflichtet. Im Rahmen von Climate Action 100+ erhöhen 545 Investoren (einschliesslich der DWS) mit einem verwalteten Vermögen von 52 Bio. USD ihr Engagement bei grossen Unternehmen. Ab 2021 werden etwa 160 Unternehmen auf der Grundlage ihrer Emissionsreduktionen, Investitionen, Unternehmensführung, Offenlegung und Lobbyarbeit öffentlich bewertet. "Dies ist eine Möglichkeit für die Investoren, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, die Grossunternehmen dazu zu bewegen, einen grösstmöglichen Anteil ihrer Investitionen auf jene 4 Bio. USD pro Jahr umzulenken, die für eine erneuerbare und ressourceneffiziente Gesellschaft benötigt werden", meint die DWS abschliessend.

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