Emerging Markets als letzter Anker

Jeremy Grantham, Gründer und Chefstratege bei GMO
Jeremy Grantham, Gründer und Chefstratege bei GMO

„Die goldenen Wachstumsjahre in den Industriestaaten sind vorbei“, stellte Jeremy Grantham, Gründer und Chefstratege von GMO, an der Investoren-Konferenz in Zürich fest. Die Arbeitsproduktivität nimmt nur noch schwach zu, die Bevölkerung und die Anzahl Arbeitsstunden nehmen ab, gleichzeitig werden die Rohstoffe knapp und deren Kosten steigen ungebremst.

19.03.2013, 14:00 Uhr

Redaktion: fab

„Anstatt der gewohnten 2,4 % Wirtschaftswachstum der letzten dreissig Jahre in den USA müssen wir uns in den nächsten Jahrzehnten auf durchschnittliche Wachstumsraten von unter einem Prozent einstellen.“ Daraus zu schliessen, dass an den Aktienmärkten keine Renditen mehr erzielt werden können, ist gemäss Grantham falsch, da zwischen Wirtschaftswachstum und Aktienmärkten kein direkter Zusammenhang besteht. Im Gegenteil: Hohes Wirtschaftswachstum ging in der Vergangenheit sogar mit tieferer Performance an den Aktienmärkten einher.

Gemäss dem Modell von GMO, wonach die Renditen der Anlagekategorien sich in sieben Jahren jeweils dem langjährigen Mittelwert annähern sollten, sehen die meisten Kategorien gegenwärtig überbewertet aus. Insbesondere US-Aktien sind gemessen am S&P 500 rund 50 % überwertet. Auch mit Obligationen, deren Preise durch die expansive Notenbankpolitik künstlich aufgebläht wurden, sind in den nächsten Jahren fast nur Verluste zu erwarten.

Renditen versprechen noch Anlagen, die vom Wachstum in den Emerging Markets profitieren. Aktien in Schwellenländern sollten eine jährliche Rendite von 5,7 % abwerfen und mit Obligationen in Emerging Markets können immerhin noch 1,7 % erwartet werden. Arjun Divecha, VR-Präsident von GMO, sieht die grössten Chancen in der anhaltenden Transformation der Länder zu Konsumgesellschaften und setzt vor allem auf etablierte Brands: „Die Bewertung von multinationalen Konsumgüter-Unternehmen wie Unilever, Heineken oder Colgate-Palmolive, die über 50 % in ihrer Umsätze in Schwellenländern verdienen, ist tief.“ Ihr Potenzial wird unterschätzt. Zum Beispiel setzen 45 % der chinesischen Konsumenten bekannte Marken mit höherer Qualität gleich.

Allerdings sollten die Gefahren in den Emerging Markets nicht unterschätzt werden, wie Edward Chancellor anhand der Analyse des chinesischen Kreditsektors aufzeigte: „Die Staatsverschuldung hat sich zwischen 2007 und 2011 auf 90 % des BIP verdreifacht. Offiziell werden aber weniger als 30 % ausgewiesen.“ Zudem entsteht aufgrund der staatlichen Kontrolle des Kreditmarktes ein Schattenbankensystem und die Immobilienblase baut sich weiter auf.

An der diesjährigen GMO Investoren-Konferenz nahmen rund 80 Vertreter von Pensionskassen, Versicherungen und Family Offices teil. Die Asset-Allocation-Strategien von GMO basieren auf den Einschätzungen der Entwicklungen an den internationalen Aktien- und Obligationenmärkten sowie im Bereich der alternativen Anlagen für die nächsten sieben Jahre.

Die vollständige Mitteilung finden Sie hier.

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