EM-Bonds in Hartwährungen zeigen Stärke

Hannes Boller, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management.
Hannes Boller, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management.

Ein Grund für die Stärke der Emerging Market Bonds in Hartwährungen im ersten Halbjahr war deren tiefere Zinssensitivität, erklärt Hannes Boller, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management.

21.07.2015, 12:17 Uhr

Redaktion: dab

Im laufenden Jahr zeigten sich innerhalb der Hartwährungs-Anleihen mit Investment Grade-Qualität (IG) die Papiere aus Schwellenländern am robustesten. "Mit bis dato plus 2,5 Prozent Rendite gelang Unternehmensanleihen aus Emerging Markets eine deutliche Outperformance gegenüber den Pendants aus Europa und den USA oder Emerging Market-Bonds in Lokalwährungen. Während amerikanische Anleihen 0,3 Prozent Kursverluste verbuchten, liegen europäische mit 1,1 Prozent im Minus. Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern mussten sogar einen Rückschlag von 5,1 Prozent hinnehmen. Sie befinden sich damit im dritten Jahr nacheinander unter erheblichem Druck. Diese Ergebnisse unterstreichen, dass IG-Unternehmensanleihen der Emerging Markets in Hartwährungen dazu geeignet sind, ein Anleihenportfolio sinnvoll zu diversifizieren und eine nicht zu unterschätzende Stabilität zu verleihen", sagt Hannes Boller, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management.

Mehr Risikopuffer bei Zinsanstieg
Ein Grund für die Stärke der Emerging Market Bonds in Hartwährungen im ersten Halbjahr war deren tiefere Zinssensitivität. Denn mit einer durchschnittlichen 5-jährigen Zinsduration liegt sie um zwei Jahre niedriger als bei amerikanischen Papieren. "Dazu kommt eine höhere Risikoprämie bei den Schwellenländer-Anleihen, die aktuell 230 Basispunkte beträgt. Im Vergleich dazu notieren die Risikoprämien bei europäischen IG-Anleihen bei lediglich 120 Basispunkten. Dieser Unterschied führt dazu, dass der Risikopuffer bei einem Zinsanstieg deutlich höher ist. Beim Zinsanstieg im Mai und Juni zeigte sich, dass Emerging Market Bonds in Hartwährungen diese Entwicklung dank dem Prämien-Puffer besser abfedern konnten als europäische Papiere. Diese negative Korrelation zwischen Zinsen und Risikoprämien ist eine wertvolle Eigenschaft von Anleihen aus Emerging Markets. Insbesondere auch bei der zu erwartenden US-Zinserhöhung in Richtung Herbst", so Boller.

Viele Erstemittenten mit extra Zinsprämie
Ein rascher und starker Anstieg der US-Zinsen würde den Anleihenmärkten wahrscheinlich Probleme bereiten. Auf einen erwarteten, moderaten Anstieg hingegen sind die Märkte besser vorbereitet - im Gegensatz zum Mai 2013, als ein unerwarteter und starker Zinsanstieg zu einem zwischenzeitlichen Anleihen-Ausverkauf führte. Ein Risikofaktor für die globale Wirtschaft und damit auch für Schwellenländer-Bonds wäre ein stärker als erwarteter Rückgang des Wirtschaftswachstums in China. Allerdings sind im Reich der Mitte schon seit geraumer Zeit Massnahmen zur Stabilisierung der Lage eingeleitet worden, darunter Zinssenkungen sowie Erleichterungen in den Reservensätzen für inländische Banken. "Das zeigt bereits Wirkung: Das Wirtschaftswachstum beträgt nach wie vor hohe sieben Prozent und liegt über den Erwartungen von Analysten. Positiv für die Anlageklasse ist auch die expansive Geldpolitik zahlreicher Schwellenländer-Zentralbanken. Dazu kommt ein stetiges Volumen-Wachstum, das die Markttiefe verbessert und Diversifikationsvorteile bringt. Das Wachstum wird auch von Erstemittenten getrieben, welche bei Anleihenplatzierungen häufig eine attraktive Zusatzprämie offerieren. Das generell höhere Zinsniveau in den USA sowie die durchschnittliche Risikoprämie verleiht der Anlageklasse aktuell eine attraktive Ablaufrendite von 4,3 Prozent - in Zeiten rekordtiefer Zinsen eine gute Investitionsopportunität", meint Fisch-Anleihenexperte Boller.

Alle Artikel anzeigen