Drei Schwellenländer mit Zukunft: Südkorea, Mexiko und Malaysia

Maarten-Jan Bakkum, Global Emerging Markets-Aktienstratege bei ING IM, Den Haag
Maarten-Jan Bakkum, Global Emerging Markets-Aktienstratege bei ING IM, Den Haag

Das globale Umfeld für Schwellenländeraktien bleibt aufgrund der Abschwächung in China, der Schuldenkrise in der Eurozone und der überraschend schwachen US-Daten schwierig. Gleichzeitig nimmt auch das Risiko an einigen Emerging Markets, wie Brasilien und Indien, zu. Aber natürlich gibt es auch Länder in der aufstrebenden Welt, wo es nach wie vor aufwärts geht und die Aussichten vielversprechender sind.

22.05.2012, 11:57 Uhr

Redaktion: luk

Marktkommentar von Maarten-Jan Bakkum, Global Emerging Markets-Aktienstratege bei ING IM, Den Haag

Südkorea: Aufrücken in den „Developed Market“-Status?
Angesichts der weltweit rückläufigen Nachfrage und der Bedeutung des koreanischen Exportsektors für Konjunktur und Aktienmarkt ist es recht erstaunlich, dass koreanische Aktien Titel von den Global Emerging Markets („GEM“) übertreffen konnten. Das liegt vor allem an den relativ geringen makroökonomischen Ungleichgewichten in Korea und der Stärke vieler koreanischer Unternehmen im Vergleich zu ihren ausländischen Wettbewerbern. Von allen Märkten im EM-Universum ist Korea der reifste. Das bedeutet, dass die Volatilität hier geringer ist als an den übrigen Emerging Markets und Anleger sich auf die Einzeltitelwahl konzentrieren können, ohne sich übermässig um Top-Down-Fragen sorgen zu müssen. Korea ist bereits seit mehreren Jahren ein Kandidat für ein Aufrücken in den „Developed Market“-Status des MSCI. Die Chancen stehen gut, dass diese Entscheidung bereits im Juni fällt. Das könnte sich erheblich auf die Markt-Performance auswirken: Korea würde sich vom zweitgrössten EM-Aktienmarkt in einen kleinen entwickelten Aktienmarkt verwandeln, also einen Markt, den globale Investoren ungestraft ignorieren können. Frühere Beispiele von Märkten, die in das „Developed Market“-Segment aufrückten, wie Griechenland und Israel, lassen keine eindeutigen Schlüsse über den Performance-Verlauf zu. Wir meinen, dass man sich vorerst auf die Large Caps konzentrieren sollte, also Unternehmen, die in ihrem Sektor weltweit führend sind und nicht zu sehr von der Nachfrageentwicklung in China abhängen.

Mexiko: überraschend positiv
Die gute Performance des mexikanischen Marktes in den letzten Quartalen ist durch fünf Faktoren bedingt: Erstens die Dominanz defensiver Sektoren im Index, wie Telekommunikation und Konsummassengüter. Zweitens das geschickte Makromanagement der Wirtschaft und die vergleichsweise geringen volkswirtschaftlichen Ungleich-gewichte. Drittens das unerwartet starke Wachstum von Investments und Konsum. Viertens die positiven Kapitalströme infolge der Abwendung ausländischer Investoren vom enttäuschenden brasilianischen Markt. Und fünftens die relative Stärke der US-Wirtschaft, des wichtigsten Handelspartners Mexikos. Die im Juli anstehenden Präsidentschaftswahlen in Mexiko haben sich bislang nicht negativ auf den Markt ausgewirkt. In letzter Zeit gehen sogar von der Politik positive Impulse aus: Nach Meinung einiger Analysten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass während der nächsten Amtsperiode die dringend benötigten Strukturreformen in Angriff genommen werden. Sinnvolle Reformen im Energiesektor und am Arbeitsmarkt würden Volkswirtschaft und Kapitalmärkte des Landes grundlegend verändern; für Vorfreude ist es aber wohl noch zu früh.

Nach unserer Einschätzung ist Vorsicht gegenüber dem mexikanischen Markt vor allem wegen der hohen Volatilität des Peso und der in jüngster Zeit negativen Dynamik des US-amerikanischen Economic Surprise Index (siehe Grafik) angebracht. Der Peso reagiert ausgesprochen sensibel auf Veränderungen beim globalen Risikoappetit, da die mexikanischen Währungshüter – im Gegensatz zu den geldpolitischen Instanzen in anderen Schwellenländern – der Währung sehr viel mehr freien Lauf lassen.

Malaysia: defensiv mit Wachstumsbonus
Kein anderer Markt im GEM-Universum ist in seiner defensiven Ausrichtung so zuverlässig wie Malaysia. Malaysia ist der am wenigsten volatile EM-Markt: Während der letzten fünf grossen Korrekturen innerhalb der Asset-Klasse, die mit Rückgängen von mindestens 15 Prozent verbunden waren, schnitt Malaysia im Durchschnitt am besten am. Begrenzter Streubesitz, starke Dominanz nationaler Rentenfonds und ein strukturell geringer Anteil ausländischer Investoren sichern auch in schwierigen Zeiten die Outperformance des malaysischen Marktes. Das ist der Hauptgrund für unsere derzeitige Vorliebe für diesen Markt. Ausserdem entwickelt sich die Binnennachfrage ausgesprochen positiv. In der ersten Jahreshälfte 2013 werden wahrscheinlich Parlamentswahlen stattfinden. Die Regierung bemüht sich nach Kräften, die 2008 eingebüsste Zweidrittel-Mehrheit wiederzugewinnen. Umfangreiche öffentliche Investitionsprojekte und eine lockere Fiskalpolitik begünstigen die Nachfrageentwicklung im Land, während die Binnennachfrage in anderen Ländern Asiens zusehends langsamer wächst.

Fazit
Die anhaltende Eurokrise und die enttäuschende Wachstumsentwicklung in China sind die Hauptgründe für unsere vorsichtige Einschätzung von Schwellenländeraktien. Innerhalb des EM-Universums setzen wir auf Märkte mit defensiven Merkmalen (Malaysia), robuste Inlandsnachfrage (Indonesien) und vergleichsweise geringe Abhängigkeit von chinesischer Importnachfrage (Indien). Im Gegensatz dazu halten wir uns von Märkten fern, die im gegenwärtig labilen Konjunkturumfeld ein hohes Währungsrisiko aufweisen, sei es aufgrund eines hohen Aussenfinanzierungsbedarfs (Südafrika) oder einer überbewerteten Währung in Kombination mit einer unzuträglichen Wirtschaftspolitik (Brasilien).

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