Die Eurozone befindet sich in einer Rezession

Mikio Kumada, Global Strategist von LGT Capital Management
Mikio Kumada, Global Strategist von LGT Capital Management

Die diversen Entscheidungen der europäischen Politik im Umgang mit der Schuldenkrise der Euro-Peripherie werden in den Finanzmedien und vielen Analysen regelmässig heftig kritisiert. Wer aber auf die Marktentwicklungen fokussiert wird feststellen, dass die Aktienmärkte des Euroraums seit geraumer Zeit durchaus gut laufen und damit eine bessere Zukunft vorwegnehmen, als jene, die der Konsens derzeit suggeriert.

08.05.2013, 08:30 Uhr

Redaktion: dab

Düstere Szenarien über den Euroraum haben Hochkonjunktur
An düsteren Szenarien, die sich in Europa als Folge der so genannten "Eurokrise" ausbreiten könnten, mangelt es nicht. Die langwierige und komplizierte Regierungsbildung nach den jüngsten italienischen Wahlen im Februar, die Schlagzeilen rund um die Rettung Zyperns im März, die Möglichkeit, dass Slowenien als nächstes Land bei den Euro-Rettungsinstitutionen um Hilfe ansuchen könnte, und diverse andere Problemthemen werden in den Medien und einschlägigen Studien der Finanzbranche ausgiebig analysiert. Die Urteile sind selten positiv. Wer sich von diesem – gelinde gesagt – skeptischen Konsens nicht abschrecken lässt und stattdessen auf Marktentwicklungen fokussiert, wird aber ein anderes Europa entdecken: Nämlich einen grossen Wirtschafsraum, der sich seit etwa eineinhalb Jahren allmählich stabilisiert.

Die Finanzmärkte zeigen sich optimistisch
Das kollektive Urteil der internationalen Anleger über die Zukunft der Währungsunion scheint bei Weitem nicht so negativ zu sein, wie viele Analysen vermuten lassen. Die Märkte suggerieren eine europäische Erholung. Gegenüber anderen entwickelten Märkten wie USA oder Grossbritannien ist der Abwärtstrend des MSCI Net Return Aktienindex für den Euroraum noch nicht überzeugend beendet und seit Herbst letzten Jahres laufen auch Aktien in Japan besser als in der Eurozone. Gegenüber den Emerging Markets und Asien-Pazifik ohne Japan hat der Abwärtstrend der Euro-Aktien jedoch im Herbst 2011 sein Ende gefunden. Nach einer längeren Bodenbildungsphase ist seit Mitte 2012 sogar ein zaghafter Aufwärtstrend gegenüber den Emerging Markets ersichtlich. Da wir bei dieser Analyse zwölfwöchige Durchschnittskurse betrachten, können wir bei diesen Entwicklungen inzwischen von gut etablierten kurz- bin mittelfristigen Trends sprechen.

Eine allgemeine Wende zugunsten von Euroraum-Aktien ist möglich
Im Sinne eines mittelfristig nachhaltigen Trends hat allerdings noch keine eindeutige globale Wende zugunsten der Eurozone stattgefunden, primär weil sich die USA und Japan derzeit in einer vorteilhafteren Phase befinden. In den USA herrscht weiterhin ein geldpolitisch ausgesprochen grosszügiges Regime vor, während sich in der Energieproduktion, im Immobilienmarkt und beim privaten Entschuldungsprozess gewisse – und zum Teil auch aus struktureller Sicht – positive Entwicklungen abzeichnen. In Japan hat eine neue Regierung erst kürzlich ein historisch beispielloses Stimulierungsprogramm lanciert, dem auch strukturelle Reformen folgen könnten. Diese Entwicklungen lassen Euro-Aktien derzeit weniger attraktiv aussehen. Gleichzeitig sollte die Stabilisierung des Euroraums gegenüber den Schwellenländern und einigen asiatischen Märkten nicht ignoriert werden. Diese suggeriert die Möglichkeit des Beginns eines breiten Aufwärtstrends des Euroraums in naher Zukunft.

Starke Euroaktien würden in das existierende globale Muster passen
Die Entwicklungen der letzten Jahre bieten hierbei interessante Präzedenzfälle. Britische Aktien hatten schon 2009 begonnen, zuerst die Emerging Markets und bald darauf den Weltaktienindex zu schlagen, wenn auch nur leicht. 2010 folgten die USA, 2011 die Schweiz, Schweden, Dänemark und im Herbst 2012 auch Japan. Eine im internationalen Vergleich deutlichere Stärkephase bei Euro-Aktien würde insofern das bereits existierende globale Muster nur "abrunden" und "bestätigen". Damit es so weit kommt, bedarf es wohl noch eines allgemein "sichtbaren" Impulses. Ohne ein solches grösseres Ereignis würden die meisten Marktkommentatoren dieser schleichenden und zaghaften Entwicklung wahrscheinlich keine grössere Aufmerksamkeit zollen. Ein dominanter Marktkonsens ändert sich nur langsam. Die aktuelle Situation verweist jedoch darauf, dass die Finanzmärkte des Euroraums inzwischen reif für einen solchen Impuls sind.

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