Der September endet für Risikoanlagen und aktive Fonds im Minus

Anthony Lawler, Portfoliomanager und Mitglied des Investment-Komitees von GAM Alternative Investments Solutions.
Anthony Lawler, Portfoliomanager und Mitglied des Investment-Komitees von GAM Alternative Investments Solutions.

Anthony Lawler, Portfoliomanager bei GAM Alternative Investments Solutions, erklärt warum das dritte Quartal 2015 eher schwierig war.

12.10.2015, 14:07 Uhr

Die Sorgen um die Weltwirtschaft nahmen im September zu. Die US-Notenbank verfolgte einen sehr zurückhaltenden Kurs und mehrere Ereignisse – etwa bei VW und Glencore – trugen das ihre zu Ungewissheit und negativen Renditen an den Finanzmärkten bei. Durch den schwierigen September war das dritte Quartal für viele risikoträchtige Anlageformen in puncto Wertentwicklung das schlechteste Quartal seit 2011. Die internationalen Aktienmärkte (gemessen am MSCI World Index) fielen um 3,6%, während der US Dollar Index und der Barclays US Aggregate Bond Index um 0,6% beziehungsweise 0,7% zulegten.

Die simultane Verkaufswelle bei Risikoanlagen stellte aktive Fonds vor erhebliche Probleme. Hedge Funds lieferten auf breiter Front negative Ergebnisse, und der HFRX Global Hedge Fund Index fiel im Monatsverlauf um 2,1%. Die vier HFRX-Indizes für die wichtigsten Hedge-Fund-Strategien beendeten den Berichtsmonat ausnahmslos im Minus. Das grosse Problem lag für aktive Fonds darin, dass die Performance-Streuung zwischen einzelnen Wertpapieren sehr gering war, da die Märkte alle gleichzeitig fielen, sagt Anthony Lawler, Fondsmanager bei GAM. „Die Trading-Fonds starteten mit reduziertem Marktengagement in den September, erlitten durch den korrelierten Ausverkauf aber trotzdem Verluste, da die Märkte ihre gezielte Auswahl nach fundamentalen Kriterien nicht honorierten. Die Ängste vor einer globalen Rezession wuchsen, und die Folge war, dass Risikoanlagen weltweit nahezu im Gleichtakt fielen. In einer solchen Umgebung den Markt zu schlagen ist für Anleger sehr schwierig.“

"Der September wae ein sehr unerfreulicher Monat"
Viele Trading-Fonds gehen weiter von einer nachhaltigen Erholung mit positiven Wachstumsraten aus, mag sich die Konjunktur auch noch so gedämpft entwickeln, führt Lawler weiter aus. „Der September war für Anleger mit Long-Positionen in Risikoanlagen wie Aktien ein sehr unerfreulicher Monat. Dennoch blieben die Trading-Fondsmanager bei ihren Einschätzungen und verringerten sogar bis zum Monatsende die Short-Positionen. So wiesen Hedge Funds Ende September ein höheres Netto-Engagement in Aktien auf als zu Beginn des Monats. Das zeigt, dass die Trading-Fonds ungeachtet der schwächeren Weltwirtschaft nicht mit einer globalen Rezession rechnen. Equity Hedge Funds suchen weiter nach einzelnen Titeln, die aus ihrer Sicht überverkauft sind und von einer allmählichen Konjunkturerholung profitieren würden.“

Ein Lichtblick waren im September die Systematic-Trend-Follower, so Lawler. „Diese Fonds halten insgesamt Long-Positionen in Anleihen und Short-Positionen im Energiesektor und sogar in einigen Aktien. Diese Kombination verhalf ihnen im Berichtsmonat zu positiven Ergebnissen. Der September hat erneut gezeigt, warum es lohnend ist, Positionen wie diese in einem Portfolio in Betracht zu ziehen. Die Strategie kann in einem von Risikoscheu gekennzeichneten Umfeld, in dem die meisten anderen Strategien und Allokationen unter Druck geraten, gute Ergebnisse erzielen.“

Verringerte Allokationsgrössen
Alle Trading-Strategien haben ihre positiven Einschätzungen im Grossen und Ganzen beibehalten, allerdings bei verringerten Allokationsgrössen, resümiert Lawler. „Das Bruttoengagement in Aktien ist leicht gesunken, wobei die Fonds ihr Nettoengagement in Europa und anderen Regionen jedoch erhöht haben – sie gehen von weiterhin positiven Wachstumsraten aus, zudem geben das Konsumklima und die Beschäftigungsentwicklung Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Die Allokation in Global Macro-Fonds ist aufgrund der Unsicherheit an den Börsen kleiner. Gehalten werden aber weiterhin Long-Positionen im US-Dollar gegenüber den Währungen bestimmter Schwellenländer und dem Euro, hinzu kommen Relative-Value-Trades im Anleihebereich (Hintergrund ist die Erholung der Weltwirtschaft, die allerdings eine stärkere Streuung der Wachstumsraten in den einzelnen Ländern erwarten lässt). Bei Unternehmensanleihen ist die Marktliquidität stark gesunken, wie ja schon vor einigen Monaten diskutiert. Auch hierdurch eröffnen sich jedoch für geduldige Anleger Möglichkeiten zum Ausbau ihres Engagements auf attraktivem Niveau. Die Renditen sind stark gestiegen, obwohl ausser im Energie- und Rohstoffsektor mit weiterhin sehr niedrigen Ausfallquoten gerechnet wird. Das vierte Quartal beginnt also mit einigen günstigen Einstiegspunkten, sofern die Welt die aktuellen Ungewissheiten irgendwie übersteht und das Wachstum kein negatives Vorzeichen bekommt.“

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