Der Investor ist ein scheues Reh

Christian R. Weber ist Partner bei Communicators
Christian R. Weber ist Partner bei Communicators

Unter dem Motto "neue Realitäten" versucht die Fondsbranche mit neuen und alten Rezepten an der FONDS'14 Investoren von den Vorteilen von Fonds und ETFs zu überzeugen - und sich selbst neu zu erfinden.

03.02.2014, 09:20 Uhr

Redaktion: cw

Normalerweise heisst es, Alpha sei das scheue Reh. Immerhin hat sich weit mehr als 90 Prozent der Fondsbranche darauf eingerichtet, mit aktivem Management den Investoren einen Mehrwert zu bieten. Mit mehr oder minder Erfolg. Gerade gegenüber Letzteren, den Underperformern, hat die ETF-Branche ihre Chance gewittert und statt Outperformance schlicht Marktperformance zum Ziel ausgerufen, dies dann zu merklich tieferen Kosten. Zumindest die Presse reagierte begeistert. Dem Investor hingegen war es 2013 einerlei: Er zog Mittel aus dem Schweizer ETF-Markt in Milliardenhöhe ab (vor allem Gold liess Federn) und auch die Fondsanbieter registrierten gesamthaft einen Mittelabfluss.

Für einmal erweist sich also nicht nur das Alpha, sondern auch der Investor als scheues Reh. Was hat ihn denn verschreckt? Schliesslich liefen die Aktienmärkte 2013 so gut wie noch selten und der SPI, um nur ein Beispiel zu nennen, brillierte zweistellig. Trotz Boom flossen 2013 netto sogar Mittel aus den Aktienmärkten ab. Zwar nahmen die Fondsvermögen aufgrund der besseren Marktsituation in den vergangenen fünf Jahren stetig zu, aber neues Geld hielt der (und die) Investor(in) auf der hohen Kante.

2014 stehen die Zeichen im Nachkrisen-Europa wieder zaghaft auf Wachstum. Ob der Nullzinspolitik der Notenbanken steht der Investor aber noch immer paralysiert im Abseits: Obligationen bieten minime Zinsen und maximale Verlustrisiken, bei Aktien ist die beste Gelegenheit für den Einstieg längst vorbei, und bei Immobilien in der Schweiz nach bald 15 Jahren Hausse? Na ja. Das sind also die neuen Realitäten.

Aber genug gezaudert, was bietet die Fondswelt an Lösungen an? An der FONDS'14 verspricht das Round Table zu den "Wegen aus der Verschuldungskrise" mit Thomas Jordan, Axel Weber und Lucas Papademos ein Highlight zu werden. Ansonsten herausgegriffen: "New Realities require Innovations." Genau, leider muss sich die Fondsbranche stattdessen immer mehr mit "Regulations" herumschlagen. Bis man die Finma-Anforderungen erfüllt hat, sind die "Innovations" dann Ladenhüter der vorletzten Generation. Da bleibt der Blick auf die Struki-Branche neidisch. Aber auch die ETF-Industrie ist erfinderisch und begnügt sich nicht mehr mit der Beta-Replikation: Smart Beta heisst das Zauberwort. Und auch nicht zu verpassen: "Anlageblasen erkennen - ein Mythos?" Die Antwort ist natürlich NEIN, ab zwei Standardabweichungen über dem historischen Mittelwert ist es eine Blase, das predigt Anlageguru Jeremy Grantham von GMO schon seit Jahren. Aber bis zum Platzen kann es nochmals weit, weit, weit höher gehen.

Und jetzt zurück zu den Lösungen: In den Beiträgen des fondstrends-Newsletters zur FONDS'14 fällt auf: Neben einer breiten Palette von Themen von Aktien, Obligationen, Wandelanleihen, Smart Beta, Währungsabsicherung oder neuen Chancen in Europa bis zu Regulierung steht Absolute Return wieder recht prominent auf der Agenda. Ob mit einem Multi Asset Ansatz, als reine Bondvariante oder über eine Long/Short Konstruktion soll eine positive Rendite erwirtschaftet werden.

Sehen Sie auch den Return von Absolut Return? Dann beteiligen Sie sich an unserer aktuelle fondstrends-Umfrage "Welcher Benchmark-Typ sind Sie?" in der rechten Spalte. Hier noch die Auflösung der Januar-Umfrage: Drei Viertel der Befragten fanden, dass man heute noch Schweizer Aktien kaufen soll, fast ein Drittel setzen dabei auf Small Caps.

Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre und eine erfolgreiche FONDS'14.

Christian R. Weber

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