Corona-Krise: Von der Liquiditätsphase in die Solvenzphase

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ihren Wirtschaftsbericht 2020 veröffentlicht.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ihren Wirtschaftsbericht 2020 veröffentlicht.

Die Funktion der Zentralbanken als Kreditgeber der letzten Instanz hat sich laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in der Corona-Krise gewandelt. Da die Krise nun von der Liquiditäts- in die Solvenzphase übergehe, müssten jetzt die Regierungen die Federführung übernehmen, um eine starke und nachhaltige Erholung zu fördern.

30.06.2020, 16:40 Uhr

Redaktion: rem

"Die Zentralbanken spielten bei der beispiellosen Reaktion auf die Covid-19-Krise in der akuten Phase der Pandemie eine zentrale Rolle. Sie arbeiteten mit den Finanzbehörden zusammen, um den Schock für die Wirtschaft und das Finanzsystem zu dämpfen und Unternehmen sowie Arbeitskräfte zu unterstützen“, kommentiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem Wirtschaftsbericht 2020. In ihrem wichtigsten Bericht zur Wirtschaftsentwicklung analysiert die BIZ, wie die Zentralbanken auf den plötzlichen weltweiten Wirtschaftsstillstand infolge der Covid-19-Krise reagierten.

Wie sich die Funktion der Zentralbanken änderte

Im BIZ-Bericht wird ausgeführt, wie die Funktion der Zentralbanken als Kreditgeber der letzten Instanz mit der deutlichen Verschiebung hin zur Bereitstellung von Finanzmitteln für Nichtbanken des privaten Sektors und – in den aufstrebenden Volkswirtschaften – hin zu Interventionen an den Märkten für Vermögenswerte in Landeswährung eine weitere wichtige Änderung erfuhr. "Die Pandemie ist das prägende Ereignis einer Generation“, meint der BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens und fügt an: "Die Reaktion der Zentralbanken war schnell und energisch und verhinderte dank der Stabilisierung des Finanzsystems und der Aufrechterhaltung der Kreditvergabe, dass Unternehmen und private Haushalte durch einen Finanzkollaps noch stärker belastet werden."

Trotz aller ergriffenen Massnahmen könnte laut BIZ die Unsicherheit die Gesamtnachfrage und das Tempo der Erholung bremsen. Ein weiteres zentrales Merkmal der Reaktion der Zentralbanken als Regulierungs- und Aufsichtsinstanzen sei deren Einsatz aufsichtsrechtlicher Instrumente zur Aufrechterhaltung der Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte gewesen, indem sie vorübergehend andere Kapital- und Liquiditätsanforderungen lockerten und Banken ermutigten, Kapitalpolster frei zu nutzen.

Fokus verlagert sich von der Liquiditätsphase zur Solvenzphase

Dem Bericht zufolge wird sich im nächsten Stadium der Krise der Fokus von der Liquiditätsphase, in der sichergestellt wird, dass die Unternehmen für ihren Betrieb über genügend Mittel verfügen, zur Solvenzphase verlagern, in der die langfristige Überlebensfähigkeit vieler Unternehmen getestet wird. Die Stärke der Erholung werde von der weiteren Entwicklung der Pandemie und vom Ausmass des wirtschaftlichen Schadens von deren Nachwehen abhängig sein.

Umschuldungen werden erforderlich sein, wenn Ressourcen von schrumpfenden zu wachsenden Sektoren gelenkt werden. "Die Zentralbanken sind sich der bevorstehenden Herausforderungen völlig bewusst, sind doch die Aussichten für die Weltwirtschaft immer noch höchst ungewiss. Einige dieser Herausforderungen gehen über den Auftrag der Zentralbanken hinaus. Geldpolitik allein kann nicht der Wachstumsmotor sein. Primär gilt es sicherzustellen, dass die Fiskalpolitik dank rechtzeitiger Konsolidierung auf einem langfristig tragfähigen Pfad bleibt“, kommentiert Carstens.

Die BIZ

Die BIZ hat die Aufgabe, Zentralbanken in ihrem Streben nach Währungs- und Finanzstabilität zu unterstützen, die internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich zu fördern und den Zentralbanken als Bank zu dienen.

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