Corona-Krise: Jenseits der offiziellen US-Arbeitsmarktdaten

Die versteckte US-Arbeitslosenquote dürfte sehr hoch sein. (Bild: Shutterstock.com/Oranzy Photography)
Die versteckte US-Arbeitslosenquote dürfte sehr hoch sein. (Bild: Shutterstock.com/Oranzy Photography)

Wie hoch dürfte die versteckte US-Arbeitslosenquote inzwischen sein? Mit dem aktuellen "Chart of the Week" versuchen die Experten von DWS, die jüngsten Arbeitsmarktdaten ins rechte Licht zu rücken.

09.04.2020, 16:09 Uhr

Redaktion: maw

Vor zwei Wochen fragte DWS noch an dieser Stelle: "Wie hoch könnte die Arbeitslosigkeit durch die Coronavirus-Pandemie in den USA steigen?" Leider bleibt das sich abzeichnende Bild düster. "Die offiziellen Daten spiegeln die dramatische Situation auf dem US-Arbeitsmarkt vorerst nur teilweise wider", erklärt Christian Scherrmann, US Economist bei der DWS.

Der Märzbericht zur Lage am Arbeitsmarkt vom U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) von letzter Woche zeigt, dass viele der zugrundeliegenden Befragungen stattgefunden haben, als die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie gerade erst anliefen. Dazu kamen neue, missverständliche Richtlinien für diese Untersuchungen. Das scheint für Verwirrung unter Interviewern und Befragten gleichermassen gesorgt zu haben, wie das BLS selbst einräumt. Die Arbeitslosenquote von 3,5% im Februar dürfte jedenfalls auf deutlich mehr als die berichteten 4,4% im März angestiegen sein, sind die Experten von DWS der Meinung. Die entscheidende Frage sei jedoch, um wie viel.

Das "Chart of the Week" von DWS versucht eine erste Antwort. Dabei berücksichtigen sie sowohl mögliche Messfehler als auch andere Datenquellen. In der Woche zum 28. März hat sich etwa die Zahl der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fast verdoppelt. Insgesamt haben innerhalb dieser zwei Wochen fast 10 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren (Stand: 03.04.2020). Das, plus diverse Messfehler deuten bereits auf eine versteckte Arbeitslosenquote von gut 11% hin.

Zum Vergleich: In der letzten Krise erreichte die Zahl der Arbeitslosen in den USA im Oktober 2009 einen Höchststand von 10%. Nun hängen die offiziellen Arbeitslosenzahlen natürlich von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, einschliesslich methodischer Entscheidungen durch Regierungsstatistiker. Die interessantere Frage sei, wie es am US-Arbeitsmarkt tatsächlich weiter geht.

Grundsätzlich könnte die Erholung deutlich ausfallen, falls der Coronavirus-Schock nur von kurzer Dauer bleibt. DWS hat jedoch zwei wichtige Vorbehalte: Erstens ist der US-Arbeitsmarkt tendenziell ein nachlaufender Indikator. Und es könnte noch eine Weile dauern, bis die US-Wirtschaft wieder Fuss fasst, da sich die Pandemie weiter ausbreitet. Zweitens gehen die jüngsten Arbeitsplatzverluste weit über so offensichtliche Branchen wie Freizeit und Gastronomie hinaus. Dies deute auf strukturelle Faktoren hin, was eher für eine langsame Erholung spricht. Die Chancen, dass die offizielle US-Arbeitslosenquote rasch wieder unter 4 Prozent fällt, werden laut DWS immer geringer.

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