BNY Mellon erwartet globale Wachstumsrezession

Richard Hoey, Chefökonom von BNY Mellon
Richard Hoey, Chefökonom von BNY Mellon

Richard Hoey, Chefökonom von BNY Mellon, prognostiziert weiterhin eine globale Wachstumsrezession mit einem globalen BIP-Wachstum von 3% und erwartet, dass Europas stärkere Länder gegen Jahresende langsam aus der Rezession finden, während diese in Südeuropa im gesamten Jahresverlauf und womöglich noch bis Ende 2013 andauert. Eine globale Rezession wird für weniger wahrscheinlich gehalten.

17.07.2012, 15:32 Uhr

Redaktion: dal


„Während einige Beobachter eine starke globale Rezession befürchten, halten wir eine globale Wachstumsrezession für wahrscheinlicher, da die Energiepreise gesunken sind und in den meisten Teilen der Welt ausser Südeuropa eine lockere Geldpolitik betrieben wird“, erklärt Hoey in seinem neusten Wirtschaftsausblick.

Die schwächeren Länder der Eurozone haben wegen ihrer geschwundenen Wettbewerbsfähigkeit und ihrer Schuldenberge mit gravierenden Problemen zu kämpfen, wobei es laut Bericht zu den Hauptaufgaben gehört, eine „glaubwürdige Zahlungsfähigkeit“ zu erlangen und so die Finanzierungskosten zu senken. „Sowohl der gesamteuropäische Sozialvertrag über das Verhältnis von Beiträgen und Aufgaben als auch die Sozialverträge vieler einzelner europäischer Länder bedürfen einer Neuverhandlung“, meint Hoey.


Sozialverträge müssen neu ausgehandelt werden
Hoey erwähnt vor diesem Hintergrund ein historisches Beispiel zur Schuldentilgung und verweist auf Alexander Hamilton, der 1784 die Bank of New York gründete. Hamilton handelte 1790 bei einem Dinner mit Thomas Jefferson und James Madison, zwei einflussreichen Persönlichkeiten aus dem finanziell starken US-Bundesstaat Virginia – dem „Deutschland von damals“, wie Hoey schreibt –, einen Kompromiss zur Schuldenübernahme aus.

„Die aktuellen europäischen Vorschläge für einen Rettungsfonds zur Bewältigung der Schuldenkrise erinnern an die erfolgreichen Bemühungen Alexander Hamiltons von 1790, vor 222 Jahren“, erläutert Hoey. „So ein Rettungsfonds wird aber in absehbarer Zeit keine Lösung für die Probleme der Eurozone sein. Wenn jedoch Beiträge und Aufgaben im Sozialvertrag für die Eurozone erfolgreich neu verhandelt werden könnten, würde dies der Währungsunion finanzielle Glaubwürdigkeit verleihen.“

Den vollständigen Wirtschaftsausblick von Richard Hoey vom Juni 2012 finden Sie hier (in Englisch).

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