Ausländische Fondsanbieter gewinnen Marktanteile

Ralph Spillmann, Partner und Senior Consultant bei Communicators.
Ralph Spillmann, Partner und Senior Consultant bei Communicators.

Die Schweizer Grossbanken beherrschen zwar unangefochten den Fondsmarkt Schweiz. Doch die grossen ausländischen Brands erobern langsam aber sicher Marktanteile. Auch kleinere innovative Schweizer Asset Manager machen sich vermehrt bemerkbar, so Ralph Spillmann, Partner und Senior Consultant bei Communicators.

29.09.2014, 15:39 Uhr

Autor: Ralph Spillmann/dab

Trotz internationalen Steuerstreitigkeiten und Weissgeldpolitik bleibt der Finanzplatz Schweiz für Asset Manager attraktiv. So erhöhten sich die Wertpapierbestände in den Kundendepots der Banken während der vergangenen fünf Jahre um einen Drittel auf 5,3 Bio. Franken. Die Schweizer Fondsindustrie wuchs im Gleichschritt: Das von Swiss Fund Data (SFD) erfasste Volumen, das via Schweizer Vertriebskanäle generiert wird, nahm in dieser Periode um ebenfalls einen Drittel auf knapp 825 Mrd. Franken zu.

Mit einem Anteil von unverändert 40% blieben die Grossbanken UBS und Credit Suisse in dieser dynamischen Zeit unangefochten Marktleader. Doch um die restlichen 60% wird heftig gekämpft. So verloren die Dritt- und Viertplatzierten Pictet (von 9,5 auf 6,0%) und Swisscanto (von 8,1 auf 5,2%) gemäss den SFD-Daten an Boden. Stark zulegen konnten Blackrock (von 3,4 auf 4,7%) sowie ZKB (von 3,1 auf 4,7%).

Der Rest des Fondsmarktes ist stark fragmentiert. Auffällig ist, dass sich neben Blackrock etliche weitere ausländische Brands in der Schweiz etablieren konnten. Gemäss den SFD-Zahlen erzielten Fondsprovider wie JP Morgan, Franklin Templeton, Amundi und Pimco ein starkes Wachstum. Die zehn grössten ausländischen Brands erhöhten den Marktanteil immerhin von 9 auf 12%. Demgegenüber verloren die den beiden Grossbanken folgenden zehn grössten Schweizer Fondsanbieter von 31 auf 28% (ohne UBS und CS).

Da die ausländischen Fondsprovider hierzulande über keine eigenen Vertriebskanäle zu den Privatkunden verfügen, fokussieren sie ihre Verkaufsaktivitäten auf institutionelle Anleger. Diese stehen eh unter grösserem Anlage- und Performancedruck als die Privatanleger, die aus Angst vor Börsencrashs ihre Positionen an Wertpapieren und Fonds eher abgebaut haben und auf hohen Cashpositionen sitzen.

Die institutionellen Anleger nutzen die Chancen der Wertpapiermärkte soweit wie möglich aus und setzen dabei vermehrt auf Anlagefonds. Gemäss SFD erhöhte sich das von Institutionellen gehaltene Fondsvermögen innert fünf Jahren viel stärker als das der Privatanleger, nämlich von 170 Mrd. auf 340 Mrd. Franken per Ende August 2014. Das Plus von 170 Mrd. Franken entspricht einer Verdoppelung. Nach Abzug des Performancebeitrags von gegen 20% dürften die Nettoverkäufe rund 130 Mrd. Franken betragen haben.

Die steigende Präsenz von ausländischen Fondsanbietern führte zu einer markanten Belebung und zu einem Innovationsschub auf dem Schweizer Finanzplatz. Die Angebotspalette an Anlageprodukten und –lösungen hat markant zugenommen. Standen früher eher Standardbausteine in Fondsform auf Aktien Schweiz und Europa oder Obligationen Schweiz zur Verfügung, sind heute viel mehr Spezialitäten- und Nischenprodukte erhältlich. Dazu zählen insbesondere Alternative Anlagen, Immobilienfonds, Exchange Traded Funds sowie Smart Beta-Produkte.

Gerade Exchange Traded Funds (ETF) sind en vogue und haben sich bei den institutionellen Anlegern etabliert. Das von SFD erfasste Volumen hat sich in den letzten fünf Jahren auf fast 65 Mrd. Franken mehr als verdoppelt. Hier dominieren die ausländischen Provider. Unter den 20 grössten ETF-Anbietern befinden sich lediglich 5 Schweizer Brands mit UBS auf Rang 2 (30% Marktanteil) und ZKB auf Rang 3 (12%). Mit einem Marktanteil von 45% nimmt BlackRock die Spitzenposition ein. Abgesehen von UBS haben jedoch die ETF-Leader Mühe, weitere Marktanteile in der Schweiz zu gewinnen. Brands wie State Street, Vanguard, Source, Amundi und Pimco sind stark im Kommen.

Die wachsende Präsenz grosser ausländischer Fondsprovider befruchtet den Asset Management-Markt Schweiz nachhaltig. Sie offerieren neue Ideen und Lösungen, mit denen sich gerade die unter Druck stehenden Pensionskassen vermehrt auseinandersetzen. Dies professionalisiert die Nachfrage und erhöht die Ansprüche der Kundschaft. Davon profitieren nicht zuletzt auch innovative Schweizer Anbieter. In den vergangenen Jahren sind etliche erfolgreiche Nischenanbieter entstanden. Die meisten davon figurieren jedoch noch nicht in der Top 50-Liste von SFD. Um in diese Riege vorzustossen, müssen verwaltete Fondsvermögen von mehr als 1,6 Mrd. Franken ausgewiesen werden.

Weshalb die Fondsprovider vor allem die Institutionellen Investoren ansprechen, lesen Sie unter folgendem Link.

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