Ausblick 2019: Bei High-Yield-Anleihen herrscht gute Stimmung

Bild: Unsplash
Bild: Unsplash

Die Aussichten für den High-Yield-Sektor sind in den Augen von Ulrich Gerhard von Insight Investment im neuen Jahr gut. Dennoch sei eine sorgfältige Herangehensweise angeraten. Weiter könnten signifikantere Herabstufungen ernstzunehmende Störungen verursachen.

08.01.2019, 08:35 Uhr

Redaktion: ase

Mit der Erwartung, dass das Wachstum in den USA und Europa ausreichend positiv sein wird, um die Ertragsdynamik im Jahr 2019 zu unterstützen und somit die Ausfallraten auf niedrigem Niveau zu halten, geht Ulrich Gerhard, Senior Portfolio Manager bei Insight Investment (einer Boutique von BNY Mellon IM) in das neue Jahr. Dazu trägt seines Erachtens bei, dass viele Unternehmen den Grossteil ihrer kurzfristigen Fälligkeiten bereits in trockenen Tüchern haben. "Die Unternehmensbilanzen sehen nach der jüngsten Refinanzierungsrunde robust aus. 2019 müssen nur noch rund 5% des europäischen Hochzinsmarktes refinanziert werden, während diese Quote in den USA weniger als 5% beträgt", fügt er an.

Positive Aussichten für High-Yield-Sektor
Die EZB hat die Märkte für Unternehmensanleihen der Eurozone in den letzten Jahren erheblich unterstützt. Ein solch riesiger Käufer verdrängt viele Investoren. "Diejenigen Investment-Grade-Fonds, die in High Yield investieren konnten, haben auf der Suche nach höheren Renditen Titel mit BB-Rating gekauft", so Gerhard. Mit der Ausweitung der Credit Spreads im Investment-Grade-Bereich hätten sich zwar einige dieser Investoren aus Hochzinsanleihen zurückgezogen, aber noch immer sei eine beträchtliche Anzahl von ihnen investiert. Dies sei für den High-Yield-Sektor ein Grund zur Sorge, insbesondere in Europa.

"Wer allerdings die Verschuldungsprofile von High Yield-Emittenten untersucht, wird feststellen, dass viele das positive Marktumfeld genutzt haben, um die Laufzeit ihrer Anleihen zu verlängern", so Gerhard. Das bedeute, dass das Refinanzierungsrisiko selbst bei einer Eintrübung der Konjunktur begrenzt sei. Bei einigen grossen Investment-Grade-Emittenten stünden vielmehr erhebliche Volumina an Schuldtiteln mit Fälligkeiten in den Jahren 2019 und 2020 aus. "Dies kann dazu führen, dass Anleger ihre High Yield-Bestände behalten, obwohl sich die Spreads für Investmentgrade erweitert haben", erklärt Gerhard. Sofern sich die Erwartungen in Bezug auf die Ausfallraten nicht ändern, sieht er die Anlageklasse aufgrund des attraktiven Ertragsniveaus des Hochzinsmarktes in Verbindung mit einem begrenzten Angebot positiv.

Herabstufungen zu Chancen wandeln
In Zukunft antizipiert Gerhard Emittenten, die von Investment Grade auf High Yield herabgestuft werden. "Je grösser der Pool der BBB-Emissionen ist, desto grösser ist die potenzielle Anzahl der Herabstufungen", meint er hierzu. Wenn ein einzelnes Unternehmen auf High Yield herabgestuft wird und damit zu einem "gefallenen Engel" wird, sind die Auswirkungen auf den breiten Markt in seinen Augen begrenzt. "Typischerweise sinken die Kurse in diesen Fällen bereits, bevor die Anleihen den Hochzinsmarkt erreichen, da der Prozess der Herabstufung Zeit braucht und Investment-Grade-Investoren schon bei Erwartung einer Herabstufung verkaufen", sagt Gerhard.

Für aktive Manager stellt dies seines Erachtens eine Chance dar. Eine sorgfältige Analyse sei dennoch erforderlich, um sicherzustellen, dass das Management über einen tragfähigen Plan zur Stabilisierung des Unternehmens verfügt oder – falls der Downgrade-Zyklus systematischer Natur ist – dass das Unternehmen in der Lage ist, bei einer wirtschaftlichen Erholung zu profitieren. "Wenn jedoch ein deutlich grösserer Emittent auf High Yield herabgestuft würde oder mehrere Emittenten innerhalb kurzer Zeit herabgestuft würden, könnte dies die Hochzinsmärkte durchaus in der Breite stören", relativiert er.

Alle Artikel anzeigen