Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Guido Barthels, Portfolio Manager bei ETHENEA Independent Investors S.A. und Yves Longchamp, Head of Research bei ETHENEA Independent Investors (Schweiz) AG.
Guido Barthels, Portfolio Manager bei ETHENEA Independent Investors S.A. und Yves Longchamp, Head of Research bei ETHENEA Independent Investors (Schweiz) AG.

Am 17. September entschied die Fed, den ersten Zinsschritt aufzuschieben, obwohl sie die Märkte seit Monaten aufs Schonendste darauf vorbereitet hatte. Was sagt diese Entscheidung über die Ausrichtung der aktuellen US-Währungspolitik aus?

22.10.2015, 12:42 Uhr

Redaktion: jog

Interessant ist ein Blick in die Vergangenheit. Die Währungspolitik von Ben Bernanke war geprägt durch den Grundsatz der Forward Guidance, also die Kommunikation an die Öffentlichkeit, nach welchen Kriterien die Zentralbank welche Entscheidungen treffen würde. Seit der globalen Finanzkrise haben die grossen Zentralbanken dieser Welt nämlich eine dominante Rolle an den Kapitalmärkten übernommen, und damit auch eine sehr viel grössere Verantwortung als zu normalen Zeiten. Diese Vorhersehbarkeit der Zentralbank bot den Finanzmärkten Orientierung. Mario Draghis Whatever-it-takes-Statement im Sommer 2012 wirkte ähnlich beruhigend auf die Finanzmärkte und markierte das Ende der Spekulation gegen den Euro.

Die jüngste Entscheidung der Fed hingegen kam für viele Marktteilnehmer überraschend. Seit Monaten hat die US-Notenbank wiederholt, dass sie ihre Entscheidung auf Basis der Fortschritte zweier Faktoren treffen werde: Arbeits­markt und Inflation. Obwohl ein niedriges Inflationsniveau ein Grund dafür gewesen wäre, die Zinsen nicht zu erhöhen, wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass die niedrigen Inflationswerte massgeblich auf temporäre Faktoren wie den niedrigen Ölpreis und den starken Dollar zurückzuführen seien, wodurch die Bedeutung der aktuellen Inflationsent­wicklung indes gemindert wurde. Beim US-Arbeitsmarkt kann man derweil nur schwer argumentieren, dass er weit vom geschätzten Gleichgewicht entfernt ist, da sich die aktuelle Ar­beitslosenquote mehr oder minder in diesen Gefilden bewegt. Der Begriff der Forward Misguidance drängt sich auf.

„Die US-Wirtschaft ist eng mit dem Rest der Welt verbun­den“
In der Septembersitzung hat sich der Fokus der Fed also verschoben. Inländische Kriterien wurden durch internationale Wirtschaftsentwicklungen ersetzt. Die Fed agierte dieses Mal als internationale Zentralbank, deren Entscheidung auch globale Entwicklungen berücksichtigt, und weniger als inländische Zentralbank, deren Entscheidun­gen abhängig von der Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Inflation getroffen werden. Um die Fed-Präsidentin Janet Yellen zu zitieren: „Die US-Wirtschaft ist eng mit dem Rest der Welt verbun­den“. In der Pressekonferenz im Anschluss an die Entscheidung verwies sie unermüdlich auf die Entwicklungen in China, die sie eingehender untersuchen wolle, insbesondere hinsichtlich deren Auswirkungen auf das US-Wachstum. Dieser abrupte Kurswechsel hat zu Unsicherheit und Volatilität an den Märkten geführt.

Am 27. Oktober geht es für die Fed in die nächste Runde. Es ist die vorletzte FOMC-Sitzung des Jahres. Janet Yellen hat verdeutlicht, dass die Fed einerseits datenabhängig sei und andererseits ein wenig mehr Zeit benötige, um die Auswirkungen der chinesischen Abschwächung auf die Wirtschaft jenseits des Atlantiks genauer zu untersuchen. Dementsprechend scheint eine Entscheidung zugunsten einer Zinserhöhung im Oktober wenig wahrscheinlich. Kurz vor Weihnachten tagen die FOMC-Mitglieder ein letztes Mal in diesem Jahr. Und auch bis dahin könnte das Schicksal Chinas noch weiter ungewiss sein. Ausserdem ist die Dezember-Marktliquidität dürftig und die Fed wird vermutlich keine zusätzliche Volatilität am Ende eines anspruchs­vollen Jahres schüren wollen. Nach der Fed-Sitzung ist eben vor der Fed-Sitzung.

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