Anleihemärkte bleiben interessant

Nicolas Kopitsis, Managing Director bei BNY Mellon Investment Management
Nicolas Kopitsis, Managing Director bei BNY Mellon Investment Management

Trotz des aktuellen Niedrigzinsumfelds bieten die Anleihemärkte immer noch zahlreiche attraktive Investitionsmöglichkeiten. Dies war das Fazit der "BNY Mellon Fixed Income Conference", die dieses Jahr erstmals auch in Zürich stattfand.

25.11.2014, 14:43 Uhr

Redaktion: jod

In den letzten Jahren fanden an den Anleihemärkten einige grundlegende Veränderungen statt. Der Beginn der quantitativen Lockerung (QE) seitens der US-Notenbank (Fed) sowie ähnliche Unterstützungsmassnahmen anderer Notenbanken haben zu einem Rückgang der Renditen beigetragen. Dadurch wurden Anleihenmanager gezwungen, auf ihrer „Jagd nach Rendite“ ein immer grösseres Spektrum festverzinslicher Anlageformen in Betracht zu ziehen. Vor dem Hintergrund der allmählich auslaufenden lockeren Geldpolitik der Notenbanken lud Nicolas Kopitsis, Managing Director bei BNY Mellon Investment Management, zur "BNY Mellon Fixed Income Conference" ein, die im Oktober zum ersten Mal in Zürich stattfand. Auf dieser Veranstaltung präsentierten drei spezialisierte Manager von BNY Mellon Investment Management ihre Anleihen-Expertise und gingen auf die jüngsten Marktentwicklungen ein.

Wachsende Diskrepanz
Eröffnet wurde die Konferenz mit einem Vortrag unter der Überschrift „Nach der Krise: Kann Europa aufholen?“, in dem Meriten-Chefvolkswirt Holger Fahrinkrug die wachsende Diskrepanz zwischen der volkswirtschaftlichen Entwicklung in den USA und Grossbritannien einerseits sowie in Kontinentaleuropa andererseits hervorhob. Gleichzeitig warnte er davor, dass die anhaltende Schuldenkrise in der Europäischen Union allmählich zu einem „vergessenen Problem“ werde.

„Die globale Erholungstendenz ist momentan eine äusserst verzwickte Angelegenheit. Während es den USA und Grossbritannien gelungen ist, wieder ein robustes Wachstum zu generieren, hat Europa nach wie vor mit Problemen zu kämpfen. So ist der Euroraum die einzige Region, die in den letzten drei Jahren kein reales Wachstum vorlegen konnte. Das ist wirklich ziemlich schockierend“, führte er aus.

Fahrinkrug geht für den Euroraum für 2015 von einem Wachstum von rund 1% aus. Auf die Frage, ob sie diese Einschätzung teilten, stimmten über 70% der Konferenzteilnehmer dieser Prognose zu, während etwas weniger als 30% ein abweichendes Ergebnis erwarteten. Nach ihrer Einschätzung gefragt, ob die EZB die Zinsen bereits im Jahr 2015 wieder anheben wird, antworteten 87% der Anwesenden mit „Nein“, während lediglich 13% erklärten, von einem Anstieg der Zinsen auszugehen.

Kreditmarkt brummt
Das aktuelle Niedrigzinsumfeld hat dazu geführt, dass das Kaufinteresse an Unternehmensanleihen sowohl an den US-amerikanischen als auch an den europäischen Märkten gestiegen ist. Im Hinblick auf die jüngsten Marktentwicklungen sowie die Vorzüge von Investments in variabel verzinste Anleihen sagte Paul Hatfield, Chief Investment Officer bei Alcentra: „Angesichts eines Umfelds, das derzeit durch ein lediglich mässiges Wirtschaftswachstum sowie eine erhöhte Volatilität geprägt ist, halten wir doch momentan alle nach vergleichsweise sicher prognostizierbaren Erträgen Ausschau. In diesem Zusammenhang ist zuletzt jede Menge frisches Geld in den Kreditsektor geflossen.“

„In Europa wird diese Entwicklung durch einige bedeutsame Trends bestimmt. So haben die Gross- und Geschäftsbanken ihre Kreditvergabe an kleinere und mittelständische Unternehmen zuletzt deutlich zurückgefahren, um auf diese Weise ihre eigenen Bilanzen zu sanieren. Dadurch ist aber eine immense Finanzierungslücke entstanden, die anderen Kreditgebern nun die Möglichkeit gibt, innerhalb einer vergleichsweise sicheren Anlageklasse reale Erträge zu erzielen.“

„Seit der Finanzkrise ist jede Menge Geld in Papiere mit variabler Verzinsung geflossen. Da wir uns derzeit nicht in einem Kreditzyklus, sondern eher in einem Zinszyklus befinden, bieten Kredite momentan attraktive Anlagechancen.“ Nichtsdestotrotz zahle es sich aus, die in den einzelnen Staaten voneinander abweichenden Unternehmensstrategien sowie die jeweiligen potenziellen Fallgruben vor Ort nicht aus den Augen zu verlieren.

Flexibler Ansatz gefragt
Laut Standish-Chief Investment Officer David Leduc müssen Anleihenmanager in den kommenden Monaten womöglich noch selektiver agieren, denn sie haben auch weiterhin mit Wertschwankungen sowie einer sinkenden Markt-Liquidität zu kämpfen. Im Rahmen seines Konferenzbeitrags unter dem Titel „Anleihen für jede Jahreszeit: die Rolle globaler Multi Sector-Anleiheninvestments“ erklärte er, dass das durch quantitative Lockerungsmassnahmen bestimmte Nachkrisen-Umfeld an den globalen Märkten in vielen Fällen zu einem Schrumpfen der Zinsdifferenzen sowie einem Rückgang der Renditen geführt habe. Allerdings hätten die Aussichten auf eine geringere Liquidität seitens der Fed sowie eine gleichzeitig verschärfte Regulierung auch zur Folge, dass sich der Handel in einzelnen Anleihensektoren inzwischen schwieriger gestaltet.

„Zukünftig könnte es sich als wesentlich schwerer erweisen, konstante Erträge zu erwirtschaften. Deshalb dürften die Sektorenrotation und die Einzeltitelselektion bei der Ertragsgenerierung zukünftig eine immer grössere Rolle spielen. Auf uns kommt eine Welt zu, in der Anleihenmanager möglicherweise noch wählerischer vorgehen müssen, um die sich am Markt bietenden Anlagechancen zu nutzen. Dies könnte einige der grössten Investmentgesellschaften vor beträchtliche Probleme stellen“, ergänzte er.

Trotz dieser grossen Herausforderung vertritt Leduc die Auffassung, dass die zunehmenden Diskrepanzen auf konjunktureller Ebene sowie an den Anleihenmärkten zwischen den USA und Grossbritannien einerseits sowie Europa andererseits flexiblen Vermögensverwaltern auch neue Anlagechancen eröffnen könnten. Ausserdem könnten seiner Meinung nach auch die jüngsten Wertschwankungen am Markt Chancen auf positive Renditen bieten.

Ein Drahtseilakt
In seinem Schlussvortrag unter der Überschrift „Europäische Credits: attraktive Erträge trotz Niedrigzinsumfeld“ hob Henning Lenz, Leiter Unternehmensanleihen bei Meriten, das Verhältnis von Chancen und Risiken im Hinblick auf die Zukunftsaussichten europäischer Credits hervor. Als positive Marktindikatoren nannte er das zuletzt zwar schwächere, aber noch ausreichend hohe Wachstum in Europa, die soliden Fundamentaldaten der Unternehmen, die Vorzüge der aktuellen Geldmarktpolitik der EZB sowie die niedrigen erwarteten Ausfallraten.

„Obwohl zuletzt Mittelabflüsse zu beobachten waren, gibt es auch in Europa positive Entwicklungen. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten machen einen ganz passablen Eindruck, und die Firmengewinne für das III. Quartal sind innerhalb der Region solide ausgefallen. Falls die EZB ihre aktuellen Unterstützungsmassnahmen auch auf Unternehmensanleihen mit Investmentstatus ausweiten sollte, würde dies die Nachfrage nach Unternehmenspapieren ebenfalls nach oben treiben“, so Lenz.

Beliebte Senior Secured Loans
Auf die Frage, welche Anleihensektoren die Konferenzteilnehmer mit Blick auf das Jahr 2015 am attraktivsten beurteilen, stuften 47,8% vorrangige Kredite als am attraktivsten ein, 26,1% stimmten für Hochzinsanleihen, 17,4% wählten Papiere mit Investment-Grad-Status, und 8,7% bevorzugten Staatsanleihen.

Abschliessend wies Jürg Zollinger, Managing Director bei BNY Mellon Investment Management, noch einmal auf die beeindruckenden Fortschritte hin, welche die Anleihenmärkte in den letzten Jahren gemacht hätten.

Vortragspräsentationen und Bilder der Konferenz finden Sie unter folgendem Link.

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