Afrika und der Nahe Osten bieten gute Möglichkeiten

Oliver Bell, Fondsmanager des Africa & Middle East Equity Fund von T.Rowe Price
Oliver Bell, Fondsmanager des Africa & Middle East Equity Fund von T.Rowe Price

Der Nahe Osten und Afrika werden von vielen Investoren vernachlässigt, obwohl die Region seit vielen Jahren zu den dynamischsten Wachstumsmärkten der Welt gehört. Oliver Bell, Fondsmanager des Africa & Middle East Equity Fund von T.Rowe Price, erwartet auch in absehbarer Zukunft starke Wachstumsraten und identifiziert gute Investment-Möglichkeiten in der Region.

11.12.2012, 09:51 Uhr

Redaktion: dal

Afrika und der Nahe Osten werden nicht in erster Linie mit fantastischen Investitionsmöglichkeiten in Verbindung gebracht. Doch genau diese sind dort zu finden, ist Oliver Bell, Portfolio-Manager beim T.Rowe Price Middle East & Africa Equity Fund, überzeugt. Denn die Region habe in den letzten zehn Jahren eine massive Transformation durchgemacht, nachdem viele langjährige Bürgerkriege und machthungrige Diktatoren endlich ein Ende gefunden haben.

Bis Ende 2012 wird die Hälfte der 54 afrikanischen Staaten innerhalb der vergangenen 24 Monate demokratische Wahlen durchgeführt haben. Dies wird sich proportional auf das Wirtschaftswachstum auswirken, ist Bell überzeugt: „Grössere persönliche Freiheit korreliert oft mit einem hohen BIP pro Kopf“. Zusammen mit den starken strukturellen Veränderungen in der Region in letzter Zeit haben sich damit enorme Investitionsopportunitäten eröffnet.

„Es sind einige Unternehmen auszumachen, die in absehbarer Zukunft ein konstantes Gewinnwachstum von mindestens 20% erzielen werden“, erklärt Bell. Gleichzeitig seien die meisten afrikanischen Aktien untergewichtet, da die Wachstumsmöglichkeiten sowie die strukturellen Veränderungen in der Region von vielen Investoren noch nicht eingepreist worden seien.

Positive ökonomische Indikatoren

Tatsächlich weisen die ökonomischen Indikatoren auf eine gesunde und wachsende Region hin. Das BIP-Wachstum in Afrika und dem Nahem Osten betrug im vergangenen Jahrzehnt durchschnittlich 5,5%. So stark gewachsen ist im gleichen Zeitraum ausser Asien keine andere Region der Welt. Dies war auch das erste Jahrzehnt seit langem mit einem starken Produktivitätswachstum.

Die Inflation konnte ebenfalls deutlich gesenkt werden. Diese fiel 2011 auf noch 6%, gegenüber 26% in den 1970ern. Eine weitere Stütze für die Region waren die grossen Schuldenerlass-Programme für Afrika, die das Verschuldungsverhältnis zum BIP auf ein erträgliches Mass von 20% reduziert haben. „Damit wird nicht mehr jeder verdiente Dollar für die Schuldenbewirtschaftung ausgegeben“, so Bell. Ein starkes Zeichen für die Dynamisierung der Region ist der Zuwachs an ausländischen Direktinvestitionen. China z.B. hat zwischen 2005 und 2010 100 Milliarden Dollar in Afrika und dem Nahen Osten investiert, immerhin ein Drittel der chinesischen Direktinvestitionen in diesem Zeitabschnitt.

Geopolitische Spannungen behindern Investoren kaum

Trotz dieser positiven Signale gibt es latente geopolitische Spannungen in der Region, gerade kürzlich wieder virulent durch die blutigen Volksaufstände in Libyen und Syrien. Diese „hot spots“ behindern die Investitionen in die Region als Ganzes jedoch nicht. „Wir investieren jeweils in diejenigen Länder, von denen man im Fernsehen nichts sieht“, so Bell. Zudem handle es sich um einen riesigen Raum, weshalb Krisen in einzelnen Ländern die Gesamtlage kaum verändern. „Die Krise in Libyen hatte keinen wirtschaftlichen Einfluss auf z.B. Saudi Arabien oder Südafrika“, gibt Bell zu bedenken.

Die Favoritenliste werde genau von diesen Ländern angeführt: von Saudi Arabien, Südafrika und zusätzlich Nigeria. So hat z.B. Saudi Arabien nach dem arabischen Frühling ein Infrastrukturprojekt von 700 Milliarden Dollar lanciert. Zudem wurden Staatsbediensteten Lohnerhöhungen zugestanden und zwei zusätzliche Monatslöhne ausbezahlt. Auch die Arbeitslosenunterstützung und andere soziale Zuwendungen wurden erhöht. „Das saudische Regime erkauft sich mit diesen Massnahmen Stabilität. Als Investor kann man davon profitieren“, ist Bell überzeugt.

Banken- und Konsumgütersektor besonders attraktiv

Dank der Infrastrukturprogramme sind saudische Banken besonders lohnende Investitionsobjekte, da die Finanzierung immer der erste Schritt eines jeden Grossprojektes ist. Hier nennt Bell als Einzeltitel Al Rahaj Bank, die grösste islamische Bank weltweit. Auch saudische Konsumgüter-Produzenten stehen weit oben auf dem Einkaufszettel des Fonds.

In Südafrika bevorzugt Bell vor allem Lebensmittel-Grossverteiler. Mit einer Milliarde potenzieller Kunden vor der „Haustüre“ würden diese Unternehmen rapide wachsen und in den Rest des Kontinents expandieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist ShopRite Holdings, das über 700 Läden in Südafrika und 135 weiteren im Rest von Afrika verfügt.

Nigerianische Banken gehören ebenfalls zu den Favoriten Bells: „Das Bankensystem ist in letzter Zeit vollständig bereinigt worden, was zu einem starken Nachfragewachstum nach Bankenlösungen geführt hat“. Zudem sind nigerianische Bankaktien äusserst tief bewertet.

Die „Stock-picking“ Strategie des Fonds hat sich in den letzten Jahren gut ausgezahlt. So erreicht der Middle East & Africa Funds im Ranking von Morning Star den zweiten Rang in der Liste der am besten performenden Emerging Markets Fonds. Per Ende September betrug die Year-to-date Rendite 13%, die annualisierte Dreijahres-Rendite beträgt 4,8%.

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