„Absolute Return“ – Vorteil bei Zinsanstieg

Paul Nicholson, Portfoliomanager des Vontobel Fund - Absolute Return Bond
Paul Nicholson, Portfoliomanager des Vontobel Fund - Absolute Return Bond

Auf was Anleger auf der Suche nach „absolutem Ertrag“ achten sollen, erklärt Paul Nicholson, Portfoliomanager des Vontobel Fund - Absolute Return Bond.

04.09.2014, 17:42 Uhr

Redaktion: jod

Für institutionelle Investoren sind Anlagestrategien besonders attraktiv, wenn sie positive Renditen in verschiedenen Marktszenarien erwarten lassen. In diesem Zusammenhang sind „Absolute Return“-Ansätze zu nennen. Ihnen liegt die Erkenntnis zugrunde, dass gewisse Strategien spezifische Merkmale aufweisen, die beispielsweise auch bei steigenden Zinsen vorteilhaft sind. Auf der Suche nach „absolutem Ertrag“ sollte der Anleger auf solide Anleihenportfolios bauen, deren Zins- und Kreditqualität sich aktiv und kostengünstig mithilfe von Derivaten steuern lassen.

Klassische Rentenportfolios unterliegen im wesentlichen Zins- und Kreditrisiken. Durch regelmässige Kuponzahlungen und planbare Rückzahlungen stellen sie das Rückgrat vieler Investmentportfolios dar. Dabei ist ihr Risikoprofil recht einseitig, denn sie können beispielsweise nicht von Marktphasen steigender Zinsen profitieren. Solche Portfolios sind also relativ unflexibel – Investoren können auf die Chancen und Herausforderungen, die sich aus wechselnden Situationen an den Finanzmärkten ergeben, kaum reagieren.

Hohe Liquidität erweitert den Handlungsspielraum
Als aktiver Vermögensverwalter sollte man also versuchen, das Bedürfnis der Anleger nach grösserem Handlungsspielraum zu nutzen. Dies lässt sich nach unserem Dafürhalten mit einem „Absolute Return“-Ansatz erzielen. Die Grundlage sollte ein Portfolio aus möglichst sicheren und liquiden Staats- und Unternehmensanleihen bilden. Darauf aufbauend steuert man die wesentlichen Parameter des Portfolios: zum einen die Duration (DV01), also die Sensitivität des Portfolios auf Zinsveränderungen, zum anderen die Kreditsensitivität (CS01), also die Anfälligkeit des Portfolios auf Veränderungen der Kreditprämien. Beide Kennzahlen lassen sich durch den Einsatz von Derivaten wie Anleihenfutures und CDS-Index-Swaps beeinflussen. Diese Portfoliokonstruktion erlaubt es, schnell und kostengünstig zu agieren. Auf Basis dieser Modelle und der Markteinschätzung kann man somit sowohl in Zeiten steigender als auch fallender Zinsen profitieren. Im Rahmen unseres Anlageprozesses wenden wir dabei eine sogenannte momentum-orientierte Strategie an. Für momentum-orientierte Ansätze sind deutliche Markttrends von Vorteil. Der Momentum-Effekt besagt, dass sich Trends der jüngsten Vergangenheit auch in Folgeperioden fortsetzen, Zinsen also beispielsweise nach einem ersten Anstieg weiter ansteigen werden. Dieser Effekt ist an den Kapitalmärkten empirisch belegt und wird auf die Überreaktion von Investoren auf neue Nachrichten zurückgeführt. Dies bedeutet, dass man bei einem beginnenden Zinsanstieg mithilfe einer Absicherung über Anleihenfutures die Duration in den negativen Bereich steuern und damit den Portfoliowert auch in Zeiten steigender Zinsen erhöht. Ebenso ist es möglich, über den gesamten Kreditzyklus – also eine Periode von steigenden und fallenden Zinsen – zu profitieren. Selbst wenn man wie aktuell den Kreditzyklus noch positiv beurteilt und von den Kreditprämien profitieren möchte, so erlaubt eine hohe Liquidität, das Exposure schnell zurückzufahren, sollten sich die Märkte drehen.

Schutz gegen Inflationsgefahren
Im Falle eines Anstiegs der Zinsen ist eine Verkürzung der Duration oder gegebenenfalls auch vollständige Absicherung angezeigt. Die entsprechenden Umschichtungen sind dank dem Umstand, dass das Portfolio sehr liquide Wertschriften enthält, rasch möglich. Eine solche Position nahmen wir beispielsweise vergangenen Sommer ein. Damals sprach die US-Notenbank Fed zum ersten Mal von der Möglichkeit, ihr Anleihenkaufprogramm zurückzufahren. Dies hatte einen Anstieg der Renditen auf US-Staatsanleihen von 1,6 Prozent im Mai 2013 auf nahezu 3 Prozent im September 2013 zur Folge. Aufgrund der Absicherung konnten wir das Portfolio in dieser Phase weitgehend stabilisieren.

Gegen Deflationsgefahren gewappnet
Deflation – ein lang anhaltender Rückgang des Preis- und Zinsniveaus – ist genau so problematisch wie Inflation und geht oft mit Marktturbulenzen einher. Im Krisenjahr 2008 rissen Ängste vor Deflation und einem Kollaps des globalen Finanzsystems die Märkte in die Tiefe. Die Zinsen gingen massiv zurück und die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen stieg stark an. Da Anleihen aus dem Kredit-Bereich gleichzeitig abgestoßen wurden, weiteten sich die Spread-Differenzen massiv aus. Auch auf eine solche Ausgangslage sollte man als Vermögensverwalter im Rahmen einer „Absolute Return“-Strategie schnell reagieren können, beispielsweise indem man auch im Kredit-Segment auf eine hohe Liquidität achtet.

Ruhige Hand ebenso wichtig wie Know-How und Modelle
Bei der Absolute Return orientierten Veranlagung sollte man dabei nicht „blind“ Modellen und Theorien folgen. Ebenso wichtig ist eine langjährige Kapitalmarkterfahrung. Nach unserer Erfahrung zeigen selbst gut erprobte Modelle einen Trendwechsel an, der sich dann schnell wieder ins Gegenteil umkehrt. Daher ist es wichtig, bei einem Zick-Zack-Kurs der Zinsmärkte einen kühlen Kopf zu bewahren und das Portfolio nicht unnötig anzupassen, was möglicherweise nur laufende Rendite kosten und Transaktionsspesen verursachen würde.

„Absolute Return“- Strategien eignen sich also aus unserer Sicht gut zur Erweiterung und Stabilisierung traditioneller Rentenportfolios. Sie profitieren insbesondere von grossen Marktbewegungen, da sie aufgrund der liquiden Konstruktion schnell und kostengünstig agieren können. Damit ist es möglich, sowohl in inflationären als auch deflationären Szenarien positive Renditen zu erzielen.

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