2020: Eine Geschichte zweier gegensätzlicher Szenarien

Der Weg im Jahr 2020 wird laut Robeco um eine Rezession herum führen. (Bild: Shutterstock.com/Triff)
Der Weg im Jahr 2020 wird laut Robeco um eine Rezession herum führen. (Bild: Shutterstock.com/Triff)

Im Jahresausblick für 2020 erwartet Robeco, dass das Wirtschaftswachstum noch eine Weile anhält und der Kursaufschwung bei Aktien nach fast zehn Jahren in seine letzte Phase eintritt. Andere mögliche Entwicklungen sind einander entgegengesetzt.

13.11.2019, 12:06 Uhr

Redaktion: lek

Nach Ansicht von Robeco werden die Themen, die 2019 die Schlagzeilen in punkto Finanzen beherrschen – Brexit und Handelskonflikt – im Jahr 2020 eine weniger prominente Rolle spielen. Der globale Konjunkturzyklus wird wahrscheinlich noch etwas länger bis in das Jahr 2020 hinein anhalten. Vermehrt hat es Anzeichen dafür gegeben, dass sich die Einkaufsmanagerindizes in der Industrie stabilisieren und weiter erholen. Zudem werden die finanziellen Rahmenbedingungen günstig bleiben. Dies ist hauptsächlich eine Folge der anhaltend lockeren Geldpolitik der Notenbanken weltweit. Es wird keinen "harten Brexit“ geben, meint Robeco im Ausblick auf das kommende Jahr. Es wird auch kein umfassendes Handelsabkommen geben, doch dürfte eine abgespeckte Variante davon ausreichen, einen Teil des Vertrauens der Unternehmen zurückzugewinnen und die Investitionsausgaben wieder zu stärken.

Robeco geht davon aus, dass die US-Wirtschaft nicht in eine Rezession abgleiten wird, da die Beschäftigungslage, die Konsumausgaben und der Dienstleistungssektor weiterhin robust sind. Mit grösserer Wahrscheinlichkeit kommt es erst nach dem Jahr 2020 zu einer Rezession. Chinas Wirtschaftswachstum wird sich demnach weiter verlangsamen. Die demographische Entwicklung, die hohe Verschuldung der Unternehmen und der Übergang von einer investitionsgetriebenen zu einer konsumgetriebenen Volkswirtschaft führen für die Experten von Robeco unweigerlich zu niedrigeren Wachstumsraten. Die Aussichten für das BIP-Wachstum in Europa bleiben gedämpft. Deutschland macht der Einbruch im globalen Industriesegment und das verlangsamte Exportwachstum zu schaffen, zum Teil infolge des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Infolgedessen wird das deutsche BIP im Jahr 2020 mit weniger als 1% wachsen. Andere grosse Volkswirtschaften des Euroraums wie Frankreich und Spanien werden ein höheres Wachstum verzeichnen, das allerdings ebenfalls unterhalb des Trends bleiben wird.

Was, wenn die Prognose nicht zutrifft?

Es gibt für Robeco, wenn sie mit ihren Prognosen falsch liegen, kein Szenario, das einen Mittelweg beschreibt. Wenn sich die Lage verschlechtert, ist ein Rückgang der Kurse an den Aktienmärkten von mehr als 20% nicht auszuschliessen. In diesem alternativen Szenario ist eine Rezession in den USA unausweichlich, da die Notenbanken keinen ausreichenden Spielraum für Gegenmassnahmen haben. Die Konjunktur im produzierenden Gewerbe wird sich laut dem Asset Manager nicht erholen und sich stattdessen bremsend auf andere Sektoren auswirken. Robeco nimmt an, dass sich die Unternehmensgewinne weiter verschlechtern werden. Dies führt zu Zahlungsausfällen bei den Unternehmen mit der niedrigsten Bonität, die sich von dort auf andere Segmente ausbreiten. Die Arbeitslosigkeit wird wieder steigen und die Konsumausgaben werden sinken. Dadurch wird das BIP schrumpfen. Die Notenbanken werden ihre Geldpolitik so weit wie möglich lockern müssen.

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