"Vertrauen und ethische Grundwerte sind enorm wichtig"

Christian Dreyer, CEO bei CFA Society Switzerland
Christian Dreyer, CEO bei CFA Society Switzerland

Fondstrends.ch sprach mit Christian Dreyer, CEO bei CFA Society Switzerland, über ethische Normen sowie die Bedeutung der CFA Society Switzerland für den Finanzplatz Schweiz.

17.05.2013, 10:32 Uhr

Redaktion: dab

Herr Dreyer, welche Anliegen vertritt das CFA Institute und seine assoziierten Landesgesellschaften?
Das CFA Institute ist der globale Berufsverband für Anlagespezialisten, der die Qualifikations- und Verhaltensstandards für die Mitglieder setzt. Die Non-Profit-Organisation ist Vorreiter für ethisches Verhalten im Anlagebereich und eine anerkannte Kompetenz-Quelle für die Finanzbranche weltweit. Hauptziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Interessen der Investoren an erster Stelle stehen, die Märkte bestmöglich funktionieren sowie die Volkswirtschaften wachsen. CFA Institute zählt in 139 Ländern respektive in ihren 136 lokalen Organisationen mehr als 110‘000 Mitglieder.

Wie werden diese Anliegen in die Schweiz getragen?

Der Schweizer Ableger wurde bereits im Jahre 1996 unter dem Namen Swiss Society of Investment Professionals gegründet und heisst heute CFA Society Switzerland. Er ist mit über 2’200 Mitgliedern die grösste CFA”Landesorganisation in Kontinentaleuropa. Die CFA Society Switzerland will eine führende Rolle in der Förderung profunden Fachwissens, der Professionalität und der Integrität im Anlagegeschäft spielen. Die CFA Society Switzerland vertritt die Interessen ihrer Mitglieder und der Investoren in folgenden Bereichen: Weiterverbreitung der in den CFA”Satzungen festgelegten Werten, Förderung der steten beruflichen Weiterausbildung, Unterstützung der CFA”Kandidaten sowie Stärkung des Kontakts und der Kommunikation zwischen den Mitgliedern der CFA Society Switzerland.

Welches sind die wichtigsten Instrumente, um die Professionalität der Finanzprofis auf dem höchsten Stand zu halten?
Vor über 50 Jahren wurde das wichtigste Instrument, der Weiterbildungskurs CFA Program, geschaffen, der nach drei schwierigen Prüfungen und vier Jahren relevanter Praxiserfahrung mit der Ernennung zum Charter Financial Analyst, kurz CFA, abgeschlossen wird. Dieser Titel verpflichtet die Inhaber zu korrektem Verhalten gegenüber ihren Kunden und zu höchster professioneller Integrität sowie Expertise. Die CFA-Charterholder setzen in der Branche Standards in Bezug auf analytische Stärke und ethischem Verhalten.

Bestehen nebst den unterschiedlichen Finanzausbildungen weitere Engagements seitens des CFA Institutes?
Das zentrale Element unserer Aktivitäten sind strikte Verhaltensstandards für die Mitglieder. Diese müssen jährlich eine Erklärung unterzeichnen, in der sie sich zur Einhaltung des „Code of Ethics“ und der „Standards of Professional Conduct“ verpflichten. Werden diese Verhaltensstandards seitens der Mitglieder nicht eingehalten, kann der CFA-Titel aberkannt werden, was schwerwiegende Reputationsschäden für das Ex-Mitglied nach sich zieht. Neben dem CFA Charter gehören das „Certificate in Investment Performance Measurement“ (CIPM) und das neu lancierte Claritas Programm zu den spezialisierten Ausbildungsangeboten des CFA Institute. Ausserdem bieten wir umfangreiches Research, Fachpublikationen, internationale und nationale Konferenzen und Networking und betreiben proaktives Lobbying.

Was sind Hauptpunkte dieser Verhaltensregeln?
Die ethischen Grundsätze bestehen im Wesentlichen aus sechs Punkten:

  1. Vorbildlicher Umgang mit der Öffentlichkeit: Kunden, Arbeitgeber, Mitarbeiter, Kollegen und Marktteilnehmer sind mit Integrität, Kompetenz, Sorgfalt, Respekt und in ethischer Weise einwandfrei zu behandeln.
  2. Die Integrität des Berufsstandes wahren und die Interessen der Kunden über die eigenen persönlichen stellen.
  3. Bei der Analyse von Anlagen, bei der Abgabe von Empfehlungen und anderen professionellen Aktivitäten mit angemessener Sorgfalt handeln und die Entscheidungen unabhängig treffen.
  4. Den Beruf auf professionelle und ethisch einwandfreie Weise ausüben und andere ermutigen, das Gleiche zu tun.
  5. Die Integrität der Finanzmärkte fördern und die Regeln einhalten, die für diese gelten.
  6. Die berufliche Kompetenz wahren und verbessern und danach streben, auch die Kompetenz anderer Branchenangehöriger zu fördern.

Die CFA Standesregeln gelten inzwischen als Industriestandard und werden oft auch von anderen Institutionen angewendet.

Inwiefern spielen diesbezüglich ethische Grundwerte eine Rolle?
Gerade nach den vergangenen Entwicklungen und Krisen in der Finanzbranche sind Vertrauen und ethische Grundwerte enorm wichtig. Nebst der Vermittlung und Verankerung von fachlichem Know-how werden im Rahmen unserer Weiterbildungsprogramme ethisch korrekte Verhaltensnormen an zentraler Stelle vermittelt. Um diese Grundwerte noch mehr zu vertiefen, lanciert CFA Institute zusammen mit einem Beirat, der vom bekannten britischen Ökonomen und Autoren John Kay geleitet wird, das ambitiöse Projekt „Future of Finance“. Als einen ersten Schritt veröffentlichte das Future of Finance-Team das „Statement of Investor Rights“. Mit diesem Leitfaden sollen Anleger ihre Rechte gegenüber Verkäufern von Finanzprodukten besser einschätzen können.

Wie erreichen Sie diese anspruchsvollen Ziele?
CFA Switzerland ist eine Organisation, die von ambitionierten Mitgliedern getragen wird. Diese unglaublich engagierten Mitglieder, die auf freiwilliger Basis tätig sind, sowie das weltweit operierende CFA Institute nutzen bestehende Synergien und gewährleisten, dass die Weiterbildungsaktivitäten stets einen direkten Praxisbezug aufweisen. Viele Aktivitäten werden lokal durchgeführt und die aktive Teilnahme in der Organisation bringt Vorteile für alle, auch für Expatriates.

Wie kommt das Engagement von CFA Switzerland an?
Die aus Professionalität und Ethik gespiesene Energie und Motivation der CFA Charterholder bringen einen frischen Wind in das Schweizer Anlagegeschäft und kommen gut an:

Per Ende 2012 zählte CFA Switzerland 2‘270 Mitglieder, 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten davon sind CFA-Charterholder. Die Pipeline von rund 2’500 Kandidaten für das CFA Programm lässt auf weiterhin gutes Wachstum hoffen – ich wünsche ihnen alles Gute für die bald bevorstehenden Prüfungen! Das wird allerdings nicht reichen, denn erarbeiten müssen sie sich den Erfolg selbst…

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