"Nachhaltigkeit ist beim Thema Wasser nicht wegzudenken"

Die verfügbare Menge an Wasser hat sich nicht verändert seit es Wasser auf der Erde gibt. Aber die Nachfrage nimmt stetig zu. (Bild: White Jack/Shutterstock.com)
Die verfügbare Menge an Wasser hat sich nicht verändert seit es Wasser auf der Erde gibt. Aber die Nachfrage nimmt stetig zu. (Bild: White Jack/Shutterstock.com)

Der Klimawandel, die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum sind die drei wesentlichen Treiber, warum der Wasser-Sektor eine der wachstumsstärksten Branchen der Zukunft ist, sagt Stefan Schütz, Leiter des Equity Research Teams von Tareno. Im Interview erläutert er die nachhaltige Anlagestrategie des Tareno Global Water Solutions Fund.

02.09.2019, 06:00 Uhr

Redaktion: rem

Herr Schütz, wir erleben auch in unseren Breitengraden immer länger werdende Perioden mit grosser Hitze, sodass Natur und vor allem die Landwirtschaft darunter leiden. Wie gross ist das Wasserproblem bei uns und global gesehen?
Stefan Schütz:
Der Klimawandel hat eindeutig Einfluss auf die Verteilung der Niederschläge. Die Herausforderung ist, die Niederschläge, welche in den Spitzenzeiten fallen, zu konservieren. Ein wichtiger Speicher, die Schneedecke in den Alpen, ist beispielsweise auch bei uns in der Schweiz gefährdet. Die Wetterextreme werden sich weiter ausbilden und folglich wird das Wasserproblem eher grösser.

Sie betreuen den Tareno Global Water Solutions Fund. Lassen sich mit Wasser generell gute Geschäfte machen oder ist es jetzt im Hinblick auf den Klimawandel ein besonders interessanter Sektor?

Mit dem Rohstoff Wasser machen wir keine Geschäfte. Wir legen den Fokus auf Unternehmen, welche Lösungen anbieten, um mit Wasser effizienter umzugehen. Die Aufgabe lautet: "weniger nutzen, weniger verschmutzen". Für den Wasser-Sektor ist der Klimawandel einer von drei wesentlichen Treibern. Die beiden anderen sind die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum.

Der Fonds wurde vor mehr als zehn Jahren lanciert. Was hatte den Ausschlag für die Wahl des Anlagethemas Wasser gegeben?

Wasser war bis in die späten 90er Jahre kaum ein Thema für die breite Anlegerschicht. An Investorenkonferenzen zu diesem Thema erschien damals eine Handvoll interessierter Anleger. Wir erkannten frühzeitig, dass sich dies ändern muss und lancierten 2001 eine auf Wasser fokussierte Anlagestrategie.

Sie übernehmen per 1. September den Vontobel Sustainable Water Fund und schliessen ihn mit dem Tareno Global Water Solutions Fund zusammen. Welche Chancen ergeben sich daraus?

Die Übernahme bringt den Vorteil, dass wir die verwalteten Vermögen über die wichtige Marke von 100 Millionen heben können – dies eröffnet uns den Zugang zu neuen Investoren. Zudem können wir dank des höheren Volumens die administrativen Kosten senken.

Auf welche strukturellen Entwicklungen stützt sich das Anlagethema?

Auf das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Die Angebotsseite ist gegeben. Die verfügbare Menge an Wasser hat sich nicht verändert seit es Wasser auf der Erde gibt. Wasser, welches wir heute nutzen, floss einst durch den Magen eines Dinosauriers. Auf der anderen Seite nimmt die Nachfrage stetig zu. Hier wirken die drei grossen Treiber Urbanisierung, Bevölkerungswachstum und Klimawandel.

Wie müssen die Unternehmen, in die der Fonds investiert, aufgestellt sein – und wie setzt sich Ihr Anlageuniversum zusammen?

Das Anlageuniversum besteht aus weltweit börsennotierten Unternehmen, welche Bezug zum Thema Wasser haben und eine Mindestkapitalisierung von 150 Millionen Eruo aufweisen. Auf Unternehmen mit Bezug zu Flaschenwasser verzichten wir bewusst. Aktuell bilden rund 150 Werte ein kleines, sehr heterogenes Anlageuniversum.

Sie verfolgen eine nachhaltige Anlagestrategie: Wie beziehen Sie Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Kriterien mit ein?

Wir schliessen Unternehmen mit Bezugspunkten zu Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Adult Entertainment/Pornographie und Rüstung aus. Zusätzlich verlangen wir die Verpflichtung eines Unternehmens zum UN Global Compact. Zur weiteren Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung nutzen wir qualitative und quantitative Elemente. Berücksichtigt wird auch, wie sich die Praxis eines Unternehmens im Umgang mit dem Nachhaltigkeitsmanagement ändert (Momentum). Zudem bewerten wir betriebliche Informationen zum Wassermanagement und Kennzahlen, welche im Rahmen des "Carbon Disclosure Project" (CDP) rapportiert werden. Aus all diesen Informationen ergibt sich für jedes Unternehmen ein ESG-Gesamtscore, welcher direkt in unser Bewertungsmodell einfliesst.

Sie verwenden auch Big Data und Künstliche Intelligenz in Ihrem Bewertungsmodell. Können Sie das kurz erläutern?

Wir nutzen das durch Arabesque entwickelte AI-Tool S-Ray, welches mit Hilfe von selbstlernenden quantitativen Modellen und Datenindikatoren die Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen misst. Dabei werden über 250 ESG-Metriken mit Newssignalen von über 30'000 Quellen zu einer Punktzahl kombiniert. Wir erhalten so eine tagfertige Betrachtung des ESG Profils.

Tareno hat sich für die Einhaltung des europäischen Sustainable Responsible Investment (SRI) Transparenz Kodex entschieden und steht auch zu den UN Principles for Responsible Investment (PRI). Seit wann sind Sie dabei und was bedeutet Nachhaltigkeit in Ihrer strategischen Positionierung und Vorgehensweise?

Die Unterzeichnung der UN PRI im November 2017 war für uns der erste grosse Schritt in Richtung "Nachhaltiges Investieren". Mit der Verpflichtung zum Europäischen SRI Kodex haben wir unseren Nachhaltigkeitsansatz, welchen wir anfangs 2018 eingeführt haben, weiter vertieft. Heute ist Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil unserer Anlagephilosophie und vor allem in Verbindung mit dem Thema Wasser nicht wegzudenken.

Wie beurteilen Sie die heutigen Werkzeuge, die Ihnen für SRI Verfügung stehen?

Die Anzahl nachhaltiger Strategien und Ansätze hat in den letzten Jahren stark zugenommen, so dass uns heute eine breite Auswahl an verschiedenen SRI-Werkzeugen zur Verfügung steht. Die Herausforderung besteht darin, die zur eigenen Strategie passenden Werkzeuge zu finden und richtig zu kombinieren. Dass es keine allgemein gültigen Standards gibt, erschwert die Aufgabe zusätzlich.

Bei lukrativen Geschäften mit Wasser denkt man zuerst an die Trinkwasser-Industrie. Sie schliessen Unternehmen mit Bezug zu Mineralwasser bzw. Flaschenwasser aus. Warum?

Wir kennen drei grosse Wassernutzer: Die Industrie, die Landwirtschaft und die Haushalte. Auf die Haushalte entfallen 10% der Gesamtnutzung, worin wiederum nur 10% für Kochen und Trinkwasser anfallen. Trinkwasser macht folglich an der gesamten Nutzung weniger als 1% aus und ist somit quasi bedeutungslos. Zudem muss ein Anleger nicht auf die Expertise eines Wasserfonds zurückgreifen um in Konsumwerte wie Nestlé oder Danone investiert zu sein.

Wie wirkt sich die nachhaltige Strategie auf die Performance des Fonds aus?

Bis jetzt sind die Resultate ausgezeichnet. Wir haben den Anlageprozess Ende 2017 insgesamt optimiert, sodass wir den exakten Beitrag nicht quantifizieren können. Wir sehen in der Nachhaltigkeitsanalyse auch ein gutes Instrument zur Begrenzung von Risiken, welche nicht operativer Natur sind.

Wie beurteilen Sie die Sensibilisierung bei Investoren für nachhaltiges Investieren?

Auf den ersten Blick kann das Thema Nachhaltigkeit verwirren. Es gibt eine Vielzahl an Begriffen und Konzepten, über welche sich Investoren erstmals einen Überblick verschaffen müssen. Wir stellen fest, dass die Sensibilisierung steigt, vor allem auch dank der wachsenden Anzahl junger Investoren.

Wo werden wir in dieser Hinsicht in zehn Jahren stehen? Wo steht dann der Tareno Global Water Solutions Fund?

Wir erwarten, dass die Regulatoren Normen für die Integration von ESG in den Anlageprozess festlegen werden. Mittelfristig wird die Industrie nicht darum herumkommen, dem Thema Nachhaltigkeit ernsthaft zu begegnen. Wir sind überzeugt, dass wir darauf mit unserem durch FNG (Forum Nachhaltige Geldanlage) zertifizierten Prozess optimal vorbereitet sind.

Stefan Schütz, Leiter des Equity Research Teams des unabhängigen Vermögensverwalters Tareno

Stefan Schütz
Stefan Schütz

Stefan Schütz leitet das Equity Research Team, bestehend aus 6 Analysten, und ist für den europäischen und US-amerikanischen Industriesektor zuständig. Er verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Aktienresearch und in der Vermögensverwaltung. Stefan Schütz begann seine Karriere 1997 in der Finanzindustrie bei der Bank CIC, bevor er sich kurz nach der Lancierung des Tareno Global Water Solutions Fund im November 2007 dem Tareno Investment Team anschloss. Stefan Schütz ist «Certified International Investment Analyst» (CIIA).

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