„Smart Beta ist nicht konsequent genug“

Adrian Banner, CEO und Chief Investment Officer bei INTECH
Adrian Banner, CEO und Chief Investment Officer bei INTECH

Intech CEO Adrian Banner erklärt im Interview wie smart „Smart Beta“ wirklich ist.

22.07.2014, 09:18 Uhr

Autor: kig/dab

Herr Banner, seit einiger Zeit macht das Schlagwort Smart Beta Furore – doch Sie kritisieren die neuen Produkte, die unter diesem Namen firmieren. Welche Einwände haben Sie?
Adrian Banner: Smart Beta ist nicht grundsätzlich eine schlechte Idee, aber sie ist einerseits nicht neu und hat andererseits einige Fallstricke, die Investoren beachten sollten. Im Grunde ist Smart Beta nur ein neues Label, mit dem eine alte Idee verkauft wird: Systematische Alternativen zu nach Marktkapitalisierung gewichteten Portfolios gibt es bereits seit mehr als 30 Jahren. Der neue Name bedient jedoch die Bedürfnisse von Investoren, allen voran das gestiegene Kostenbewusstsein. Denn „Beta“ impliziert eben passives Investment, das üblicherweise mit einer niedrigen Kostenquote verbunden ist. Aber anders als der Name nahelegt, funktioniert Smart Beta eben nicht nach dem Buy-and-Hold-Prinzip. Im Gegenteil erfordert es konstantes Rebalancing, und das bedeutet aktives Trading. Zudem gehen von den alternativen Gewichtungsfaktoren jeweils spezifische Risiken aus. Investoren sollten sich mit diesen Problemen auseinandersetzen.

Welche Risiken gehen von den alternativen Gewichtungsfaktoren aus?
Smart Beta versucht, mit einem günstigen, systematischen Investmentansatz höheres Exposure gegenüber bestimmten Gewichtungsfaktoren zu gewinnen. Die Klassiker sind Größe, Bewertung, Momentum und Volatilität. Davon erhoffen sich Investoren höhere Renditen oder ein geringeres Risiko. Ohne Frage kann das die langfristigen Renditechancen steigern. Dennoch durchläuft der Markt regelmäßig Phasen, in denen diese Faktoren underperformen. Momentum-Strategien sind hier besonders anfällig: Da sie die Autokorrelation von Kursbewegungen ausnutzen, können sie gerade in Korrekturphasen dramatische Verluste erleiden. Aber auch der Faktor Value gehört zu den klassischen Kandidaten, die in bestimmen Phasen dem Gesamtmarkt hinterherhinken. Starr wie sie nun einmal konstruiert sind, bilden Smart-Beta-Produkte diese Underperformance ab. Leider setzen nur wenige Anbieter Methoden der Risikokontrolle ein, um diese Probleme zu begrenzen. Smart ist das nicht.

Sie sagen, dass Smart Beta auf aktives Trading angewiesen ist. Warum kann das zum Problem für Investoren werden?
Da sie auf Trading angewiesen sind, müssen sich Smart-Beta-Strategien mit den gleichen Problemen auseinandersetzen wie aktiv gemanagte Fonds. Am deutlichsten wird das bei den Transaktionskosten: Je höher Zwang zum Rebalancing und je höher deshalb der Portfolioumsatz, desto stärker belastet das die Performance. Doch nur wenige smarte Indizes weisen eine Transaktionskostenkomponente aus. Investoren müssen dann einen Weg finden, den jeweiligen Index so günstig wie möglich zu replizieren. Und auch Strategien mit geringem Portfolioumsatz können Probleme bekommen. Denn bei stark nachgefragten Strategien kann das Handelsvolumen so stark anschwellen, dass es unmöglich wird, bestmögliche Preise und schnellstmögliche Ausführung zu garantieren. Das trifft vor allem Strategien, die die höhere Performance kleinerer Firmen ausnutzen wollen. Schließlich liegt es in der Natur von Small Caps, dass sie weniger liquide sind. Dazu kommen Phänomene wie Front Running: Gerade systematische, regelbasierte Strategien können opportunistischen Tradern in die Hände spielen.

Ist Smart Beta als gar keine so smarte Idee?
Es stellt sich tatsächlich die Frage, wie smart Smart Beta wirklich ist. Allerdings muss man zugestehen, dass die Produkte selbst mit den genannten Einschränkungen eine günstige Möglichkeit bieten, Exposure gegenüber bestimmten Risikofaktoren zu gewinnen. Damit eignen sie sich etwa, um ein Portfolio zu ergänzen, in dem diese Faktoren über- oder unterrepräsentiert sind. Smart Beta ist systematisch, smart im eigentlichen Sinne ist es jedoch nicht.

Was wäre dann in Ihren Augen ein smarter Investmentansatz?
Wie gesagt ist Smart Beta auf Rebalancing angewiesen. Investoren müssen sich klar machen, dass ein großer Teil der kurzzeitigen Preisbewegungen am Markt nicht auf Fundamentaldaten oder Ereignisse, sondern auf natürliche Volatilität zurückzuführen ist. Durch Rebalancing kann diese Volatilität eingefangen werden und so die Rendite des Portfolios verbessern. Das beeinflusst auch die Performance von Smart-Beta-Strategien. So kann etwa die Überrendite von Small-Cap-Indizes vollständig durch Rebalancing erklärt werden – es werden konsequent Titel verkauft, die in letzter Zeit stark gestiegen sind und Titel gekauft, deren Bewertungen gefallen sind. Rebalancing trägt auch in hohem Maße zur verbesserten Performance vieler anderer Smart-Beta-Strategien bei. Die Pointe ist also, dass Smart-Beta-Strategien nicht konsequent genug sind: Sie nutzen die wichtigste Alpha-Quelle quasi unbewusst, während sie ihr eigentliches Ziel verfolgen, die angestrebte Gewichtung zu wahren. Konsequent und smart wäre es, dieses Alpha ganz aktiv – und systematisch anzustreben. Wir ziehen es allerdings vor, dann von Smart Alpha zu sprechen.

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