"Sicherheit hat Priorität"

José Machi, Business Director Schweiz von Nordea Asset Management
José Machi, Business Director Schweiz von Nordea Asset Management

Sicherheit steht für viele Anleger weiterhin an erster Stelle. Wie Nordea diesem Sicherheitsbedürfnis entgegenkommt, erläutert José Machi, Business Director Schweiz von Nordea Asset Management, im Gespräch mit fondstrends.

26.09.2012, 07:24 Uhr

Redaktion: cw


Herr Machi, die Anleger scheuen das Risiko noch immer wie der Teufel das Weihwasser. Wie reagiert Nordea auf diese Entwicklung?

José Machi: Am Markt herrscht immer noch die Devise, lieber nichts zu gewinnen als etwas zu verlieren. Nordea gehört aus verschiedenen Gründen zu den Profiteuren dieses Trends. Nordea ist eine der sichersten Banken der Welt und bietet als grösste Bank im Norden Zugang zu Anlagen in nordischen Märkten. Diese Länder sind kaum verschuldet. Sie bieten interessante Alternativen zu Euroanlagen, etwa die norwegische oder schwedische Krone.

Das sind nicht gerade Kernanlagen.
Anleger suchen heute gezielt nach sicheren Alternativen, und die findet man eher in Nischen. Norwegen gilt in mancher Hinsicht als Musterknabe, die Wirtschaft wächst mit über 3 %, das Land erwirtschaftet dank der Einnahmen aus Öl und Gas Budget- und Leistungsbilanzüberschüsse. Die norwegische Krone ist entsprechend stark. Hohe Zuflüsse in den Nordea 1 - Norwegian Bond Fund sind die Folge. Der Fonds hat heute ein Vermögen von über 1,2 Milliarden Franken.

Norwegen emittiert kaum Staatsanleihen, da ist der Markt eher eng.
Das stimmt, der Fonds investiert deshalb schwergewichtig in AAA-Unternehmensanleihen. In Schweden ist der Markt für Staatsanleihen dagegen sehr liquide.

Anleger trauen den europäischen Staaten immer weniger über den Weg. Die Eurokrise schwelt weiter und niemand weiss, welches Land demnächst ins Visier der Märkte gerät. Die Ratings der Agenturen sind dabei keine grosse Hilfe.
Es hat sich gezeigt, dass Credit Default Spreads eine realistischere und vor allem aktuellere Beurteilung der Kreditwürdigkeit der Staaten liefern als Ratings, die der Entwicklung hinterherhinken. Nordea hat deshalb Anfang des Jahres den Nordea 1 -European Low CDS Government Bond Fund aufgelegt, der nur in die Staaten mit den tiefsten Spreads investiert. Dieser Fonds eignet sich für Investoren, für die Sicherheit und Schutz des Kapitals oberste Priorität haben.

Wenn schon die Staaten nicht mehr als topsicher gelten, worauf können sich die Anleger noch verlassen?
Obwohl Immobilien in der US-Subprime-Krise in Verruf geraten sind, liefern Sachwerte weiterhin einen guten Schutz. Ein spezieller Markt ist der dänische Hypothekenmarkt mit einem sehr hohen Volumen an hypothekarisch verbrieften Anleihen und in 200 Jahren keinem einzigen Ausfall. Der Nordea 1 - Danish Mortgage Bond Fund investiert als einer der ganz wenigen Fonds in diese Anlagekategorie.

Besicherte Anlagen haben in Europa einen grossen Stellenwert. Pfandbriefähnliche Emissionen gibt es in vielen Staaten, auch in der Schweiz, Deutschland oder Spanien. Die Immobilienmärkte gelten aber nicht überall als sicher.
Der Markt mit Covered Bonds bietet viele Möglichkeiten. Ausser hypothekarisch besicherten gibt es auch staatlich besicherte Covered Bonds. Der Vorteil für Anleger von Covered Bonds liegt darin, dass sie einerseits den vorrangigen Zugriff auf die hinterlegten Collaterals haben. Da es sich bei Covered Bonds um eine Forderung gegenüber der emittierenden Bank handelt, können sie zusätzlich auf diese zurückgreifen. Die Sicherheit ist also entsprechend hoch und die Renditen der Covered Bonds liegen etwas höher als bei Staatsanleihen.

Aber möchten Investoren angesichts der anhaltenden Immobilienkrise zum Beispiel in spanische Cédulas investiert sein?
Die richtige Auswahl ist natürlich entscheidend. Tatsächlich ist der spanische hinter dem deutschen der zweitgrösste Markt für Covered Bonds in Europa. Im Nordea 1 - European Covered Bond Fund machen allerdings Frankreich und die Niederlande den höchsten Anteil aus, in Spanien wird praktisch nicht investiert. Rund zwei Drittel der Titel im Portfolio haben ein Rating von AAA.

Bieten sich angesichts der Eurokrise nicht die besseren Möglichkeiten ausserhalb Europas?
Wir haben soeben eine Zusammenarbeit mit DoubleLine Capital in den USA abgeschlossen. Der Gründer Jeff Gundlach ist für seine US Total Return Strategie bekannt, welche auf hypothekenbesicherte Anleihen setzt und in den letzten Jahren eine gute Performance mit tiefer Volatilität geliefert hat. (Anm. d. Red. Mehr dazu im Interview der FuW mit Jeff Gundlach).

Nun gibt es ja auch Anleger, die bereit sind, sich auf der Rendite-Risikokurve etwas nach aussen zu bewegen. Was empfehlen Sie diesen?
Sie sollten sich wieder mehr im Aktienmarkt positionieren, aber auch hier einen gewissen Sicherheitsschirm aufspannen. Wer weniger Volatilität wünscht, sollte stabile Aktien bevorzugen. Das sind Unternehmen, die nicht nur eine hohe Dividendenrendite, sondern auch konstante Cash Flows und Gewinne vorweisen können und auch in der Zukunft versprechen. Das sind vielfach eher langweilige Aktien in etablierten Geschäftsfeldern. Der Nordea 1 - Global Stable Equity Fund konnte mit dem Konzept überzeugen und verwaltet heute gegen 900 Millionen Franken. Seit knapp einem Jahr gibt es die Stable-Equity-Strategie auch in einem Fonds für Emerging Markets.

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