Klimabewusste Anlagestrategien: Mehr gefragt denn je

Michael Baldinger, Leiter Sustainable and Impact Investing bei UBS Asset Management
Michael Baldinger, Leiter Sustainable and Impact Investing bei UBS Asset Management

Viele Geschäftsmodelle werden jetzt schon durch den Klimawandel beeinflusst, und diese Entwicklung wird sich noch verstärken. Unternehmen, die anpassungsfähig sind, leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag und bieten Anlegern auch Chancen, so Michael Baldinger, Leiter Sustainable and Impact Investing bei UBS Asset Management.

17.12.2020, 13:18 Uhr

Redaktion: rem

Die internationale Gemeinschaft hat sich zwar auf einige Massnahmen gegen den Klimawandel einigen können, doch die Staaten haben teils sehr unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema. Wie bedeutend ist die Rolle der Wirtschaft in dieser Frage?

Michael Baldinger: Was die Wirtschaft im Hinblick auf mehr Klimaschutz tut, ist absolut zentral. Viele Unternehmen warten nicht ab, bis die Staaten neue Vorschriften einführen, sondern haben längst eigene Massnahmen in ihrem Wirkungsbereich ergriffen. Gerade global tätige Unternehmen können durch ihr Handeln die Entwicklung positiv beeinflussen. Das gilt selbstverständlich auch für UBS, und wir sind stolz, dass wir im Bereich Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnehmen. Dies wurde zuletzt wieder durch unseren ersten Platz in der Branchengruppe Diversified Financial Services and Capital Markets des Dow Jones Sustainability Index bestätigt, dies übrigens zum sechsten Mal in Folge.

Das Volumen nachhaltiger Anlagen hat in den letzten Jahren sehr stark zugenommen. Viele Anleger sind offenbar überzeugt vom Mehrwert, den sie damit generieren können. Welches sind denn die Motive der Anleger, nachhaltig zu investieren?

Zu diesem Thema haben wir letztes Jahr eine Umfrage unter rund 600 institutionellen Investoren durchführen lassen. Über 80% der Befragten gaben an, dass die Vernachlässigung von ESG-Kriterien grosse Risiken mit sich bringt, und 55% zeigten sich überzeugt, dass deren Berücksichtigung sich positiv auf die finanziellen Renditen auswirkt. Die Mehrheit der Befragten sagte sogar voraus, dass Umweltfaktoren in den nächsten fünf Jahren einen grösseren Einfluss auf ihre Anlageentscheidungen haben werden als traditionelle finanzielle Kriterien.

Um die Weltwirtschaft klimaverträglicher zu machen und die Ziele der Pariser Klimakonferenz von 2015 zu erreichen, sind riesige Summen an Investitionen nötig. Auch Anleger können einen Beitrag dazu leisten, indem sie sich für klimabewusste Anlagestrategien entscheiden. Welches Konzept wenden Sie bei UBS Asset Management an?

Anleger benötigen praxisgerechte Instrumente und Techniken, um mit ihren Geldern etwas bewirken zu können. Die Methode von UBS Asset Management umfasst drei Elemente für den Portfolioaufbau und lässt sich in aktiven und passiven Anlagelösungen verschiedener
Anlageklassen umsetzen.

  • Erstens geht es darum, Nachhaltigkeitsrisiken im Portfolio zu reduzieren. Investitionen werden dafür in Unternehmen gelenkt, die die Risiken des Klimawandels in ihren Geschäftsmodellen systematisch und konsequent berücksichtigen. Sämtliche Sektoren müssen ihren Beitrag leisten. So muss zum Beispiel der Detailhandel Lösungen finden, um die konsumbedingten Abfallmengen und Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren. Banken wiederum können eine Brückenfunktion zwischen Anlegern und Kapital suchenden Unternehmen wahrnehmen und dadurch Projekte mit positiver Umweltwirkung ermöglichen.
  • Zweitens wird das Portfolio angepasst, um die Chancen des Klimaschutzes zu nutzen. Investitionen fliessen dafür in Unternehmen, deren Technologien oder Dienstleistungen einen positiven Effekt auf das Klima haben. Die Industrie- und Technologieunternehmen sowie Produzenten von erneuerbarer Energie machen es erst möglich, Geschäftsmodelle und Konsumgewohnheiten zu verändern.
  • Drittens liegt das Augenmerk auf dem langfristigen Klimagleitpfad der Unternehmen. Die Anlage bevorzugt solche, die einen Kurs in Richtung mehr Klimaschutz verfolgen. Bestimmte Sektoren wie zum Beispiel die Erdöl- oder Kohleindustrie sind wesentlich für den Ausstoss von Schadstoffen verantwortlich. Gleichzeitig ist hier das Potenzial für Verbesserungen sehr gross. Statt C02-intensive Sektoren komplett auszuschliessen, stehen wir mit den Unternehmen in einem Dialog, um sie auf Risiken, aber auch Chancen bedingt durch den Klimawandel hinzuweisen. Dadurch beeinflussen wir ihr Verhalten und begleiten sie beim Übergang zu einem klimafreundlicheren Geschäftsmodell.
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