Indien am Anfang eines Aufwärtstrends

Madhav Bhatkuly, Fondsmanager des GAM Star India Equity.
Madhav Bhatkuly, Fondsmanager des GAM Star India Equity.

Madhav Bhatkuly, Fondsmanager des GAM Star India Equity, erklärt im Interview, warum der Zeitpunkt zum Einstieg in den indischen Aktienmarkt günstig ist.

08.04.2015, 06:59 Uhr

Redaktion: dab

Herr Bhatkuly, Sie sind der Meinung, dass es von Vorteil ist, als Fondsmanager eines Indienfonds vor Ort zu sein. Warum?
Madhav Bhatkuly: Der Grund liegt darin, dass Indiens Wirtschaft einzigartig ist. Sie ist weder mit anderen Schwellen- noch Industriestaaten zu vergleichen. Deswegen kann sie auch nur vor Ort wirklich verstanden werden.

Was ist denn so einzigartig an der indischen Wirtschaft?
In der Geschichte des Kapitalismus der vergangenen 200 Jahre hat sich die Entwicklung stets so vollzogen, dass in einem Land erst der Übergang von der Landwirtschaft zur Industrie erfolgte und dann von der Industrie zum Dienstleistungssektor – so war es in den USA, den europäischen Staaten, Japan, Korea und zuletzt auch in China. Für den Schritt von der Landwirtschaft zur Industrie bedarf es jedoch einer funktionierenden Infrastruktur, also Strassen, Eisenbahnen und Stromnetze, für deren Bau eine Zentralregierung zuständig ist. Zudem setzt der Aufbau einer Industrie hohe Investitionen beispielsweise in Fabriken voraus. In Indien waren weder eine gute Infrastruktur noch genügend Kapital vorhanden. Mit guter Bildung, unternehmerischem Geist und qualifizierten Arbeitskräften überwand das Land diese Probleme jedoch und schaffte den Sprung direkt von der Agrar- zur Dienstleistungsökonomie – eine ganz eigene ‚Darwinsche‘ Reaktion auf die spezifische Konstellation von Bedingungen.

Inwiefern unterscheidet sich dadurch die indische Unternehmenslandschaft von anderen Schwellenländern?
Wenn Anleger an andere Schwellenländer denken, verbinden sie mit jedem meist nur eine oder zwei Branchen und selten mehr als eine Handvoll bekannter Unternehmen. In Brasilien und Russland ist das beispielsweise der Rohstoffsektor, in Taiwan die Halbleiterindustrie und in China die Billigproduktion. Indien ist hingegen wesentlich breiter aufgestellt. So war das Land noch vor zehn Jahren ein weisser Fleck auf der Landkarte der internationalen Pharmaindustrie. Heute kommt ein Drittel der Zulassungsanträge für neue generische Arzneimittel in den USA aus Indien.

Welche Themen finden Sie derzeit aus Anlegersicht interessant?
Neben dem Gesundheitssektor, der in Indien stark unterfinanziert ist, favorisieren wir Konsum, beispielsweise im Bereich persönliche Hygiene: Inder haben nämlich im Durchschnitt die weltweit längsten Haare. Dennoch zählt der indische Markt für Haarpflegeprodukte zu den kleinsten der Welt. Zudem haben die über 620 Millionen männlichen Inder von Natur aus einen stärkeren Haarwuchs als andere Asiaten. Indien sollte deshalb früher oder später zum weltweit grössten Absatzmarkt für Rasierer werden.

Warum erscheinen Ihnen indische Aktien gerade momentan so interessant?
Zum ersten Mal, seit ich zurückdenken kann, kommen mehrere Faktoren so zusammen, dass sie die Basis für eine mehrjährige Aktienhausse bilden könnten. Erstens sind die Gewinne der indischen Unternehmen ungeachtet der positiven Börsenentwicklung der letzten Monate immer noch sehr niedrig. Die Kapazitätsauslastung liegt unter den Tiefständen während der Finanzkrise von 2008/2009. Zweitens senkt der politische Wandel unter dem neuen Regierungschef Modi die Hürden für Unternehmen in Indien. Drittens hatte Indien in den zurückliegenden Jahren relativ hohe Inflationsraten, während in den USA, Europa und Japan eine expansive Geldpolitik betrieben wurde. Die indische Notenbank straffte die Zinszügel deshalb energisch. Nachdem nun ein rapider Rückgang der Inflation zu beobachten ist, der sich weiter fortsetzen dürfte, steht Indien an der Schwelle zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. Und viertens ist die Ölintensität, d.h. der Ölverbrauch in Relation zum Bruttoinlandsprodukt, der indischen Wirtschaft so hoch wie in keinem anderen Schwellenland. Der niedrigere Ölpreis wirkt sich daher besonders positiv auf die Handelsbilanz aus. Das Zusammenwirken dieser vier Faktoren macht Indien für die nächsten rund fünf Jahre höchst attraktiv für Anleger.

Wichtige rechtliche Hinweise
Die hier genannten Meinungen sind die des Fondsmanagers zum Zeitpunkt der Erstellung, Änderungen vorbehalten. Die Preise von Fondsanteilen und die Erträge vom Fonds können sowohl fallen als auch steigen.Der Preis hängt zudem von der Entwicklung der Finanzmärkte ab, welche ausserhalb der Kontrolle von GAM liegt und zudem Wechselkursschwankungen unterliegen kann. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung. Anlagen sollen erst nach der gründlichen Lektüre des aktuellen Rechtsprospekts und/oder des Fondsreglements, der Wesentlichen Anlegerinformationen, der Statuten und des aktuellen Jahres- und Halbjahresbericht sowie nach einer Beratung durch einen unabhängigen Finanz- und Steuerspezialisten getätigt werden.

GAM Star India Equity ist ein Subfonds der GAM Star Fund p.l.c., mit Sitz George’s Court, 54-62 Townsend Street, Dublin 2, Irland, eine Investmentgesellschaft mit variablem Kapital, die als Umbrella-Fonds mit Haftungstrennung zwischen den Subfonds nach irischem Recht errichtetet und als OGAW (Organismus für gemeinsame Anlagen in übertragbaren Wertpapieren) von der Zentralbank von Irland gemäss der Richtlinie 2009/65/EG zugelassen ist. Die Verwaltungsgesellschaft ist GAM Fund Management Limited, George’s Court, 54-62 Townsend Street, Dublin 2, Irland. Die Annahme der Zeichnung und die Ausgabe der Anteile erfolgen ausschliesslich auf Basis des aktuellen Verkaufsprospekts. Exemplare davon sowie von den wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) und den Jahres-und Halbjahresberichten sind auf Anfrage bei der Vertreterin in der Schweiz, GAM Anlagefonds AG, Hardstrasse 201, Postfach, 8037 Zürich, oder auf dem Internet unter www.gam.com kostenlos erhältlich. Zahlstelle in der Schweiz ist State Street Bank GmbH, München, Zweigniederlassung Zürich, Beethovenstrasse 19, Postfach, 8027 Zürich.

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