"Healthy Living" wird sich durchsetzen

Martin Jochum, PM des Healthy Living Fonds, bei RobecoSAM
Martin Jochum, PM des Healthy Living Fonds, bei RobecoSAM

Martin Jochum, PM des Sustainable Healthy Living Fonds von RobecoSAM, erläutert im Fondstrends-Interview die Trends in der Gesundheitsbranche.

27.11.2013, 10:00 Uhr

Redaktion: jod

Herr Jochum, was ist der Sustainable Healthy Living Fonds? Der Name ist nicht nur selbsterklärend.
Martin Jochum: „Sustainable Healthy Living“ basiert auf zwei übergeordneten Themenbereichen, sich änderndem Konsumverhalten und stetig steigenden Gesundheitskosten. Diese beiden Trends bilden de facto einen Feedback Loop und ergänzen sich hervorragend. Eine gesunde Lebensweise wirkt sich positiv auf niedrigere Gesundheitskosten aus. Auf der anderen Seite werfen Gesundheitskosten, die ausser Rand und Band laufen, gezwungenermassen den Fokus auf einen gesünderen Lebensstil.

Der Megatrend „Healthy Living“ schafft einen gesundheitsbewussteren Menschen und eröffnet beträchtliches Marktpotenzial, das ein breites Spektrum von Unternehmen zu Forschung und Neuentwicklungen herausfordert. Innovative Firmen nutzen diese Marktchance und geben so der Industrie neue Wachstumsimpulse. Attraktiv ist das Healthy Living Thema nicht zuletzt deshalb, weil sich hier viele kleine und mittlere Unternehmen mit neuen Ideen und Konzepten betätigen.

Wie wählen Sie Themen und Titel aus?

Der „RobecoSAM Sustainable Healthy Living“ ist ein global investierter Themenfonds nach dem klassischen „long only“ Prinzip. Das massgeschneiderte Investmentuniversum umfasst Firmen aus den Bereichen Ernährung, Körperpflege, Gesundheitspflege und Aktivität. Betreut wird der Fonds von einem spezialisierten Investmentteam, das einen systematischen Investmentprozess verfolgt, der auf bottom-up Fundamentanalyse basiert.

Beinhaltet der Fokus auf neue nachhaltige Trends neben Chancen auch besondere Risiken?
Die Chancen beim Sustainable Healthy Living Fonds scheinen zu überwiegen. Wir sehen eine Sektor-übergreifende und damit diversifizierte Positionierung als einen entscheidenden Vorteil eines gut durchdachten Themenfonds. Investitionen entlang der gesamten Bandbreite von defensiven bis stark zyklisch orientierten Unternehmungen machen diese Strategie verhältnismässig Marktphasen-unabhängiger.

Ein gesünderer Lebensstil wird sich zwangsläufig durchsetzen, denn das Gesundheitsbewusstsein ist sowohl bei Verbrauchern als auch Unternehmen und Regierungen gereift. Nicht nur der Konsumententyp ändert sich, auch Regierungen passen ihre Politik an, da drastisch steigende Gesundheitskosten auf Dauer systemisch untragbar sind. Aus diesem Grund erwägen viele Länder, wie jüngst Mexiko, die Erhebung von Steuern auf ungesunde Nahrungsmittel und Getränke.

Während unsere Themen für langfristige strukturelle Veränderungen sorgen werden, sehen wir uns natürlich vor der Herausforderung, dass nicht jeder neue Trend von nachhaltiger Natur sein wird. Neben kleineren Ausrutschern ist unsere Performance-Historie jedoch Beleg dafür, dass wir kurzfristige „Modetrends“ entweder ausgelassen - oder rechtzeitig wieder verlassen - haben.

Welche Trends sehen Sie momentan im Gesundheitsbereich?
„Früherkennung und Diagnose“ bildet ein Thema und damit Subcluster innerhalb der Sparte Gesundheitspflege. Die Grundidee liegt in der zeitigen Erkennung eines Krankheitsbildes und damit einer besseren aber auch kosteneffizienteren Behandlung von Patienten. Innerhalb unseres Themenansatzes sehen wir den Trend in Richtung Prävention allerdings auch ausserhalb des Sektors „Health Care“. Der boomende Markt um Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsergänzungsmittel (auf Englisch VMS - vitamins, minerals, supplements) lässt darauf schliessen, dass Konsumenten Vorbeugung vermehrt selbst in die Hand nehmen. Fehlende Krankenversicherungsdeckung (siehe USA) und die prinzipielle Tendenz in Richtung gesünderer Ernährung verheissen dieser Branche weiterhin interessantes Wachstumspotential.

Welche Unternehmen können sich im Bereich Healthy Living als Trendsetter profilieren?
Hierzu gibt es natürlich kein allgemein gültiges Erfolgsrezept. Wir beobachten allerdings, dass „Mega-Marken“ verhältnismässig zurückhaltender sind, wenn es um bahnbrechende Innovationen geht. Dementsprechend suchen und finden wir die Trendsetter von morgen hauptsächlich im Segment kleiner und mittelgrosser Unternehmen. Den Beleg dazu sehen wir in der Übernahmeaktivität innerhalb unseres Fonds. In den letzten Jahren wurden annähernd 20 unserer „Innovations-Trendsetter“ von anderen Firmen aufgekauft. Als Beispiele für interessante Sparten sehen wir unter anderem Gluten-freie Nahrungsmittel, technisch versierte und alltagstaugliche Sportbekleidung, und einen zukunftsträchtigen Dialysemarkt.

Welche Themenfelder zeigen zurzeit die stärkste Performance im Sustainable Healthy Living Fonds?
2013 haben alle vier Investment-Cluster positiv zu unserer Outperformance beigetragen. Dazu gehören beispielsweise die natürlichen/organischen Nahrungsmittel im US Einzelhandel oder die Premium-Milchprodukte in China. Beide hatten ein gutes Jahr. Der Direktvertrieb (vor allem Nahrungsergänzungsmittel) kam in den Genuss von starkem Gewinnwachstum. Gute Leistung zeigten auch die Hersteller von Sport-/Outdoor-Bekleidung und im Bereich Gesundheitspflege half die Übernahme eines Herstellers von Forschungsutensilien.

Mehr als 10 Fonds-Positionen wiesen seit Anfang Jahr eine Performance von 50% (und teilweise massiv mehr) auf. Während einige dieser Kandidaten auf dem jetzigen Niveau nicht mehr in Frage kommen, erwarten wir kurzfristig keine massgebliche Veränderung unsere Themenorientierung.

Sehen Sie regionale Unterschiede in Bezug auf die Themen, die der Sustainable Healthy Living Fonds repräsentiert? Welche Themen bzw. Trends sind zurzeit in den USA, welche in China dominant?
Wir sehen grundlegende regionale Unterschiede. Während biologische Nahrungsmittel in Europa schon längst in aller Munde waren, bleiben es in den USA „macaroni & cheese“. Der immense Aufholbedarf bringt allerdings auch ausgesprochen interessante Investment-Chancen mit sich. Neben natürlichen/biologischen Nahrungsmitteln sehen wir eine Anzahl innovativer Unternehmen, die sich zukunftsorientiert in den Bereichen „alternative Getränke“ oder auch Nahrungsergänzungsmitteln positioniert haben. Auf der anderen Seite erzwingen Konsumaufschwung und prominente Nahrungsmittelskandale in China einen politischen Balanceakt von quantitativer in Richtung qualitativer Produktion. So sehen wir zum Beispiel weiterhin vielversprechendes Marktpotential in der Kategorie Babynahrung.

Wie hat in diesem Jahr der Sustainable Healthy Living Fonds im Vergleich zum MSCI World ND Index abgeschnitten?
2013 erweist sich als renditestarkes Jahr für den Fonds. Per Mitte November liegt der Sustainable Healthy Living Fonds über 30% im Plus und hat damit seine offizielle Benchmark, den MSCI World, um über 9% übertroffen (Euro, B-Shares). In den letzten 5 Jahren erwirtschafteten wir eine Total-Rendite von knapp 115%.

Auf welche Risikokennzahl sind Sie besonders stolz?
Trotz starker Performance hatte der Fonds im vergangenen Jahr ein Beta von lediglich 0.80. Dies bestätigt die defensive Natur dieses Themenfonds im Zusammenhang mit interessanten Renditechancen. Institutionelle Investoren schätzen auch das Zusammenspiel attraktiver „up-capture“ und defensiver „down-capture“ Kennziffern.

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