Greg Aldridge von M&G schreckt der starke Franken nicht

Greg Aldridge ist Fondsmanager des Global Growth Fund von M&G
Greg Aldridge ist Fondsmanager des Global Growth Fund von M&G

Fondstrends.ch hat mit Greg Aldridge, Fondsmanager des Global Growth Fund von M&G, über die aktuelle Marktsituation und über seine Strategie gesprochen. Seine Schweizer Engagements bleiben für ihn trotz des starken Frankens weiterhin sehr attraktiv. Woran das liegt, erklärte er im Interview.

13.09.2011, 13:37 Uhr

Die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate haben für Turbulenzen an den Aktienmärkten gesorgt. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Greg Aldridge: Die Marktturbulenzen haben uns alle vor grosse Herausforderungen gestellt. Wenn die Aktienwerte um vier bis fünf Prozent pro Tag nach oben oder unten ausschlagen, führt das kurzfristig unweigerlich zu Problemen. Aber in zwei Jahren wird keiner mehr über die Ereignisse in 2011 sprechen. Dennoch: Die gegenwärtige Unsicherheit ist nachvollziehbar und Politiker in den USA und Europa haben ihren Teil dazu beigetragen. Auch die Wirtschaftsindikatoren liefern keine einheitlichen Signale. Das verunsichert.

Welchen Ansatz verfolgen Sie bei der Verwaltung Ihres Global Growth Fund?
Viele auf Wachstum ausgerichtete Fonds suchen Unternehmen mit kurzfristig hohen Wachstumsprognosen. Manche Unternehmen, die ich mir anschaue, würden von anderen Fondsmanagern überhaupt nicht als Wachstumsunternehmen wahrgenommen werden, weil sie keine jährlichen Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich vorweisen können. Wachstumsraten von drei bis fünf Prozent sind aus meiner Sicht indes ausreichend, da diese Unternehmen ihren Wert langfristig steigern. Procter&Gamble und Nestlé zum Beispiel sind keine klassischen Wachstumsunternehmen. Oft wachsen Unternehmen auch zyklisch, analog dem Marktverhalten. Ein Unternehmen ist dadurch nicht schlechter, aber man muss den richtigen Moment erwischen: Sind die Preise tief und die Prognosen schlecht, dann ist es Zeit zu kaufen. Das verlangt nach einem guten Portfoliomanagement.

Sie sprachen vom fundamentalen Wert eines Unternehmens. Auf welchen Kriterien basieren Ihre Investitionsentscheidungen?
Ich suche Unternehmen, die in der Lage sind etwas ‚magisches‘ zu vollbringen und die etwas aus dem Nichts schaffen können. Sie tätigen eine Investition und nach einer bestimmten Zeit ist sie das Drei- oder Vierfache wert. Das ist magisch. Es ist wichtig zu verstehen, weshalb diese Unternehmen langfristig erfolgreich sind. Der Innovationsgeist eines Unternehmens trägt oft massgeblich dazu bei. Google hat sich zum Beispiel mit der Entwicklung des Betriebssystems ‚Android‘ für Mobiltelefone ein weiteres Standbein geschaffen. Bereits jetzt hat Google sich in diesem Markt die Vorherrschaft gesichert und auch wenn sie jetzt noch kein Geld damit verdienen, so werden sie in Zukunft stark davon profitieren.

Grundsätzlich achte ich vermehrt auf die Generierung eines langfristigen Mehrwertes. Banken betrachte ich deswegen eher kritisch, denn in Banken herrscht oft eine Kultur, in der Mitarbeiter eine nahezu hundertprozentige Auszahlung, der von ihnen generierten Gewinne verlangen. Werden die Forderungen nicht erfüllt, wechseln die Mitarbeiter zu einem anderen Institut, das diesen Forderungen nachkommt.

Es sind also viele Faktoren, die zur Steigerung des Unternehmenswertes beitragen. Die Renditen dienen dabei oft als guter Indikator.

Renditen sind also Ihre “magische” Zahl. Worauf stellen Sie sonst noch ab?
Renditen sind das Symptom, der Output. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie die Unternehmen es schaffen, diese Renditen zu generieren. Wichtig ist, dass sie über materielle oder immaterielle Vermögenswerte wie Brands oder Business Modelle verfügen, die ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und die nur schwer kopiert werden können. Ich fasse das unter dem Begriff Knappheit zusammen: je knapper das Gut, desto höher der Wert. Das verschafft Wettbewerbsvorteile. Mitarbeiter können auch ein hervorragendes Asset darstellen, das bei der Bewertung eines Unternehmens oft übersehen wird. Die Unternehmenskultur und der Umgang der Mitarbeiter miteinander stellen einen enormen Wert für das Unternehmen dar, zumal Wettbewerber das nur schwer kopieren können. Die Finanzindustrie ist ein Negativbeispiel dafür. Fehlt die richtige Unternehmenskultur und das richtige Know-how, können die Folgen verheerend sein.

Am Ende zählt immer das Gesamtbild, das man von einem Unternehmen hat. Zentral sind dabei Flexibilität und Innovation.

Sie fokussieren hauptsächlich auf europäische und US-Unternehmen. Welche anderen Länder kommen noch in Frage?
Das Portfolio ist sehr global. Die USA und Europa machen aber einen wesentlichen Teil des Portfolios aus, da viele gute und stabile Unternehmen dort kotiert sind. Auch andere Länder wie Brasilien oder Südafrika bieten attraktive Chancen. Banco do Brasil ist beispielsweise sehr gut in Brasilien positioniert und Petrobras profitiert von den Offshore Ölvorkommen Brasiliens. Die Wachstumsprognosen sind hier sehr vielversprechend. Investitionsmöglichkeiten existieren überall auf der Welt und dabei kommt es nicht nur auf das Wirtschaftswachstum des jeweiligen Landes an. Aus den unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Märkte ergeben sich vielseitige Investitionsmöglichkeiten. Viele glauben, in den USA und Europa gäbe es kein Wachstum mehr und wenden sich deshalb verstärkt den Schwellenländern zu. Ich sehe das anders. Wachstum gibt es auch in diesen Regionen, welches vor allem aus der Nutzung von Ressourcen und Technologien entsteht.

Wie sieht es mit Ihren Investitionen in der Schweiz aus? Ihr Engagement ist hier recht hoch.
In der Schweiz gibt es sehr viele gute Unternehmen. Woran das liegt, kann ich nur mutmassen. Vielleicht ist es die geographische Lage – zwischen dem disziplinorientierten Norden und dem kreativen Süden – welche für den richtigen Mix sorgt. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber fest steht, dass eine ganze Reihe von weltweit führenden Pharma- und Lebensmittelunternehmen in der Schweiz angesiedelt sind. Auch in anderen Industrien spielt die Schweiz ganz oben mit. Ich glaube es hat viel mit der Schweizer Kultur zu tun. In meinem Europäischen Fonds ist der Anteil an Schweizer Unternehmen sogar noch höher.

Und die Tatsache, dass der Schweizer Franken zurzeit so stark ist, beeinflusst das ihre Investmententscheidungen?
Ich investiere in der Regel in Unternehmen, die weltweit tätig sind und da realisiert sich das Währungsrisiko nicht so stark. Natürlich fallen die Gewinne in Schweizer Franken geringer aus und auch die Aktienpreise machten eine Talfahrt. Gleichzeitig ist der Franken aber auch mehr wert, so dass die Auswirkungen sich für mich als internationaler Investor in Grenzen halten. Für heimische Investoren, die in inländische Unternehmen auf Schweizer Franken Basis investieren, ist die Situation schwieriger. Export-Unternehmen sind natürlich ebenfalls stark betroffen; Investitionen in diese vermeide ich aber grundsätzlich.

Sie halten relativ viele Anteile an den sogenannten Global Players. Wie verhält sich das mit Ihrem Ansatz, nach Unternehmen zu suchen, die über knappe Assets verfügen? Ist das magische, besondere und innovative nicht eher bei Nischen-Players zu finden?
Einige der knappsten Assets werden von den grössten Unternehmen dieser Welt gehalten. Sie waren ihr Schlüssel zum Erfolg. In unserem Wachstums-Team managen wir auch die Small Cap Fonds, bei denen wir glauben, dass sie die zukünftigen „Grossen“ sein werden. Klein zu sein, kann aber in der Tat auch ein Vorteil sein. Der Begriff „judo-economics“ fasst dieses Phänomen zusammen. Kleine Unternehmen sind oft flexibler und können Chancen am Markt nutzen, die für Grossunternehmen nicht attraktiv sind, da das Volumen ihre enormen Overhead-Kosten nicht deckt. Wie im Judo kann so auch ein kleiner Gegner einen Grossen mit der richtigen Technik ausstechen.

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