ESG macht den Unterschied

José Machi, Leiter Fondsvertrieb Schweiz bei Nordea Asset Management
José Machi, Leiter Fondsvertrieb Schweiz bei Nordea Asset Management

Für Nordea Asset Management ist verantwortungsvolles Investieren ein entscheidender Erfolgsfaktor, erläutert José Machi, Leiter Fondsvertrieb Schweiz. Nordea baut die Palette der STARS-Fonds weiter stark aus.

17.01.2019, 18:36 Uhr

Redaktion: cwe

ESG ist in der Investmentwelt zum Modebegriff geworden. Jeder springt heute auf den Nachhaltigkeitszug auf.

José Machi: Der Zug ist in Nordeuropa und somit bei Nordea schon längst in voller Fahrt. Nordea Asset Management gehörte 2007 zu den ersten Asset Managern weltweit, die den damals neu gegründeten UN Prinzipien für Verantwortliche Investments beigetreten sind. Nachhaltiges Investieren ist tief in unserer nordischen DNA verwurzelt und ist schon lange bevor das Thema in den öffentlichen Fokus rückte ein wichtiger Teil von uns. Die Nordea-Gruppe wurde 2018 als eines der 100 nachhaltigsten Unternehmen weltweit ausgezeichnet. Grundsätzlich sehen wir es als unsere Pflicht an, alle Faktoren zu berücksichtigen, die die Investments beeinflussen können, die uns von den Kunden treuhänderisch anvertraut werden. Die Chancen und Risiken im Zusammenhang mit den Themen rund um ESG sind solche Faktoren.

Und wie begegnet Nordea AM dieser Herausforderung?

Wir sind davon überzeugt, dass der Einbezug von ESG-Faktoren die Portfolio-Risiken senkt und langfristig Wert generiert. Dazu braucht es allerdings ein überzeugendes Konzept, wie man diese ESG-Faktoren in den Investmentprozess integriert. Nordea AM geht die Herausforderung auf verschiedenen Ebenen an. So unterliegen zum Beispiel alle Nordea-Fonds einem sogenannten ESG Overlay. Für die Grosszahl der Unternehmen in unseren Portfolios nehmen wir die Eigentumsrechte aktiv wahr, indem wir an den Generalversammlungen formale Stimmrechte ausüben oder in Nominierungsausschüssen, die Verwaltungsräte ernennen und die notwendigen Qualifikationen von Bewerbern prüfen, vertreten sind. Darüber hinaus wenden wir bei all unseren Fonds ein normenbasiertes Screening an, bei dem die gehaltenen Unternehmen regelmässig auf die Einhaltung weltweiter ökologischer und sozialer Normen oder Standards untersucht werden. Wenn ein Unternehmen gegen eine dieser Normen verstossen hat, suchen wir einen konstruktiven Dialog, um Verbesserungen herbeizuführen. Falls der Dialog mit den Unternehmen keine Resultate zeigt, können Aktien auch aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen werden. Des Weiteren werden bestimmte Sektoren, zum Beispiel Nuklearwaffenproduzenten oder Unternehmen, die mehr als 30% ihrer Umsätze aus Kohle erzielen, grundsätzlich ausgeschlossen.

Zusätzlich hat Nordea eine eigene ESG-Fondspalette geschaffen.

Das ist korrekt. Neben den eben genannten ESG-Ansätzen, die für all unsere Fonds gelten, haben wir innovative Produkte entwickelt, bei denen wir noch deutlich weitergehen. So haben wir 2008 mit dem Nordea 1 Climate and Environment Fund einen Themenfonds aufgelegt, der sich auf den Bereich Klimalösungen konzentriert und in Unternehmen investiert, die Produkte und Dienstleistungen zur Verbesserung der Ressourceneffizienz anbieten. Seit 2011 integrieren wir in der STARS-Fondspalette alle relevanten ESG-Faktoren im Anlageprozess. Das Konzept wird in einem globalen, einem Schwellenländerportfolio, einem europäischen und seit November 2018 auch in einem nordamerikanischen Portfolio angewandt. Das Management der STARS-Strategien wählt dabei Unternehmen mit guten Fundamentaldaten aus, die darüber hinaus über ein hohes ESG-Rating verfügen.

Auf welche Ratings stützen Sie sich dabei ab?

Nordea AM hat in den vergangenen Jahren eines der grössten ESG-Teams in Europa aufgebaut. Das Team hat ein proprietäres ESG-Rating mit Noten von A bis C entwickelt, wobei die STARS-Fonds nur in Unternehmen der ersten beiden Kategorien investieren können. Auch hier verfolgen wir einen Engagement-Ansatz bei unseren Beteiligungen. Das heisst, wir treten in einen aktiven Dialog mit den Unternehmen und diskutieren mit ihnen Verbesserungen in den Bereichen Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, Ressourcenverbrauch, Menschenrechte oder Antikorruption.

Können Sie dazu ein Beispiel geben?

In den vergangenen Jahren haben wir mit hunderten Unternehmen rund um den Globus Gespräche zu ESG-Themen geführt. Phoenix Mills, ein indisches Immobilienunternehmen, ist ein gutes Beispiel dafür. Als langfristiger Investor im Nordea 1 Emerging Stars Equity Fund stehen wir in regelmässigem Kontakt mit dem Management und konnten es zu mehr Transparenz in Fragen der Nachhaltigkeit bewegen. Nordea AM war massgeblich daran beteiligt, dass das Unternehmen 2016 erstmals einen Verhaltenskodex publiziert hat.

Hat sich das auch für die Investoren ausbezahlt?

Die Performance der ESG-Fonds hat sich sehr erfreulich entwickelt und wir registrieren eine hohe Nachfrage. Heute verwaltet Nordea allein in der STARS-Palette über CHF 3 Milliarden nach ESG-Kriterien. Wir planen deshalb eine Erweiterung des Ansatzes auf den Fixed-Income-Sektor und lancieren dazu nachhaltige Bond-Fonds in der STARS-Produktreihe.

Nicht jeder Anleger legt gleichen Wert auf Nachhaltigkeit. Alle Anleger suchen aber Renditen, welche vor allem im Bondsektor nach wie vor rar sind.

Das Zinsumfeld ist anhaltend anspruchsvoll. In den letzten Monaten waren vor allem Nordeas Covered-Bond-Strategien gefragt. Es sind Produkte mit ähnlichem Risikoprofil wie Staatsanleihen, aber etwas höherer Rendite. Die Low Duration Variante hat im ersten Jahr seit der Auflage eine Milliarde Euro angezogen. Jetzt haben wir eine zusätzliche Strategie mit Hebel geschaffen, mit der Anleger noch einige Basispunkte mehr herausholen können. Mit steigenden Spreads ist auch der Nordea 1 European High Yield Bond Fund wieder gefragt.

Und im Aktiensektor?

Nachdem die Techstocks und allgemein die Growth-Titel lange das Mass aller Dinge waren, sind sie in der letzten Zeit unter die Räder gekommen. Defensive Aktien sind wieder gefragter. Davon haben unsere Stable Equity Funds profitiert.

Nordea AM an der FINANZ19: Stand S.39

Mittwoch, 23.01.2019, 12:00 Glaskubus 2, Hilde Jenssen, Product specialist Nordea AM, nimmt Teil am Panel «How can sustainability approaches be integrated into the investment process?»

Mittwoch, 23.01.2019, 14:00 Seminarraum 2, Präsentation von Phil Steiner, Nordea AM «ESG in der Praxis: So wird Performance nachhaltig»

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